Arbeitskraft absichern
Kryptowährungen, ETFs und Social-Media-Finanztipps prägen zunehmend die Diskussion rund um Geldanlage und Vermögensaufbau. Renditechancen und Börsentrends stehen dabei häufig im Mittelpunkt. Nach Ansicht des Österreichischen Verbands Financial Planners (AFP) wird jedoch ein wesentliches Risiko oft unterschätzt: der Verlust der eigenen Erwerbsfähigkeit. Denn langfristiger Vermögensaufbau basiert in erster Linie auf einem regelmäßigen Einkommen. Deshalb zählt die Absicherung der Arbeitskraft zu den wichtigsten Bausteinen einer nachhaltigen Finanzplanung.
Gesetzliche Absicherung wird oft überschätzt

Nach Einschätzung des AFP wird die Berufsunfähigkeitsversicherung in Österreich noch immer zu selten als wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Finanzplanung betrachtet. Krankheit, psychische Belastungen oder Unfälle können Menschen in nahezu allen Berufsgruppen dauerhaft daran hindern, ihrer bisherigen Tätigkeit nachzugehen.
„Die wichtigste finanzielle Ressource der meisten Menschen ist nicht ihr Aktiendepot oder ihr Sparbuch, sondern ihre Fähigkeit, laufend Einkommen zu erzielen“, sagt Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des AFP und Senior Financial Consultant bei FiNUM Private Finance. „Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte daher zuerst die eigene Existenzgrundlage absichern. Ohne Einkommen geraten selbst die besten Veranlagungsstrategien rasch ins Wanken.“
Besonders kritisch sieht der AFP die weit verbreitete Annahme, dass der Staat im Fall einer Berufsunfähigkeit automatisch ausreichend absichert. Seit der Reform der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension im Jahr 2014 gilt verstärkt der Grundsatz „Rehabilitation vor Pension“. Anstelle einer dauerhaften Berufsunfähigkeitspension stehen häufig medizinische Rehabilitation, berufliche Wiedereingliederung oder Umschulungsmaßnahmen im Vordergrund.„Viele Menschen wissen nicht, dass sie im Ernstfall möglicherweise keine klassische Berufsunfähigkeitspension erhalten, sondern zunächst auf Rehabilitations- oder Umschulungsmaßnahmen verwiesen werden“, erklärt Ebhart-Pfeiffer. „Das kann bedeuten, dass sie ihren ursprünglich erlernten Beruf nicht mehr ausüben können und gleichzeitig mit finanziellen Einschränkungen konfrontiert sind.“
Berufsunfähigkeit bedeutet oft auch Einkommensverlust
Gerade für qualifizierte Fachkräfte können die Folgen erheblich sein. Wer seinen bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss, sieht sich häufig mit einem deutlichen Rückgang des Einkommens und einer grundlegenden Neuorientierung im Berufsleben konfrontiert. „Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung kann helfen, diese Versorgungslücke zu schließen und die finanzielle Selbstbestimmung auch dann zu erhalten, wenn die eigene Arbeitskraft dauerhaft beeinträchtigt wird“, so Ebhart-Pfeiffer. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung erbringt in der Regel Leistungen, wenn die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Meist gilt das bei einer Einschränkung von rund 50 Prozent über mindestens sechs Monate. Die monatliche Rente wird bis zum vereinbarten Vertragsende gezahlt, häufig bis zum Pensionsalter.
Vermögensaufbau beginnt nicht mit hohen Summen
Neben der Absicherung der Arbeitskraft plädiert der AFP für einen frühzeitigen und langfristigen Vermögensaufbau. „Die meisten von uns glauben, dass Vermögensaufbau erst mit hohen Einkommen oder großen Einmalbeträgen möglich ist. Tatsächlich können bereits kleine, regelmäßig investierte Beträge über die Jahre eine beachtliche Wirkung entfalten“, sagt Ebhart-Pfeiffer. Entscheidend seien Kontinuität, ein langer Anlagehorizont und eine klare Strategie. Finanzplanung bedeute dabei immer, Risikoabsicherung und Vermögensaufbau gemeinsam zu betrachten.
Vorsicht vor dem Mythos des schnellen Geldes
Mit Sorge beobachtet der AFP den Einfluss sozialer Medien auf finanzielle Entscheidungen vieler Menschen. „Derzeit entsteht oft der Eindruck, finanzielle Freiheit ließe sich durch den richtigen Trend oder die nächste Kursrakete erreichen. Das betrifft Kryptowährungen ebenso wie die Vorstellung, mit ETFs könne man mühelos reich werden“, sagt Ebhart-Pfeiffer. ETFs seien grundsätzlich ein bewährtes Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau. Problematisch werde es jedoch, wenn sie als kurzfristige Renditemaschine missverstanden würden.
„Nachhaltiger finanzieller Erfolg entsteht selten über Nacht. Er basiert auf Disziplin, Diversifikation, einem langfristigen Anlagehorizont und einer soliden Risikoabsicherung. Wer zuerst seine Existenz absichert und anschließend konsequent Vermögen aufbaut, schafft die besten Voraussetzungen für finanzielle Stabilität“, so Ebhart-Pfeiffer abschließend.
AFP/IJ