KI verändert Private Equity
Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die Art und Weise, wie Private-Equity-Manager Investmententscheidungen treffen. Laut Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital, liegt der größte Mehrwert jedoch nicht in einer höheren Effizienz, sondern in der Möglichkeit, die Renditeverteilung innerhalb von Private-Equity-Portfolios zu verbessern. Denn gerade bei Buyout-Fonds entscheiden oft wenige außergewöhnlich erfolgreiche Investments über den Gesamterfolg eines Fonds.
In Private Equity entsteht die Gesamtrendite an den Rändern

Innerhalb eines einzelnen Buyout-Fonds erzielt nur eine kleine Zahl von Investments einen überproportionalen Beitrag zur Gesamtperformance. Studien zeigen, dass rund jedes zehnte Investment keinen Gewinn erzielt, während etwa jedes vierte einen Brutto-IRR von über 50 Prozent erreicht. Der Median-Deal kommt dagegen auf einen Brutto-Multiplikator von rund 1,9x und einen Brutto-IRR von 21 Prozent.
Entscheidend ist daher die Fähigkeit eines Managers, außergewöhnliche Gewinner frühzeitig zu identifizieren und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Laut einer Analyse von 113 großen Buyout-Gesellschaften erzielten erfolgreiche Manager bei 32 Prozent ihrer Deals Renditen von über 15 Prozent, während dieser Anteil bei schwächeren Managern lediglich 18 Prozent betrug. Gleichzeitig mussten Top-Performer deutlich weniger Abschreibungen hinnehmen. „Ein einziger verpasster Gewinner kann aus einer starken eine schwache Fondsperformance machen“, betont Rode. Genau hier sieht er das größte Potenzial von KI.
KI wirkt dabei durch zwei unterschiedliche Mechanismen
Aus Sicht von Schroders Capital kann KI sowohl den rechten als auch den linken Rand der Renditeverteilung beeinflussen. Auf der Gewinnerseite ermöglicht KI ein breiteres Deal-Sourcing, die frühere Identifikation attraktiver Unternehmen sowie die Analyse großer Datenmengen und komplexer Muster. Dadurch können Investmentteams mehr Unternehmen und Manager prüfen als mit rein menschlichen Ressourcen möglich wäre und potenziell attraktive Opportunitäten früher erkennen.
Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Reduzierung von Fehlentscheidungen. KI kann im Rahmen der Due Diligence große Mengen an Dokumenten analysieren, Widersprüche aufdecken, historische Vergleichsfälle auswerten und typische Risikomuster erkennen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass problematische Investments das Investmentkomitee passieren. „Wir nennen dies die Tail-Perspektive. In Anlageklassen mit asymmetrischen Ergebnissen auf Deal-Ebene wie Private Equity wird der wertvollste Beitrag von KI durch die Verbesserung der Ergebnisse an den Rändern entstehen, nicht allein durch Effizienz im Durchschnittsfall“, erklärt Rode.
Der nachhaltige Wettbewerbsvorteil von PE-Managern im KI-Zeitalter
Trotz der technologischen Fortschritte bleibt Private Equity nach Ansicht von Schroders Capital ein Geschäft, das auf Menschen basiert. Renditen hängen weiterhin von Erfahrung, Urteilsvermögen, Managementqualität, Beziehungen und Vertrauen ab. „Wir halten das Modell KI-gestützter Menschen für das wirksamste“, schreibt Rode. KI könne Analysen beschleunigen, Annahmen hinterfragen und die Governance stärken, die endgültige Verantwortung müsse jedoch beim Menschen bleiben.
Langfristig werden leistungsfähige KI-Modelle für alle großen Private-Equity-Häuser verfügbar sein. Einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil schaffen deshalb nicht die Modelle selbst, sondern deren Einbindung in Prozesse, Unternehmenskultur und Investmentphilosophie. Entscheidend bleiben Faktoren, die sich nur schwer in Daten erfassen lassen – etwa die Beurteilung eines Managementteams, kulturelle Passung, Board-Dynamiken oder das Vertrauen zwischen Investoren und Unternehmern.
Gleichzeitig warnt Rode vor einer zu starken Standardisierung. Wenn alle Marktteilnehmer dieselben Modelle und Daten nutzen, könnten sich Investmentthesen angleichen und Risiken übersehen werden. Kreativität, kritisches Hinterfragen und unterschiedliche Perspektiven bleiben deshalb zentrale Erfolgsfaktoren.
Ausblick: Von Unterstützung zu Antizipation
Viele der KI-Anwendungen, die Private Equity in den kommenden Jahren prägen werden, sind bereits heute verfügbar. Der Unterschied werde künftig darin liegen, wie konsequent und strukturiert einzelne Häuser diese Technologien in ihre Investmentprozesse integrieren.
Für institutionelle Anleger verschiebt sich damit auch der Fokus in der Managerauswahl. Die entscheidende Frage lautet laut Rode nicht mehr, ob ein Manager KI nutzt, sondern wie diese in den Investmentprozess und die Governance eingebettet ist. „Der ultimative Test für institutionelle Anleger ist nicht, ob ein Manager KI hat oder nutzt, sondern ob der Manager zeigen kann, wie KI die Qualität, Konsistenz und Robustheit von Investitionsentscheidungen im Laufe der Zeit verbessert.“
Für Schroders Capital steht fest: KI wird Private Equity nicht ersetzen, sondern ergänzen. Der größte Nutzen liegt darin, bessere Gewinner zu identifizieren, vermeidbare Verluste zu reduzieren und damit die Renditeverteilung langfristig zugunsten der Investoren zu verschieben.
Schroders/IJ