1. April 2026

TACO-Trade scheitert

Das Konzept des „TACO-Trades“ („Trump Always Chickens Out“) prägte 2025 die Marktpsychologie: Anleger gingen davon aus, dass marktbelastende Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump früher oder später relativiert würden und sich risikoreiche Anlagen entsprechend erholen. Diese Logik funktionierte über weite Strecken des Jahres und bestärkte besonders Privatanleger darin, Kursrückgänge zum Einstieg zu nutzen. Darauf verweist Enguerrand Artaz, Investmentstratege bei LFDE.

Der Begriff selbst tauchte ursprünglich im Sommer 2024 auf und beschrieb zunächst Kehrtwenden des republikanischen Kandidaten im Wahlkampf. An den Finanzmärkten entwickelte sich das Akronym später zu einem Synonym für Trumps wiederholte Rückzieher – vor allem im Zusammenhang mit angekündigten Zollerhöhungen.

Trumps Kehrtwenden können Märkte nicht mehr beruhigen

Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei LFDE

Im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg verliert dieses Muster jedoch zunehmend an Wirkung. Nachdem Donald Trump am Wochenende vom 21. bis 22. März gedroht hatte, die iranische Energieinfrastruktur zu zerstören, sollte die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden wieder geöffnet werden, verlängerte er am Montag, dem 23. März, diese Frist um fünf Tage und sprach von „sehr produktiven Gesprächen“. Die Märkte reagierten zunächst positiv: Terminkontrakte an den US-Börsen stiegen innerhalb weniger Minuten um bis zu 4 %. In den darauffolgenden drei Tagen wurden diese Gewinne jedoch vollständig wieder abgegeben.

Am Donnerstag, dem 26. März, verschob Trump die Frist erneut – diesmal um zehn Tage und nach eigenen Angaben „auf Wunsch der iranischen Regierung“. Die Marktreaktion fiel deutlich schwächer aus: Die Futures auf den S&P 500 legten nur noch um etwas mehr als 1 % zu und gaben diesen Anstieg bereits wenige Stunden später wieder vollständig ab.

US-Präsident nicht mehr alleiniger Taktgeber

Dass der „TACO-Trade“ an Wirkung verliert, überrascht laut Artaz nicht. Anleger erkennen zunehmend, dass der US-Präsident in diesem Konflikt – anders als bei der Zollpolitik – nicht mehr allein über den weiteren Verlauf entscheidet. Während Trump weiterhin betont, dass „die Gespräche sehr gut laufen“, gehen die militärischen Auseinandersetzungen weiter. Iran und Israel setzen ihre Raketenangriffe fort, die Spannungen in den Golfstaaten nehmen zu und vor allem bleibt die Straße von Hormus weitgehend unpassierbar.

Für die Märkte ist genau dieser Punkt entscheidend: Unabhängig davon, wie stark der US-Präsident seine Drohungen relativiert oder wie optimistisch er die Verhandlungen darstellt, dürfte erst eine offizielle Wiederöffnung der Straße von Hormus für nachhaltige Beruhigung sorgen.

Die Realität setzt sich durch

Mit jedem weiteren Tag, an dem die Meerenge geschlossen bleibt, steigt das Risiko einer Überlastung der Öllagerkapazitäten im Golf – und damit auch die Gefahr einer Kettenreaktion von Produktionsausfällen. Der Irak ist bereits mit diesen Folgen konfrontiert. Die Produktion der Ölfelder im Süden des Landes ist auf rund 800.000 Barrel pro Tag gesunken, gegenüber mehr als 4 Millionen Barrel vor Beginn des Konflikts, während die Lagerbestände kritische Grenzen erreichen.

Auch in Kuwait verschärft sich die Lage, nachdem die staatliche Kuwait Petroleum Corporation eine Produktionskürzung angekündigt hat. Zwar verfügen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien kurzfristig über gewisse Umgehungskapazitäten über ihre Pipelines, doch langfristig dürfte das nicht ausreichen. Hinzu kommt, dass auch alternative Routen zunehmend Risiken bergen. Selbst der Transport über das Rote Meer steht unter Druck, da die Gefahr von Angriffen durch mit dem Iran verbündete Huthi-Rebellen steigt.

Der „TACO-Trade“ stößt damit an eine physische Realität. Trumps politische Kehrtwenden verlieren angesichts überfüllter Lager und sinkender Produktion an Einfluss. Für Investoren bedeutet das laut Artaz eine grundlegende Anpassung der Strategie: Entscheidend ist nicht mehr die Psychologie des US-Präsidenten, sondern die tatsächliche Entwicklung der Energieflüsse aus dem Nahen Osten – und dabei tickt die Uhr.

LFDE/IJ

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