Nahostkonflikt: Auswirkungen
Die Auswirkungen des Konflikts im Iran bewertet Magdalena Polan, Head of EM Macro Research bei PGIM. Laut Polan ist die aktuelle Situation für Ölproduzenten ungewöhnlich, da sie nicht einheitlich von steigenden Preisen profitieren. Während einige Länder von höheren Ölpreisen profitieren und ihre Produktion ausweiten können, drohen den Staaten des Golf-Kooperationsrats negative Effekte durch Infrastrukturausfälle und Einschränkungen beim Export von Öl und Gas.
Unter den Ölproduzenten sind die GCC-Mitgliedsstaaten einzigartig

Die Staaten des Golf-Kooperationsrats verfügen über einige der höchsten finanziellen Puffer weltweit und ein besonders solides Kreditprofil. Beispiele sind Katar und Abu Dhabi. Auch wenn die aktuelle Situation Risiken für Einnahmen darstellt, bieten diese finanziellen Reserven erheblichen Schutz.
Zudem ist die Situation regional unterschiedlich. Katar, Kuwait und Bahrain sind vollständig von Seewegen und der Passage durch die Straße von Hormus abhängig. Der Oman hat hingegen einen geografischen Vorteil. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien verfügen zusätzlich über alternative Pipelines.
Unklar bleibt, wie sich die Diversifizierung in Nicht-Öl- und Nicht-Gas-Sektoren entwickeln wird, falls die Region künftig als weniger sicheres Reiseziel wahrgenommen wird. Viel hängt von der Dauer des Konflikts und vom zukünftigen Verhalten des Iran ab. Die aktuellen Ereignisse könnten zudem Einfluss auf Diversifizierungsstrategien haben, etwa in Saudi-Arabien und den kleineren Emiraten, und eine Neubewertung von Prioritäten und Sektoren auslösen.
EU könnte stärker betroffen sein als viele Schwellenländer
Der Schock für Schwellenländer könnte gravierender ausfallen – allerdings nur bei anhaltenden Störungen auf den Öl- und Gasmärkten, einer deutlich risikoaversen Marktstimmung sowie einer starken Aufwertung des US-Dollars und höherer Nachfrage nach US-Staatsanleihen als sicheren Anlagen.
Gleichzeitig bestehen regionale Unterschiede. Die EU könnte stärker betroffen sein als viele Schwellenländer. Der US-Dollar hat sich bislang nur moderat bewegt, während andere Märkte stärkere Schwankungen zeigen. Historisch ist der Zusammenhang zwischen Ölschocks und der Entwicklung des US-Dollars nicht eindeutig. In risikoreichen Situationen im Ölsektor kann der Dollar sogar schwächer werden.
Zudem verändert sich langsam die Wahrnehmung von US-Vermögenswerten. Marktbewegungen könnten künftig stärker von Positionierungen, Kapitalflüssen und Risikomanagementmaßnahmen beeinflusst werden als von Erwartungen an ein neues makroökonomisches Umfeld.
Unmittelbare Versorgungsengpässe sind begrenzt
Die Reaktionen der Schwellenländer spiegeln vor allem das Risiko von Öl- und Gasengpässen in Europa und Asien wider. Für Europa ist Katar beispielsweise nicht der wichtigste LNG-Lieferant, auch wenn das Land zwischen 2022 und 2024 eine wichtige Diversifizierungsquelle war. Unmittelbare Versorgungsengpässe erscheinen daher begrenzt.
Die Preisrisiken bleiben jedoch real, da Energiepreise global bestimmt werden und Käufer aus anderen Regionen, insbesondere aus Asien, verstärkt um Gas konkurrieren könnten. Besonders betroffen sind Länder, die LNG importieren – vor allem Europa, einschließlich der Eurozone, sowie asiatische Volkswirtschaften wie Japan. Einige Länder, darunter China, verfügen über größere Puffer, sodass sich Marktverwerfungen teilweise abfedern lassen.
Zugleich ist die Inflation sowohl in Schwellenländern als auch in der EU derzeit niedrig oder rückläufig. Dadurch besteht Spielraum, einen Teil steigender Energiepreise aufzufangen, ohne die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken zu gefährden. Letztlich dürfte eine Kombination aus fiskalischen und finanziellen Maßnahmen notwendig sein, abhängig von Preisregeln, der Glaubwürdigkeit der Zentralbanken sowie vom fiskalischen Spielraum und den Schuldenkosten der jeweiligen Länder.
PGIM/IJ