2. Juni 2026

Bundesanleihen unter Druck

Auch mit „Iran-Deal“ dürften sich Bundesanleihen schwertun. Die Entspannung im Nahen Osten sorgt zwar für Hoffnung auf eine Normalisierung der Energieversorgung, die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs werden die Eurozone aber noch länger begleiten. Fabian Birli, Multi-Asset Stratege bei Berenberg, sieht weiterhin erhöhte Stagflationsrisiken und begrenztes Potenzial für sinkende Renditen bei Bundesanleihen.

Déjà-vu: Energiekrise verschärft Wirtschaftsrisiken für die Eurozone

Trotz zuletzt etwas entspannterer Lage am Persischen Golf bleibt der Konflikt ein zentraler Belastungsfaktor für die europäische Wirtschaft. In Deutschland stieg die Inflation im April auf 2,9 % und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Zwar ging die Teuerungsrate im Mai dank des Tankrabatts auf 2,6 % zurück, liegt aber weiterhin deutlich über dem EZB-Ziel von 2 %.

Fabian Birli, Multi-Asset Stratege, Berenberg

Gleichzeitig verliert die Konjunktur an Dynamik. Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Mai signalisierten bereits den dritten Rückgang in Folge. Besonders betroffen ist der konsumnahe Dienstleistungssektor. Hohe Energie- und Transportkosten belasten die Kaufkraft der Haushalte, während Unternehmen ihre Beschäftigung so stark reduzieren wie seit der Pandemie nicht mehr. Laut Birli erinnert die Situation zunehmend an die Energiekrise des Jahres 2022: steigende Inflation bei gleichzeitig schwächerem Wachstum.

Normalisierung der Rohstoffströme aus dem Golf dauert eher Monate als Wochen

Hoffnung macht die Nachricht, dass Iran und die USA Berichten zufolge ein Memorandum of Understanding zur Beilegung des Konflikts finalisiert haben. Für die Eurozone sei jedoch weniger die Unterzeichnung eines Abkommens entscheidend als die tatsächliche Wiederaufnahme der Rohstofflieferungen.

Nach Einschätzung der International Energy Agency (IEA) könnten die Förderkapazitäten zwar relativ rasch wieder steigen, doch der eigentliche Engpass bleibt die Schifffahrt. Die Straße von Hormus muss zunächst von Minen geräumt werden – ein Prozess, der mehrere Monate dauern könnte. Hinzu kommen mögliche Probleme bei Versicherungen sowie Rückstaus in den Häfen. Selbst bei einer raschen politischen Einigung erscheint eine vollständige Normalisierung innerhalb weniger Wochen daher unrealistisch.

Stagflationsrisiken bleiben Belastungsfaktor für Eurozone und Bundesanleihen

Auch im Fall eines schnellen Friedensabkommens dürfte es Monate dauern, bis die Rohstofflieferungen wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Der aktuelle Mix aus schwachem Wachstum und erhöhter Inflation könnte die Eurozone daher bis in den Herbst begleiten.

Vor diesem Hintergrund sieht Birli Bundesanleihen trotz der jüngsten Kursgewinne weiterhin unter Druck. Die Marktpreise spiegelten den Energieschock bislang nur teilweise wider. Die impliziten Inflationserwartungen lägen deutlich unter den Risikoszenarien der Europäischen Zentralbank, obwohl diese angesichts der inzwischen dreimonatigen Schließung der Straße von Hormus zunehmend realistischer erscheinen.

Sollten sich die Rohstoffflüsse aus der Golfregion nicht bald normalisieren, könnten sowohl Inflationserwartungen als auch Anleiherenditen weiter steigen. Gleichzeitig dürfte die reale Renditekomponente angesichts höherer Staatsverschuldung selbst bei schwächerer Konjunktur nur begrenzt nachgeben. Aus Sicht von Berenberg erscheint es daher wenig wahrscheinlich, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den kommenden Wochen nachhaltig unter die Marke von 2,7 % fällt.

Berenberg/IJ

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