Inflation verändert Märkte
Geopolitische Unsicherheit, Inflation und strukturelle Veränderungen der Weltwirtschaft stellen Anleger zunehmend vor Herausforderungen. Laut Bruno Lamoral, Portfoliomanager für institutionelle Mandate bei DPAM, hängt die Portfoliozusammenstellung heute stärker denn je von der Korrelation verschiedener Anlageklassen und den daraus resultierenden Diversifizierungsvorteilen ab.

Seit der Jahrtausendwende korrelierten Aktien und Anleihen überwiegend negativ, wodurch klassische 60/40-Portfolios attraktive Renditen erzielen konnten. In den 2020er-Jahren kehrte sich dieses Verhältnis jedoch um. Nach der Corona-Pandemie belasteten gestörte Lieferketten, der Ukrainekrieg, steigende Energie- und Lebensmittelpreise sowie zuletzt der Energieschock im Zuge des Nahostkonflikts die Märkte und schürten Sorgen vor einer zweiten Inflationswelle.
Die Preisentwicklung spielt laut Lamoral eine zentrale Rolle für die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. In einem disinflationären Umfeld eignen sich Anleihen besser zur Diversifizierung, da Spielraum für Zinssenkungen besteht. In inflationären Phasen könne dagegen eine stärkere Gewichtung von Energieinvestments die Diversifizierung verbessern. Entscheidend sei dabei stets die richtige Einschätzung des vorherrschenden Umfelds.
Gold bleibt wichtig
Ein klassisches Diversifikationsinstrument bleiben Edelmetalle, insbesondere Gold. Während der Eskalation im Iran-Konflikt bot Gold allerdings kurzfristig keinen Schutz. Die Blockade der Straße von Hormus führte zu Gewinnmitnahmen, zudem kauften Zentralbanken zuletzt netto weniger Gold. Dennoch dürfte die strukturelle Nachfrage der Notenbanken intakt bleiben, weshalb der jüngste Preisrückgang laut DPAM einen taktischen Einstiegspunkt darstellen könnte.
Kurzfristig hängt die weitere Inflationsentwicklung stark von der Dauer des Nahostkonflikts und den Schäden an der Energieinfrastruktur ab. Langfristig sieht Lamoral jedoch strukturelle Faktoren, die für ein höheres Inflationsniveau sprechen: höhere Verteidigungsausgaben, Rückverlagerungen von Produktionsstätten, Angebotsengpässe sowie die hohe Staatsverschuldung, die Zentralbanken bei restriktiver Geldpolitik einschränkt.
Gleichzeitig gehen die Märkte bislang davon aus, dass höhere Inflation weitgehend vorübergehend bleibt. Künstliche Intelligenz könnte mittelfristig sogar inflationsdämpfend wirken. Entscheidend werde jedoch sein, wie unabhängig Zentralbanken künftig agieren können.
Dollar verliert langsam an Bedeutung
Auch die Rolle des US-Dollars verändert sich laut DPAM schrittweise. Zwar drängt sich aktuell keine echte Alternative als globale Reservewährung auf, dennoch verliert der Dollar langsam an Bedeutung. Sein Anteil an den globalen Devisenreserven ist seit Beginn des Jahrhunderts von rund 70 % auf etwa 40 % gefallen. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch den Einsatz des Dollars als geopolitisches Instrument nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Während der Dollar im internationalen Zahlungsverkehr weiterhin dominiert, gewinnen bilaterale Währungsvereinbarungen zunehmend an Bedeutung. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.
Für Anleger bedeutet das laut Lamoral, dass nicht nur die Richtung einzelner Anlageklassen entscheidend ist, sondern vor allem deren Wechselwirkungen unter unterschiedlichen Inflations- und Marktumfeldern. Korrelationen und Diversifizierungsvorteile seien nicht statisch. Portfolios müssten daher dynamisch an das jeweilige Umfeld angepasst werden.
DPAM/IJ
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