13. März 2026

Volatilitätskluft USA vs. Asien

Die aktuellen Auswirkungen des Nahostkonflikts kommentiert Christopher Lees, Senior Fund Manager bei JO Hambro. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat erwartungsgemäß eine Welle risikoscheuer Stimmung an den globalen Märkten ausgelöst. Märkte reagieren häufig schnell auf geopolitische Schlagzeilen, doch die wirtschaftlichen und marktbezogenen Folgen fallen oft weniger nachhaltig aus als zunächst befürchtet.

Kontinuität statt Chaos

Chris Lees – leitender Fondsmanager des JOHCM Global Select
Christopher Lees, Senior Fund Manager bei JO Hambro

Spekulationen über Szenarien wie die Fragmentierung des Iran oder eine rasche politische Liberalisierung erscheinen übertrieben. Ein vollständiger Zerfall des Landes gilt als Teil-Risiko mit extrem geringer Wahrscheinlichkeit, ebenso ein schneller Übergang zu einem demokratischen System.

Sollte es zu politischen Veränderungen kommen, würden diese eher einer internen Umbildung der Führung ähneln – also eher einem „Wechsel des Jockeys als einem Wechsel des Pferdes“. Derzeit bleibt das bestimmende Merkmal der Lage die Ungewissheit mit unvollständigen Informationen und zahlreichen Spekulationen.

Golfstaaten bleiben stabil

In jüngsten Kommentaren wurde hinterfragt, ob der Golf-Kooperationsrat (GCC) seinen Ruf als stabiler Finanzplatz aufrechterhalten kann. Die Gefahr dafür wird jedoch als gering eingeschätzt.

Die Golfstaaten verfügen weiterhin über starke institutionelle Rahmenbedingungen, beträchtliche Finanzreserven und ein strategisches Bekenntnis zur wirtschaftlichen Diversifizierung, was einen bedeutenden Puffer gegen geopolitische Schocks darstellt.

Asiens Energieabhängigkeit

Ein auffälliges Merkmal des jüngsten Ausverkaufs ist die geografische Divergenz der Volatilität. Während der US-VIX während der jüngsten Eskalation kurzzeitig Werte im hohen 20er-Bereich erreichte, sind die asiatischen Volatilitätsindizes deutlich stärker gestiegen.

Diese Diskrepanz spiegelt die größere Abhängigkeit Asiens von Energielieferungen aus der Golfregion wider, da Störungen in der Straße von Hormus einen großen Teil der Öl- und LNG-Exporte in asiatische Volkswirtschaften beeinträchtigen könnten. Für Anleger kann diese Divergenz eher eine Chance als ein Warnsignal darstellen.

Korea: Kaufgelegenheit

Der starke Anstieg der Volatilität am koreanischen Markt steht kaum im Zusammenhang mit den inländischen Fundamentaldaten. Drei strukturelle Faktoren stützen weiterhin das Anlageargument: der Superzyklus der Halbleiter, steigende Unternehmensgewinne sowie Aktionärsreformen.

Die weltweite Nachfrage nach KI-Infrastruktur und fortschrittlichen Chips bleibt stark, während Programme wie das „Value-Up“-Programm darauf abzielen, den langjährigen „Korea-Discount“ zu verringern und die Unternehmensführung zu verbessern.

Goldminen unter Druck

Während des Ausverkaufs zeigte sich eine interessante Dynamik bei Goldminenaktien. Obwohl Goldpreise relativ stabil blieben und damit ihre Rolle als sicherer Hafen bestätigten, gaben Goldminenaktien nach.

Dies hängt mit ihrem Aktien-Beta zusammen: In Phasen erzwungener Liquidationen fallen sie häufig parallel zu den breiteren Aktienmärkten. Für Anleger wurden Bergbauaktien daher zu einer schnellen Liquiditätsquelle während der ersten Panikverkäufe.

Fazit

Die Märkte preisen derzeit Worst-Case-Szenarien ein, die als wenig wahrscheinlich gelten. Inmitten des breit angelegten Ausverkaufs hochwertiger Vermögenswerte ergeben sich daher selektive Chancen. Statt emotional auf die Volatilität zu reagieren, bleibt der Fokus auf Fundamentaldaten und auf Unternehmen, bei denen der Markt überreagiert hat und attraktive Bewertungen entstanden sind.

JO Hambro/IJ

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