20. November 2020

OeNB: Preise für Wohn-Immobilien steigen weiter

Die aktuelle Ausgabe der Immobilienmarktanalyse der OeNB zeigt eine weitere Beschleunigung des Preisanstiegs für Wohnimmobilien im dritten Quartal 2020: österreichweit auf 9,5 Prozent, nach einem Plus von 5,2 Prozent im zweiten Quartal.

In Wien wurde ebenfalls diese starke Preisdynamik mit +9,4 Prozent nach 4,1 Prozent im Vorquartal verzeichnet. Im Bundesgebiet ohne Wien zeigt sich im Vorjahresvergleich ein Preisauftrieb von 9,7 Prozent (nach 6,8 Prozent). Dabei verfestigt sich die Vermutung, dass die Preissteigerungen bei Einfamilienhäusern durch die COVID-19-Krise (Trend zu Homeoffice) auf den verstärkten Wunsch nach Wohnen im Grünen bzw. mit Garten zurückzuführen sind. Der Fundamentalpreisindikator für Wohnimmobilien für Wien deutet für das dritte Quartal 2020 auf eine Abweichung der Preise von den Fundamentalfaktoren um +24 Prozent hin. Österreichweit liegt dieser Wert bei +17 Prozent.

Konjunkturabkühlung im Wohnbau

Die Pandemie verstärkt die Abkühlung im Wohnbau. Bedingt durch die Einschränkungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr sind die Wohnbauinvestitionen im ersten Halbjahr 2020 im Jahresabstand um 5,5 Prozent gesunken. Die Zahl der Immobilientransaktionen hat im gleichen Zeitraum hingegen zugenommen. Das Wachstum der Wohnbaukredite an private Haushalte hat sich im dritten Quartal 2020 wenig verändert und betrug im September 2020 im Vorjahresvergleich 6,0 Prozent. Die durchschnittlichen Zinsen für Wohnbaukredite an private Haushalte in Euro waren im September 2020 mit 1,28 Prozent um 29 Basispunkte niedriger als vor Jahresfrist.

Einfluss von Alter und Bildungsgrad

Im zweiten und dritten Quartal 2020 wurde eine Sondererhebung der OeNB unter privaten Haushalten in Österreich durchgeführt. Die Befragten wurden einerseits um ihre Einschätzung zur Preisentwicklung für Häuser, Wohnungen und Grundstücke in der eigenen Wohngegend in den kommenden zwölf Monaten sowie andererseits zur Höhe der erwarteten Preisänderung ersucht. Dabei zeigt sich, dass Preissteigerungen mit zunehmendem Lebensalter erwartet werden. Der Anteil verdoppelt sich nahezu von 17 Prozent bei den Unter-30-Jährigen auf 31 Prozent bei den Über-60-Jährigen. Der Bildungsgrad hat ebenfalls einen Einfluss auf die Preiserwartung – bei höherer Bildung erwarten weniger Haushalte gleichbleibende Preise und mehr Haushalte geringfügige Preissteigerungen. Befinden sich Haushalte in Wien, Vorarlberg, Tirol und Salzburg – in Regionen mit überdurchschnittlichen Preissteigerungen in der Vergangenheit –, so erwarten mehr von ihnen deutlich steigende Preise als dies bei Haushalten im restlichen Bundesgebiet der Fall ist.

OeNB / mf