3. September 2026

Magnificent 7 und KI: Es ist kompliziert

„Nvidia, Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta, Apple und Tesla gehören zu den wichtigsten Unternehmen der Welt. Als gemeinsame Anlageidee funktionieren sie jedoch immer weniger. Ihre Geschäftsmodelle, ihr Kapitalbedarf und die Renditen auf ihre KI-Investitionen unterscheiden sich zu stark voneinander“, so Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix, in seinem Beitrag.

Serge Nussbaumer, Head Public Solutions & Marketing bei Maverix
Serge Nussbaumer, Head Public Solutions & Marketing bei Maverix

„Vor einem Jahr genügte beinahe die Ankündigung höherer KI-Ausgaben, um Anleger zu überzeugen. Heute lautet die entscheidende Frage: Wer verdient damit genug Geld, um die Investitionen zu rechtfertigen? Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon dürften gemeinsam rund USD 700 Milliarden investieren. Aus Plattformkonzernen werden zunehmend Infrastrukturunternehmen.

Nvidia bleibt der unmittelbarste Profiteur. So stieg der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 106 % auf USD 96,2 Milliarden, das Rechenzentrumsgeschäft legte um 117 % auf USD 89 Milliarden zu. Während andere Milliarden investieren, verdient Nvidia bereits am Bau der Infrastruktur.

Bislang kann Amazon überzeugender zeigen, wofür es investiert. AWS wuchs um 37 % auf USD 42,2 Milliarden, der Auftragsbestand erreichte USD 496 Milliarden. Gleichzeitig stieg die Investitionsprognose für 2026 auf USD 220 Milliarden, während der freie Cashflow auf minus USD 7,6 Milliarden fiel.

Microsoft verfügt mit Azure, Office und Copilot über hervorragende Voraussetzungen zur Monetarisierung. Azure verzeichnete ein Wachstum von 43 %, doch die Sachinvestitionen haben sich zuletzt mehr als verdoppelt. Nun muss Microsoft zeigen, dass die Erträge schneller wachsen als der Kapitaleinsatz.

Alphabet war 2025 wegen seiner günstigen Bewertung der Favorit. Heute ist die Rechnung schwieriger. Google Cloud verzeichnete ein Wachstum von 82 %, gleichzeitig lag der freie Cashflow mit rund USD 5,9 Milliarden erstmals seit dem Börsengang in einem Quartal im Minus. Nun müssen Gemini und Google Cloud die steigenden Infrastrukturkosten rechtfertigen.

Metas Umsatz stieg um 28 % auf USD 60,8 Milliarden, während der freie Cashflow auf USD 784 Millionen einbrach. Für 2026 sind Investitionen von USD 130 bis USD 145 Milliarden geplant. Die neue KI-Infrastruktur muss sich an einem außergewöhnlich profitablen und kapitalleichten Werbegeschäft messen lassen.

Apple spielt ein anderes Spiel. Anstatt massiv in Rechenzentren zu investieren, kann der Konzern KI über seine Gerätebasis monetarisieren. Gelingt das mit weniger gebundenem Kapital, könnte dies das attraktivere ökonomische Modell sein. Misslingt es jedoch, droht technologischer Rückstand.

Tesla bleibt der Sonderfall. Die Bewertung des Unternehmens basiert weniger auf dem aktuellen Autogeschäft als auf Robotaxis, autonomem Fahren, Energiespeichern und dem Projekt „Optimus“. Wenn die Autonomieplattform im großen Maßstab funktioniert, könnte die Bewertung gerechtfertigt sein. Bleibt die Skalierung jedoch hinter den Versprechen zurück, fehlt ein fundamentaler Anker.

Aus sieben Gewinnern würden sieben Einzelfälle werden. Nvidia verdient bereits am KI-Boom. Amazon belegt zusätzliche Nachfrage. Microsoft muss Wachstum in Kapitalrendite übersetzen. Alphabet und Meta kämpfen mit der Cashflow-Rechnung. Apple setzt auf Distribution statt Infrastruktur und Tesla vor allem auf die Zukunft.

Damit verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht mehr, wer bei KI dabei ist, sondern wer nach Abzug der notwendigen Investitionen tatsächlich gutes Geld damit verdient. Wachstum schafft nur dann nachhaltig Wert, wenn die Rendite auf das zusätzlich eingesetzte Kapital ausreichend hoch ist.

Die Magnificent 7 besitzen nach wie vor außergewöhnliche Marktpositionen. Als homogene Anlageidee gibt es sie jedoch kaum noch. Es gibt sieben unterschiedliche Aktien.

Und wie würde Facebook diesen Beziehungsstatus nennen? Es ist kompliziert.“

Maverix/SJ

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