Robotik-Rennen
Humanoide Roboter gelten als einer der nächsten großen Technologietrends. Bis 2030 dürfte ihre Zahl laut Bank of America auf eine Million steigen, bis 2060 sogar auf drei Milliarden. Christophe Pouchoy, Fondsmanager des Echiquier Robots and Humanoids bei LFDE, sieht darin einen zentralen Wachstumstreiber der Robotikbranche – gestützt durch leistungsfähigere KI-Modelle, Batterietechnologien und Sensorik.
Robotik wächst rasant

Die automatisierte Fabrik der Zukunft ist längst Realität. Weltweit sind bereits mehr als 4,5 Millionen Industrieroboter im Einsatz, allein 2024 kamen 540.000 neue hinzu. Robotik gilt als wichtiger Produktivitätstreiber, gleicht den Rückgang der globalen Erwerbsbevölkerung aus und verändert zahlreiche Branchen – von Logistik bis Landwirtschaft.
Auch angrenzende Märkte wachsen dynamisch. Der Markt für Medizinrobotik, angeführt von Unternehmen wie Intuitive, Stryker und Thermo Fisher, dürfte bis 2034 ein Volumen von 138,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Der Markt für autonome Fahrzeuge, insbesondere Robotaxis, wird bis 2040 auf über zwei Billionen US-Dollar geschätzt.
Humanoide Roboter werden zum Schlüsseltrend
Als konkreteste Form physischer KI entwickeln sich humanoide Roboter zum zentralen Trend der Branche. Unternehmen, denen wirtschaftlich tragfähige KI-Lösungen für humanoide Roboter gelingen, dürften eine Schlüsselrolle bei der weltweiten Verbreitung einnehmen. Wie schon beim autonomen Fahren dominieren auch hier die USA und vor allem China. Auf China entfielen 2025 rund 85 Prozent der Installationen. Die chinesische Regierung hat humanoide Robotik zur nationalen Priorität erklärt und unterstützt Unternehmen wie UBTech Robotics, Agibot, Xiaomi, BYD und Unitree Robotics. Wegen technologischer Überschneidungen mit autonomen Fahrzeugen sind Akteure wie Tesla, Horizon Robotics und UBTech Robotics häufig in beiden Bereichen aktiv.
In Europa treiben traditionelle Industriekonzerne wie Airbus die Einführung dieser Technologien voran. Sie wollen Produktionsstandorte transformieren und Produkte intelligenter machen. Das schwedische Unternehmen Hexagon entwickelte mit „Aeon“ einen Roboter, der Aufgaben wie Auswahl und Inspektion von Objekten sowie die Digitalisierung von Bauteilen übernehmen kann.
Neue Chancen für Industrie und Investoren
Obwohl die Kosten noch hoch sind, sind humanoide Roboter deutlich günstiger geworden. Im Durchschnitt kosten sie heute rund 50.000 US-Dollar – gegenüber 1,5 Millionen US-Dollar vor fünf Jahren. Mit weiter sinkenden Preisen dürfte sich ihre Verbreitung deutlich beschleunigen. Zunächst werden humanoide Roboter vor allem in der industriellen Produktion eingesetzt. Bereits im kommenden Jahrzehnt könnten sie zunehmend auch im direkten Kundenkontakt zum Einsatz kommen.
LFDE sieht in dieser Entwicklung, deren Tragweite mit der Automobilrevolution vergleichbar sein könnte, attraktive langfristige Anlagechancen.
LFDE/IJ