31. August 2026

Chancen jenseits KI

Die aktuelle Berichtssaison zeigt nach Einschätzung von Ben Leyland, Senior Fondsmanager bei J O Hambro, dass sich das Gewinnwachstum deutlich breiter entwickelt, als es die starke Fokussierung auf künstliche Intelligenz vermuten lässt. Neben KI profitieren zahlreiche Unternehmen von langfristigen Anlagetrends, verbesserten Fundamentaldaten und teils attraktiveren Bewertungen.

Gewinnwachstum ist breit abgestützt

Ben Leyland, Fondsmanager des JOHCM Global Opportunity Strategy Fund bei J O Hambro Capital Management Limited
Ben Leyland, Senior Fondsmanager bei J O Hambro

Ein nennenswertes Gewinnwachstum ist nicht auf den KI-Bereich beschränkt. Strukturelle Trends wie Kapitalinvestitionen und die Erneuerung der Infrastruktur in Verteidigung, Energie- und Stromversorgung, Elektrifizierung und Automatisierung sorgen bei verschiedenen Unternehmen für solides Umsatz- und Gewinnwachstum. Auch Finanzwerte in Spanien und Japan profitieren von höherer Inflation, höheren Zinsen und Kreditwachstum.

Gleichzeitig bleibt das Bild differenziert. Die Bautätigkeit in Europa ist trotz fiskalischer Impulse weiterhin schwach, unter anderem wegen höherer Energiekosten. Der entscheidende Punkt: Die Märkte werden zunehmend konzentrierter, die Unternehmensgewinne jedoch nicht. Das Spektrum an Anlagechancen bleibt damit breiter, als es die Indexentwicklung vermuten lässt.

Bewertung bleibt entscheidend

Mehrere zuletzt schwache Sektoren zeigen erste Anzeichen einer Stabilisierung. Bei Basiskonsumgütern verbessern sich teilweise die Gewinne, nachdem der Sektor unter schwächerer Nachfrage und höheren Inputkosten gelitten hatte. Der Bewertungsrückgang der vergangenen Jahre schafft dabei eine solidere Ausgangsbasis, insbesondere in Verbindung mit Dividendenrenditen und robusten Bilanzen.

Auch einige Softwareunternehmen verzeichnen weiterhin robustes Gewinnwachstum – entgegen den Befürchtungen, dass KI ihre Geschäftsmodelle deutlich beeinträchtigen könnte. Entscheidend bleibt laut Leyland, operative Entwicklung und Bewertung gegeneinander abzuwägen und nicht nur auf die höchsten Wachstumsraten zu schauen.

Fehlende Transparenz bei KI-Investitionen

Die Investitionen in KI-Infrastruktur steigen weiter stark. Allerdings fehlt bislang die nötige Transparenz, um beurteilen zu können, ob diese Investitionen tatsächlich profitabel sind. Hyperscaler weisen zwar starkes Wachstum bei „KI-Umsätzen“ aus, doch bleibt schwer zu beurteilen, ob die gesamte Wertschöpfungskette wirtschaftlich tragfähig ist.

Auch bei Unternehmen der Realwirtschaft gibt es bisher nur wenige Hinweise darauf, dass KI bereits Geschäftsmodelle und Kostenstrukturen grundlegend verändert. Viele Unternehmen befinden sich noch in der Experimentierphase. Das langfristige Potenzial der Technologie bleibt hoch, doch wirtschaftliche Tragfähigkeit, Verbreitungstempo und erzielbare Renditen sind weiterhin unsicher.

Über den Konsens hinausblicken

Das größere Risiko sieht Leyland daher nicht darin, das Potenzial von KI zu unterschätzen, sondern ihre Einzigartigkeit zu überschätzen und andere Chancen zu übersehen. Während sich die Marktperformance zunehmend auf wenige Titel konzentriert, ist die Unternehmensperformance breiter abgestützt.

Für langfristige Anleger könnten die interessantesten Chancen daher zunehmend außerhalb der Unternehmen liegen, die bereits die Schlagzeilen dominieren – bei Firmen, die nachhaltig Gewinne steigern, ihre Rentabilität verbessern und deren tatsächliche Entwicklung die Markterwartungen übertrifft.

J O Hambro/IJ

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