24. Juni 2026

Auf der Tech-Welle reiten

Der spektakuläre Börsengang von SpaceX ist für Laurent Denize, Global Co-CIO von ODDO BHF, mehr als nur ein Einzelereignis: Er sieht darin den Auftakt einer neuen Phase an den Kapitalmärkten, in der der enorme Finanzierungsbedarf für KI-Infrastruktur wieder mehr Unternehmen an die Börse treiben könnte. Gleichzeitig warnt er vor einer wachsenden Konzentration der Wertschöpfung auf wenige Gewinner – und damit auch vor steigenden Rückschlagrisiken.

SpaceX: vorerst beobachten statt einsteigen

Laurent Denize, CIO ODDO BHF Asset Management

Denize sieht den SpaceX-Börsengang trotz aller Euphorie zunächst kritisch. Gegen eine Beteiligung sprach aus seiner Sicht vor allem die hohe Bewertung. Hinzu kommt eine IPO-Struktur, die für institutionelle Investoren wenig attraktiv sei, für das Unternehmen selbst aber Vorteile biete: So könnte ein erheblicher Teil der frei verfügbaren Aktien von Indexfonds absorbiert werden, während der Streubesitz mit rund 4 Prozent niedrig bleibt und Privatanleger über neue Handelsformen zusätzlich Nachfrage erzeugen könnten.

Langfristig schließt Denize einen Einstieg aber nicht aus. Entscheidend sei, ob SpaceX sein Potenzial in der Raumfahrtökonomie in überdurchschnittliche Wertschöpfung übersetzen kann. Chancen sieht er insbesondere in der inzwischen profitablen Starlink-Sparte, die Internetzugang über ein Satellitennetz anbietet und zusätzliche Wachstumsperspektiven im Telekommunikationsmarkt eröffnet. In Verbindung mit Tesla könnte Starlink zudem Anwendungen für autonomes Fahren unterstützen. Auch Fortschritte beim wiederverwendbaren Starship-System könnten weiteres Wertschöpfungspotenzial erschließen. Sein Fazit: SpaceX bleibe ein Beobachtungskandidat, ein Einstieg sei aus heutiger Sicht aber verfrüht.


Big is beautiful

Für Denize dürfte der SpaceX-Börsengang nur der Anfang weiterer Kapitalmaßnahmen sein. Nach Jahren der Schrumpfung könnten die öffentlichen Kapitalmärkte wieder wachsen – getrieben vom hohen Kapitalbedarf für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund verweist er auf mögliche Börsengänge von Anthropic und OpenAI noch in diesem Jahr. Auch große Tech-Konzerne wie Alphabet oder Meta prüfen demnach externe Finanzierungsschritte.

Kurz- bis mittelfristig erwartet Denize jedoch, dass große Marktteilnehmer ihren Kapitalbedarf decken können. Unternehmensgröße sei dabei kein Wachstumshemmnis, sondern könne im Gegenteil ein Vorteil sein. Er verweist auf das sogenannte 10x-Paradoxon: Sehr große Unternehmen – sogenannte Centacorns mit einer Bewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar – hätten statistisch bessere Chancen, ihren Wert nochmals zu verzehnfachen als kleinere Unternehmen.

Gleichzeitig sieht Denize klare Anzeichen für ein zunehmend spekulatives Marktumfeld. Die schnelle Mobilisierung großer Kapitalmengen, immer neue Höchststände und die Begeisterung für ambitionierte Zukunftsvisionen seien typische Merkmale wachsender Blasenrisiken. Anders als in früheren Übertreibungsphasen werde der Boom allerdings nicht von unterkapitalisierten oder hoch verschuldeten Unternehmen getragen, sondern von einigen der weltweit größten und finanzstärksten Technologiekonzerne.

Problematisch sei vor allem die zunehmende Konzentration der Wertschöpfung: Während sich Gewinne auf eine kleine Gruppe stark wachsender Unternehmen konzentrieren, nehme die Zahl der Verlierer in der KI-Ökonomie zu. Das erhöhe die Abhängigkeit des Marktes von wenigen Akteuren und mache ihn anfälliger für Rücksetzer, falls Wachstumserwartungen enttäuscht werden. Für Anleger ergibt sich daraus laut Denize ein ambivalentes Bild: Einerseits steigen die Risiken einer Korrektur, andererseits drohen in einem stark sentimentgetriebenen Markt Opportunitätskosten, wenn Investoren zu früh aussteigen.

Selektiv bleiben

Die Konsequenz daraus ist für Denize eine selektive Positionierung: Unternehmen, deren Geschäftsmodelle durch Disruption unter Druck geraten, sollten konsequent gemieden werden. Etablierte Profiteure des Investitionsbooms könnten dagegen weiter von strukturellen Trends profitieren. Marktrücksetzer wiederum könnten – je nach Marktumfeld und Strategie – disziplinierte Einstiegsmöglichkeiten eröffnen.

ODDO BHF/IJ

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