Duration verliert Schutz
Die fiskalische Expansion setzt die Anleiherenditen weiter unter Druck. Laut Amanda Stitt, Portfolio Specialist bei T. Rowe Price, bleiben die Renditen im historischen Vergleich hoch – bedingt durch anhaltende Inflation, steigende Haushaltsdefizite und eine strukturell höhere Laufzeitprämie. In diesem Umfeld verliert Duration zunehmend ihren Charakter als sicherer Hafen und wird selbst zur Quelle von Volatilität.
USA: Vorsicht bei Staatsanleihen

In den USA spricht laut Stitt einiges für Zurückhaltung bei Staatsanleihen. Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert, der Arbeitsmarkt stabilisiert sich und das Wirtschaftswachstum bleibt robust. Unterstützt wird dies durch fiskalische Expansion, lockerere Finanzierungsbedingungen und starke KI-bezogene Investitionsausgaben.
Die aktuellen Renditen von US-Staatsanleihen unterschätzen aus ihrer Sicht das Risiko eines dauerhaft erhöhten nominalen BIP-Wachstums. Gleichzeitig dürfte das hohe Emissionsvolumen neuer Staatsanleihen den Aufwärtsdruck auf langfristige Renditen aufrechterhalten und damit das lange Ende der Zinskurve belasten.
Europa: Fiskalpolitik treibt Renditen
Auch in Europa zeigt sich ein ähnliches Bild. Trotz früherer Handelsstörungen überraschte das Wachstum positiv. Die Hinwendung zu einer expansiveren Fiskalpolitik – insbesondere in Deutschland und auf EU-Ebene – dürfte die Konjunktur bis 2026 zusätzlich stützen.
Dieser fiskalische Impuls erhöht jedoch das Risiko steigender Renditen und begrenzt die Chancen auf eine deutliche Rally bei Staatsanleihen mit längerer Laufzeit. Italien erscheint im Vergleich weniger attraktiv, da die aktuellen Bewertungen italienischer Staatsanleihen nur begrenzte Renditen bieten.
Großbritannien nimmt eine etwas andere Position ein. Ein schwächerer Arbeitsmarkt, disinflationäre Trends sowie schwaches Wachstum und geringe Produktivitätsdynamik könnten der Bank of England Spielraum für eine stärkere geldpolitische Lockerung verschaffen.
Schwellenländer mit Chancen
Selektive Chancen sieht Stitt in den Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika. Die Region profitiert von einer verbesserten makroökonomischen Dynamik, Reformfortschritten und unterstützenden externen Faktoren wie höheren Rohstoffpreisen und einer konstruktiven geopolitischen Beziehung zu den USA.
Auch die technischen Marktbedingungen sind positiv, mit soliden Kapitalzuflüssen in Schwellenländeranleihen. Besonders hervor hebt sie Brasilien und Mexiko, wo zusätzliche Zinssenkungen möglich erscheinen, die derzeit noch nicht vollständig eingepreist sind.
Unternehmensanleihen bevorzugt
Trotz enger Spreads bleibt das Umfeld für Unternehmensanleihen konstruktiv. Die Gesamtrenditen sind historisch attraktiv, die Nachfrage nach neuen Emissionen robust und das stabile Wachstum unterstützt die Fundamentaldaten.
Hochzinsanleihen erscheinen derzeit besser positioniert als Investment-Grade-Anleihen, da sie stärker vom Wirtschaftswachstum profitieren und ein geringeres Durationsrisiko aufweisen. Auch Unternehmensanleihen aus Schwellenländern profitieren von einem schwächeren US-Dollar und entspannteren Finanzierungsbedingungen.
Fazit
Mit Blick auf das Jahr 2026 sieht Stitt Unternehmensanleihen besser positioniert als Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Die fiskalische Expansion und das hohe Angebot an Staatsanleihen dürften den Aufwärtsdruck auf die Renditen in den Industrieländern aufrechterhalten. In diesem Umfeld spricht vieles für ein begrenztes Durationsengagement und eine selektive Ausrichtung auf Kreditrisiken.
T. Rowe Price/IJ