1. April 2026

Hormus bestimmt Märkte

Die Blockade der Straße von Hormus entwickelt sich zu einem geopolitischen Flaschenhals für die Weltwirtschaft. Darauf verweist die Schoellerbank in ihrer Presseinformation zum Kapitalmarktausblick für das 2. Quartal 2026.

Die Sperrung der Meerenge gefährdet globale Warenströme weit über den Energiesektor hinaus. Neben Öl und Gas betrifft dies auch industrielle Vorprodukte wie Nitrat, Schwefel oder Helium. Gleichzeitig bleibt die konjunkturelle Verfassung der Weltwirtschaft laut Analyse robust, während die Notenbanken Inflationsstabilität priorisieren und selektive Einstiegschancen an den Märkten entstehen.

Ein strategisches Patt erschwert die Lösung

Die Blockade ist Teil der iranischen Reaktion auf die militärischen Auseinandersetzungen mit Israel und den Vereinigten Staaten. In einer asymmetrischen Logik nutzt Teheran seine geografische Lage, um den Preis für den Westen zu erhöhen. Gleichzeitig muss der Iran die Interessen seiner wichtigsten Abnehmer in Ostasien – insbesondere China und Indien – berücksichtigen, da ein dauerhafter Kollaps des Handels in der Region das Regime politisch isolieren würde.

Militärisch steht der Iran unter starkem Druck durch die Koalition aus USA und Israel, doch ein Regimewechsel lässt sich durch Luftschläge allein kaum erzwingen. Für Washington wäre eine weitere Eskalation ebenfalls riskant, da eine Destabilisierung der Golfstaaten strategische Interessen gefährden und innenpolitischen Druck erhöhen würde.

Rückkehr der Inflation

An den Finanzmärkten hat bereits eine Phase der Neubewertung begonnen. Steigende Energiekosten schüren Inflationsängste und lassen Erwartungen an Zinssenkungen schwinden. Während für die USA eine restriktivere Gangart der Federal Reserve eingepreist wird, stellt sich für Europa die Frage, ob die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen kann, obwohl steigende Energiepreise gleichzeitig wirtschaftlichen Druck erzeugen.

Für Anleger ist daher weniger die Dauer des Konflikts entscheidend als der Zeitpunkt, an dem die neuen Realitäten in den Lieferketten vollständig eingepreist sind. Kurzfristig dürften sich Energiepreise auf einem erhöhten Niveau stabilisieren, bevor mittelfristig eine Entspannung einsetzt.

Was bedeutet dies für die Finanzmärkte?

Trotz der volatilen Nachrichtenlage mehren sich Hinweise auf eine mögliche Deeskalation, da die militärischen und wirtschaftlichen Risiken eines anhaltenden Konflikts für alle Akteure hoch sind. Die internationalen Aktienmärkte bleiben zwar schwankungsanfällig, doch der geopolitische Schock dürfte allmählich an Bedeutung verlieren.

Vor der Krise präsentierte sich die konjunkturelle Lage in den USA und in vielen Schwellenländern robust, und auch für Europa standen die Zeichen auf Expansion. In Japan sorgt zudem eine wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik für zusätzlichen Optimismus.

Fazit

Unter der Annahme, dass sich die Lage im Nahen Osten nicht weiter dramatisch verschärft, erwarten die Analysten eine Fortsetzung der Erholungsbewegung an den Aktienmärkten. Gleichzeitig hat sich das Umfeld für Anleihen angesichts des gestiegenen Zinsniveaus verbessert.

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Jahr 2022 bleiben die Notenbanken wachsam gegenüber möglichen Zweitrundeneffekten der Inflation. Dennoch könnten die aktuellen Renditen aus Sicht des Ausblicks einen strategisch interessanten Einstiegspunkt für Anleiheinvestoren darstellen.

Schoellerbank/IJ

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