6. Feber 2026

Schwellenländer: Aktien im Aufschwung

Aktien aus Schwellenländern werden derzeit mit einem rund 40 Prozent niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt als US-Aktien und liegen damit deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Ob sich daraus ein nachhaltiger Aufschwung ergibt, beleuchtet Aberdeen Investments in einem aktuellen Marktkommentar.

Starkes Jahr 2025 bei hohem Bewertungsabschlag

Gabriel Sacks, Investment Director Asian Equities bei Aberdeen Investments

Aberdeen Investments sieht einen Aufwärtstrend bei der Performance von Schwellenländeraktien, getragen von höheren Investitionsausgaben (Capex), dem Carry-Effekt sowie dem bestehenden Bewertungsniveau. Gleichzeitig weist das Haus auf Risiken bei der Monetarisierung von KI-Investitionen hin.

Im Jahr 2025 legten die Schwellenländer deutlich stärker zu als erwartet. Der MSCI EM Index stieg in US-Dollar um 34 Prozent und entwickelte sich damit erstmals seit 2020 besser als die Industrieländer. Trotz dieser Entwicklung notiert der Index weiterhin mit einem Abschlag von 42 Prozent gegenüber dem S&P 500 und liegt damit unter dem langfristigen Durchschnitt von 32 Prozent. Auf CAPE-Basis beträgt der Abschlag 60 Prozent.

Einschätzung von Aberdeen

Gabriel Sacks, Investment Director Asian Equities bei Aberdeen Investments, sieht die Schwellenländer mit starker Dynamik in das Jahr 2026 starten. Nach dem Jahr 2025 sei ihre Widerstandsfähigkeit durch Bewertungen, Fundamentaldaten und das makroökonomische Umfeld gestützt worden. Für die kommenden Jahre seien sie durch globale Investitionen, Wechselkursentwicklungen und strukturelle Trends gut positioniert.

Gleichzeitig bestünden Risiken. Überhöhte Technologiebewertungen beträfen nicht nur die USA. In Schwellenländern wie Korea und Taiwan seien die Bewertungen weniger hoch, zudem sei KI nur einer von mehreren Wachstumstreibern. Die Nachfrage nach Speicherchips ziehe wieder an, während Indien als binnenorientierter, konsumgetriebener Markt weitgehend abgeschirmt bleibe.

Wachstumsimpulse und strukturelle Treiber

Die globalen Konjunkturaussichten gelten als günstig. Das weltweite BIP-Wachstum wird auf rund 3,4 Prozent geschätzt, wobei Schwellenländer einen wesentlichen Beitrag leisten dürften. Für 2026 wird ein Gewinnwachstum von 18 Prozent erwartet.

Ein zentraler Treiber sind steigende Investitionsausgaben. Hohe Haushaltsdefizite in den USA, Japan, der EU und China stützen Investitionen in Verteidigung, Energie, Lieferketten und Infrastruktur. Schwellenländer verfügen über die Kapazitäten, diese Nachfrage zu bedienen. Parallel bleiben die KI-Investitionen hoch: Big-Tech-Unternehmen planen laut Bloomberg rund 600 Mrd. USD, TSMC erhöhte seine Capex-Prognose für 2026 auf 56 Mrd. USD. Für Technologie-Hardware wird ein Gewinnwachstum von 49 Prozent erwartet.

Ein weiterer Faktor ist der Carry-Effekt. Strukturell spricht vieles für einen schwächeren US-Dollar, begünstigt durch Kapitalabflüsse aus den USA und festere Währungen in Schwellen- und asiatischen Ländern.

Beim Bewertungsniveau bleibt der Abschlag des MSCI EM Index gegenüber US-Aktien bestehen. Gleichzeitig rückt die Marktbreite stärker in den Fokus – vom Speichersektor über Industrieunternehmen bis hin zur binnenwirtschaftlich getriebenen Wachstumsstory Indiens.

Aberdeen Investments/IJ

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