13. April 2021

USA: Steuern für Unternehmen anheben

US-Finanzministerin Janet Yellen verkündete jüngst, dass die USA einen breiten, weltweiten Konsens hinsichtlich eines Mindeststeuersatzes für Unternehmen anstreben. Dieser soll 21-28 % für im Inland erzielte Gewinne und mindestens 21 % im Ausland betragen.

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE
Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE, wirft einen Blick auf die Situation: „Im Vergleich zum geltenden Satz in vielen, insbesondere europäischen, Ländern ist dies moderat. Für die USA jedoch, wo dieser Satz zuletzt kurz nach der Amtseinführung von Donald Trump gesenkt wurde, wäre es eine echte Wende.“

Schuldenturm wächst dramatisch

„Dass die USA plötzlich ihre Grundhaltung ändern, liegt nicht nur daran, dass sie nun von einem Demokraten regiert werden, sondern an einem wohlverstandenen Eigeninteresse, in einer Zeit, in welcher der Staat (fast) ohne Rücksichtnahme Geld ausgibt. Denn die in den USA gesetzten Konjunkturanreize zur Überwindung der COVID-19-Krise betragen laut IWF fast 27 % des BIP.

Dabei ist das Ende noch nicht erreicht: Insbesondere für den Infrastrukturbereich wird gerade ein neues Konjunkturpaket diskutiert, das sich verteilt über acht Jahre auf 2,25 Billionen Dollar belaufen könnte. Vorerst lassen sich diese Ausgaben ohne weiteres durch Schulden finanzieren, die zu einem großen Teil von der Fed aufgekauft werden. Dies lässt sich jedoch nicht endlos fortsetzen.“

Mit dem Rücken zur Wand

Der Experte weiter: „In diesem Fall gibt es kaum eine Wahl: Wenn eine galoppierende Inflation, die niemand möchte, ausgeschlossen wird, bleiben nur noch Steuererhöhungen. Der Vorteil besteht für die USA darin, dass die meisten Länder in puncto Schulden mit dem Rücken zur Wand stehen. Sie können daher weltweit mit einer umfassenden Zusammenarbeit in Sachen Steuererhöhungen rechnen.“

Auswirkungen auf die Börsen

„Generell könnten US-Unternehmen nach Steuern dann etwas weniger profitabel sein, was sich wiederum auf ihre Börsenkurse auswirken könnte. Aber nicht alle wären gleichermaßen betroffen: Laut einer Bloomberg-Studie wären Unternehmen aus den Sektoren Technologie und Gesundheit am stärksten betroffen, die Sektoren Energie, Grundstoffe und Basiskonsumgüter hingegen am wenigsten. Large Caps, bei denen der Anteil des Auslandsumsatzes generell höher ist als bei Small Caps, sind stärker betroffen – zumal es sich bei den fünf größten Titeln um Unternehmen aus dem Technologiesektor handelt.

Gleichzeitig könnte der Staat, sofern er sich stärker über Steuern finanziert, weniger Schulden machen. Dies könnte den Anstieg der Zinssätze bremsen. Dieser Faktor ist für Wachstumstitel wie z.B. Technologieaktien vorteilhafter und könnte somit für ein Gleichgewicht bei Value- und Wachstumstiteln sorgen.“

Nachhaltige Finanzierung

„Die Folgen dieser Trendwende werden vielfältig sein und lassen sich derzeit nicht mit Sicherheit vorhersagen. Mit Ausnahme der wichtigsten Folge: Besser finanziert und weniger abhängig von Schulden könnten die USA zu einer nachhaltigeren Finanzierungsweise zurückfinden. Dies gilt nicht nur für die USA, sondern für einen Großteil der Welt, der diesem Beispiel folgen würde: Der Kampf um Steuersenkungen dürfte für die Staaten, die sich anschließen, weniger destabilisierend sein.“

LFDE/HK

Zum Newsetter anmelden

Bestellen Sie kostenfrei und unverbindlich den GELD-Magazin Newsletter, als optimale Ergänzung zur Print-Ausgabe von GELD-Magazin!
Zwei Mal im Monat versenden wir den Newsletter mit Themen rund um den Finanzmarkt und Wirtschaft.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen.