19. August 2026

Generation Z und Vermögensaufbau

Für die Generation Z, also die etwa zwischen 1997 und 2012 Geborenen, wird der Weg zum eigenen Vermögen zunehmend zur Herausforderung. Hohe Wohnkosten, gestiegene Lebenshaltungskosten und anspruchsvolle Immobilienfinanzierungen treffen auf den Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit. Guido Küsters, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands Financial Planners (AFP), sieht die Chancen auf langfristigen Wohlstand dennoch intakt – vorausgesetzt, junge Menschen beginnen früh, investieren konsequent und kombinieren Kapitalmarkt und Immobilien strategisch.

Für Küsters liegt die Antwort vor allem in einem frühen und strukturierten Start: „Die Rahmenbedingungen sind für junge Menschen zweifellos anspruchsvoller geworden. Aber gerade die Generation Z hat einen entscheidenden Vorteil: Das ist Zeit. Wer mit 20 oder 25 Jahren beginnt, regelmäßig Geld zu investieren, muss nicht reich starten, um langfristig Vermögen aufzubauen.“

Finanzielle Unsicherheit trifft auf neue Anlagekultur

Guido Küsters, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners
Guido Küsters, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners

Der finanzielle Druck auf die junge Generation ist spürbar. Laut der aktuellen Deloitte Gen Z & Millennial Survey 2026 fühlt sich beinahe die Hälfte der befragten Gen Z und Millennials in Österreich finanziell nicht ausreichend abgesichert. Die Lebenshaltungskosten sind dabei die größte finanzielle Sorge. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse eine hohe Lernbereitschaft und den Wunsch, die eigene finanzielle Situation aktiv zu verbessern.

„Die entscheidende Frage ist nicht, ob sich junge Menschen heute überhaupt noch Wohlstand aufbauen können. Sie müssen vielmehr lernen, mit ihren Möglichkeiten konsequent umzugehen“, sagt Küsters. Der erste Schritt müsse dabei nicht groß sein. Auch mit kleinen monatlichen Beträgen lasse sich eine langfristige Investmentroutine etablieren. Steigende Einkommen könnten später genutzt werden, um die Spar- und Investitionsrate schrittweise zu erhöhen.

ETF statt Sparbuch: Aber ohne den nächsten Hype

Für die Generation Z ist der Zugang zu Wertpapieren so einfach wie nie zuvor. Sparpläne und günstige Online-Broker ermöglichen Investments bereits mit kleinen Beträgen, während soziale Medien Finanzthemen zunehmend prägen. Breit gestreute Fonds können dabei ein wichtiger Baustein sein. Entscheidend bleibt jedoch die passende Gesamtstrategie. Auch bei breit aufgestellten Fonds gilt es, mögliche Konzentrationsrisiken – etwa durch einen hohen USA-Anteil oder eine starke Gewichtung einzelner Unternehmen – im Blick zu behalten.

Social Media ist keine Anlageberatung

„Die Generation Z hat heute einen viel einfacheren Zugang zu Informationen und Investments als frühere Generationen. Das ist eine große Chance, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung: Hinter vermeintlichen Anlage-Trends und Social-Media-Hypes können sich nicht nur hohe Risiken, sondern mitunter auch betrügerische Absichten verbergen. Umso wichtiger ist es, Informationen kritisch zu hinterfragen und Anlageentscheidungen nicht aus dem Bauch heraus zu treffen.“ Ein langfristiger Vermögensaufbau brauche einen fundierten Plan und eine auf die persönliche Situation abgestimmte Strategie. Professionelle Beratung könne dabei helfen, Chancen und Risiken richtig einzuordnen.

Immobilie: weiterhin attraktiv, aber kein Muss

Eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus bleibt für viele junge Menschen ein wichtiges Ziel. Gleichzeitig ist der Einstieg in den Immobilienmarkt anspruchsvoll. Der österreichische Immobilienmarkt hat sich zuletzt stabilisiert, während die Finanzierung weiterhin von Zinsen, Eigenkapitalanforderungen und Leistbarkeit geprägt ist. Die OeNB berichtet 2026 von einer wieder leicht anziehenden Kreditvergabe und einer stabilisierten Kreditqualität. Gleichzeitig bleiben nachhaltige Vergabestandards bei Wohnimmobilienkrediten ein wichtiger Faktor. Mit dem Auslaufen der KIM-Verordnung per 30. Juni 2025 sind die zuvor geltenden verbindlichen Vorgaben weggefallen.

Die FMA empfiehlt weiterhin eine Beleihungsquote von maximal 90 Prozent, eine Schuldendienstquote von maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens und eine maximale Laufzeit von 35 Jahren. Auch Banken orientieren sich weiterhin an diesen Standards. Finanzbildung müsse deshalb bereits früh ansetzen. Gerade weil junge Menschen heute mit einer enormen Menge an Finanzinformationen konfrontiert seien, werde die Fähigkeit, seriöse Informationen von Verkaufsversprechen und kurzfristigen Trends zu unterscheiden, immer wichtiger.

Fünf Grundregeln für den Vermögensaufbau der Generation Z

1. Früh beginnen statt auf „später“ warten
Bereits kleine regelmäßige Beträge können über einen langen Zeitraum eine relevante Wirkung entfalten.

2. Liquiditätsreserve aufbauen
Unvorhergesehene Ausgaben sollten nicht dazu führen, langfristige Investments im falschen Moment verkaufen zu müssen. Deshalb ist eine ausreichende Liquiditätsreserve wichtig. Als Richtwert gelten etwa ein bis drei Monatsgehälter, die auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto liegen können. Die Reserve sollte jedoch nicht unnötig hoch ausfallen, da ansonsten Renditechancen durch langfristige Investments verloren gehen.

3. Breit streuen statt Trends hinterherlaufen
Fonds und breit diversifizierte Investments können eine langfristige Basis bilden. Einzelne Hypes sollten nicht die Gesamtstrategie bestimmen.

4. Immobilie als Baustein, nicht als Pflicht verstehen
Eigentum kann sinnvoll sein, ist aber nicht für jeden Lebensentwurf und jede finanzielle Situation die beste Lösung.

5. Einkommen und Vermögen gemeinsam denken
Wer sein Einkommen im Laufe des Berufslebens steigert und gleichzeitig einen Teil davon konsequent investiert, schafft einen starken Hebel für den langfristigen Vermögensaufbau.

Österreichischer Verband Financial Planners /IJ

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