USA: Milliardenbedarf für Wasserinfrastruktur
Wasserknappheit entwickelt sich zunehmend von einem Umwelt- zu einem Wirtschafts- und Infrastrukturthema. Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro, verweist auf den steigenden Investitionsbedarf in Versorgung, Aufbereitung und Wassermanagement. Allein in den USA werden in den kommenden zwei Jahrzehnten mehr als 740 Milliarden US-Dollar für Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur benötigt.

Im EU-Durchschnitt sind jedes Jahr rund 30 Prozent der Fläche und ein Drittel der Bevölkerung zumindest zeitweise von Wasserknappheit betroffen. Sinkende Flusspegel und Einschränkungen bei der Wassernutzung zeigen, wie schnell daraus wirtschaftliche Folgen entstehen können. Besonders sichtbar wird das in der Energieversorgung: Wenn Wasser für die Kühlung fehlt, kann aus einem natürlichen Engpass ein wirtschaftliches Problem werden. Auch die EU reagiert auf den steigenden Druck. Ihre Wasserresilienzstrategie sieht unter anderem vor, die Wassereffizienz bis 2030 um zehn Prozent zu verbessern, Leckagen zu reduzieren und die Infrastruktur mithilfe öffentlicher und privater Investitionen zu modernisieren.
Mehr Wert aus jedem Liter
Mit zunehmendem Wasserstress gewinnt die Frage an Bedeutung, wie effizient vorhandene Ressourcen genutzt werden. Versorger müssen Verluste reduzieren, Industrieunternehmen Wasser stärker im Kreislauf führen und zusätzliche Quellen erschließen. Das erhöht die Nachfrage nach Aufbereitung, Messtechnik und intelligenteren Steuerungssystemen. Ein Beispiel liefert Brasilien: Der Wasserversorger SABESP treibt ein 21 Milliarden brasilianische Real umfassendes Programm am Tietê voran. Die Abwasserbehandlung entlang des Flusses soll von rund 20 auf 99 Prozent steigen. Damit soll der Tietê perspektivisch zu einer strategischen lokalen Wasserquelle werden.
Milliarden fließen in die Infrastruktur
Der Investitionsbedarf in der Wasserwirtschaft ist erheblich. Allein in den USA werden in den kommenden zwei Jahrzehnten mehr als 740 Milliarden US-Dollar für Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur benötigt. Alternde Netze, strengere regulatorische Anforderungen und zunehmende physische Klimarisiken erhöhen den Druck auf Versorger, ihre Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Auch in Großbritannien sorgen strengere Vorgaben nach Verschmutzungsereignissen und Abwassereinleitungen für zusätzliche Investitionen in Netzresilienz und Umweltstandards. In Brasilien wiederum befindet sich der Markt in einem strukturellen Wandel: SABESP wurde 2024 privatisiert und soll unter anderem die Wasser- und Abwasserversorgung in bislang unterversorgten Regionen ausbauen.
Für Versorger wird zunehmend entscheidend, ob heutige Investitionen auch unter künftigen klimatischen Bedingungen funktionieren. Dürren, Überschwemmungen und Veränderungen von Ökosystemen können die Wasserverfügbarkeit ebenso beeinflussen wie die wachsende Nachfrage.
Technologie als zweite Säule
Das Investmentthema reicht über klassische Wasserversorger hinaus. Besonders deutlich wird das in der Halbleiterindustrie, die für ihre Produktion große Mengen hochreinen Wassers benötigt. Für die Herstellung eines einzigen Mikrochips können bis zu 30 Liter ultrareines Wasser erforderlich sein. Davon profitieren spezialisierte Anbieter wie Kurita Water Industries und Organo, die Systeme zur Herstellung und Aufbereitung von ultrareinem Wasser anbieten. Xylem wiederum entwickelt Lösungen für Wasseraufbereitung und Wassermanagement. Damit erweitert sich das Anlageuniversum über Versorger und Infrastrukturbetreiber hinaus.
Vom Versorgungsproblem zum Anlagethema
Wasserknappheit, alternde Infrastruktur und steigende Anforderungen an die Versorgungssicherheit erzeugen einen langfristigen Investitionsbedarf. Gefragt sind leistungsfähigere Netze, bessere Aufbereitung, mehr Wiederverwendung und Systeme, die auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Für Anleger kommt es darauf an, welche Unternehmen diese Investitionen effizient umsetzen und über die Technologie und Marktposition verfügen, um daraus langfristiges Wachstum zu generieren. Wasser könnte damit im kommenden Jahrzehnt zu einem der großen strukturellen Anlagethemen werden.
J O Hambro/IJ