26. März 2026

Ölpreise steigen weiter

Die steigenden Ölpreise infolge des Iran-Konflikts setzen Märkte und Geldpolitik zunehmend unter Druck. Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments, erläutert, dass die Risikobereitschaft der Anleger sinkt, die Märkte leicht nachgeben und Zentralbanken zwischen steigender Inflation und begrenzten geldpolitischen Handlungsmöglichkeiten gefangen sind.

Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle

Die Märkte geben leicht nach und die Risikobereitschaft der Anleger sinkt aufgrund potenziell anhaltend höherer Ölpreise und steigender Zinsen. Durch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts im Mittleren Osten sind die Zinssätze schwierig einzuschätzen und die Stimmung bleibt restriktiv.

Der Markt erwartet drei Zinserhöhungen von der EZB und der BoE, die dem Inflationsdruck entgegenwirken sollen, der auf den ursprünglichen Energiepreisschock folgt. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass das wirksamste Heilmittel gegen hohe Ölpreise oft die hohen Ölpreise selbst sind: Sie bremsen die Wirtschaft und drücken die Nachfrage – wodurch den Zentralbanken später wieder Spielraum für Zinssenkungen entstehen kann.

Währungshüter in der Zwickmühle

Der Konflikt im Mittleren Osten prägt inzwischen auch die geldpolitische Debatte. Die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve, die Bank of England und die Bank of Japan traten vergangene Woche zusammen – doch was eine reguläre Sitzungswoche sein sollte, wurde von den Auswirkungen des Iran-Konflikts überschattet. Eine Lösung ist bislang nicht in Sicht, entsprechend hat sich die Stimmung an den Zinsmärkten gedreht und die Risikobereitschaft der Anleger gerät zunehmend unter Druck.

Die Zentralbanken stehen vor einem Dilemma. Zwar blieb die Zinspolitik vorerst unverändert, doch der Ton ist deutlich restriktiver geworden: Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck und verschärfen die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs. Aus Sicht der Währungshüter können Zinserhöhungen bei einem Energiepreisschock nur begrenzt abfedern. 2022 reagierten die Zentralbanken zunächst zu zögerlich auf die damalige Energiekrise und mussten später stärker nachsteuern, als sich der Inflationsdruck verfestigte. Nun wollen sie diesen Fehler vermeiden und signalisieren, dass Zinserhöhungen notwendig sein könnten, um den Sekundäreffekten des Inflationsdrucks entgegenzuwirken.

Der Markt geht davon aus, dass sowohl die BoJ als auch die EZB die Zinsen in diesem Jahr dreimal anheben werden – eine deutliche Kehrtwende. In den USA wird es in diesem Jahr wohl keine Zinssenkungen geben, möglicherweise jedoch im kommenden Jahr.

Lagerbestände mildern Ölpreisanstieg – doch Risiken bleiben bestehen

Brent-Rohöl notierte zu Wochenbeginn bei rund 114 US-Dollar pro Barrel und lag bereits die gesamte Vorwoche über der Marke von 100 Dollar. Der Preis ist nun seit fünf Wochen in Folge gestiegen und liegt im Jahresvergleich bereits um 56 Prozent höher. Von der „guten Lage“, auf die Christine Lagarde seit vielen Monaten verweist, kann für die Zentralbanken kaum noch die Rede sein. Ein Blick auf die Terminkurve unterstreicht das: Bis Juli notiert Brent über 100 US-Dollar pro Barrel, und selbst für Dezember werden noch 85 bis 90 US-Dollar erwartet. Zu Jahresbeginn lag die Einschätzung für den Ölpreis im Jahr 2026 angesichts des großen Angebots noch bei etwa 60 US-Dollar.

Die Geschichte zeigt allerdings auch: Das wirksamste Gegenmittel gegen hohe Ölpreise sind oft hohe Ölpreise selbst. Mittel- bis langfristig bremsen sie die Konjunktur und dämpfen die Nachfrage. Selbst wenn Zentralbanken zunächst mit Zinserhöhungen reagieren müssen, kann später wieder Spielraum für Lockerungen entstehen. Kurzfristig tragen Freigaben aus den Lagerbeständen dazu bei, den Ölpreis zu begrenzen – doch das ist keine dauerhafte Lösung.

Die Risiken einer weiteren Eskalation bleiben hoch: Präsident Trump hat eine Frist für die Wiederöffnung der Straße von Hormus gesetzt, während beide Seiten mit Angriffen auf Energieinfrastruktur drohen. Der Iran hat die Wiederöffnung der Meerenge zudem an die Aufhebung umfassenderer Wirtschaftssanktionen geknüpft – ein schnelles Ende des Konflikts erscheint daher eher unwahrscheinlich.

Columbia Threadneedle/IJ

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