KI-Investitionen in China
Sorgen über hohe Investitionen in künstliche Intelligenz erreichen zunehmend auch China. Die jüngste Kapitalerhöhung von Alibaba löste deutliche Kursverluste bei chinesischen Technologiewerten aus. Philipp Mettler, Senior Portfoliomanager bei Swisscanto/ZKB, sieht dennoch Chancen – vor allem bei Zulieferern und KI-Anwendern, während er bei Modellanbietern und sehr kapitalintensiven Geschäftsmodellen vorsichtiger bleibt.
Alibaba will gesamte Wertschöpfungskette abdecken

Der Investitionsbedarf für Datenzentren ist auch in China enorm. Die Kapitalerhöhung von Alibaba dürfte daher kein Einzelfall bleiben. Alibaba ist aus Sicht Mettlers als einziger Konzern konsequent darauf ausgerichtet, die gesamte Wertschöpfungskette selbst abzudecken – von eigenen KI-Chips über Recheninfrastruktur und Basismodelle bis hin zu Anwendungen. Das neu ausgewiesene Segment „AI Labs and Applications“, zu dem unter anderem Qwen zählt, ist aktuell noch nicht rentabel. Tencent verfolgt dagegen einen weniger kapitalintensiven Ansatz, kauft Rechenkapazität ein und verfügt zudem über ein Beteiligungsportfolio, das bei Bedarf monetarisiert werden kann.
Zulieferer und KI-Anwender im Vorteil
Am besten positioniert sind derzeit Unternehmen aus Zulieferketten, die Zugang zu besonders knappen Ressourcen und Kapazitäten haben – etwa bei Speicherchips, Fertigungskapazitäten, Strominfrastruktur oder optischen Komponenten. Chancen sieht Mettler auch bei Unternehmen, die von sinkenden Inferenzkosten profitieren und dadurch ihre Betriebskosten senken oder Margen verbessern können. Interessant seien zudem Bereiche wie Elektrifizierung und Kühlung. Politische Risiken bleiben jedoch relevant. Die Vorschriften der US-Behörden für chinesische Produkte werden zunehmend restriktiver. Auch Robotik könnte künftig interessant werden, für breit angelegte Investments sei es aus Sicht Mettlers aber noch zu früh.
KI droht zum Gebrauchsgut zu werden
Weniger attraktiv erscheinen die Modellanbieter selbst. Sie stehen unter erheblichem Konkurrenz- und Preisdruck und dürften ihre erwarteten Kapitalrenditen teilweise nicht erreichen. Hinzu kommen hoher Kapitalbedarf und schwer abschätzbare wirtschaftliche Erträge. KI-Modelle könnten zudem zunehmend kommodifiziert werden: Qualität und Leistung einzelner Modelle unterscheiden sich weniger stark, während die Entwicklung teuer bleibt. Physische Grenzen bei der Chipproduktion und mögliche politische Einschränkungen erhöhen die Unsicherheit zusätzlich.
Selektivität bleibt deshalb entscheidend. Swisscanto/ZKB bevorzugt KI-Nutznießer gegenüber KI-Herstellern und bleibt vorsichtig bei Unternehmen mit sehr großen Investitionsvorhaben, insbesondere wenn die Monetarisierung noch nicht absehbar ist.
Swisscanto/ZKB/IJ