10. März 2026

Medtech: attraktive Bewertung

Der Medtech- & Services-Sektor ist mit robusten Fundamentaldaten in das Jahr 2026 gestartet. Nach erhöhter Volatilität im Jahr 2025 notiert das Segment heute auf einem im historischen Vergleich attraktiven Bewertungsniveau – bei stabilen Gewinnperspektiven. Warum Bellevue Asset Management in der aktuellen Marktphase besonderes Potenzial sieht, lesen Sie im aktuellen Marktkommentar.

Bewertung: Multiple Compression ohne fundamentale Schwäche

Die schwächere Performance im vergangenen Jahr war weniger auf operative Rückschläge zurückzuführen als auf eine Bewertungsanpassung. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei 22,5x und damit klar unter dem historischen Durchschnitt von 24,5x. Vor und nach der Pandemie notierte der Sektor bei rund 27x – ein Abschlag von etwa 9 bzw. 20 Prozent.

Medtech
Medtech & Services 2026: Fundamentale Stärke bei attraktiver Bewertung

Gleichzeitig wurden die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 leicht nach oben angepasst. Viele Unternehmen berichten über stabile Margen, solide Auftragseingänge und gut gefüllte Produktpipelines. Die jüngste Underperformance reflektiert daher vor allem eine vorsichtigere Marktbewertung und nicht eine strukturelle Verschlechterung der Fundamentaldaten.

Historisch tendierten solche Phasen zu einer Normalisierung der Bewertungsmultiples, sobald neue Wachstumstreiber sichtbar wurden oder die Marktunsicherheit nachließ.

Strukturelles Wachstum mit hoher Visibilität

Die Investmentthese im Medtech-Segment bleibt intakt. Für qualitativ hochwertige Unternehmen werden mittelfristig organische Umsatzwachstumsraten im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich sowie Gewinnwachstum pro Aktie im niedrigen zweistelligen Bereich erwartet.

Konkret wird das durchschnittliche organische Umsatzwachstum des Medtech-&-Services-Portfolios in den kommenden fünf Jahren auf rund 9,1 % geschätzt, das Gewinnwachstum je Aktie auf etwa 12,1 %.

Getrieben wird diese Entwicklung durch mehrere strukturelle Faktoren:

  • *) Überalterung der Gesellschaft und steigende Behandlungsvolumen
  • *) Wohlstandszunahme und breiterer Zugang zu Krankenversicherungen in Schwellenländern
  • *) Innovationen in Bereichen wie Diabetes, robotergestützter Chirurgie und strukturellen Herzerkrankungen, zunehmend unterstützt durch KI

Im Gegensatz zur klassischen Pharmaindustrie verlaufen Innovationszyklen im Medtech-Bereich häufig inkrementell. Produkte werden kontinuierlich weiterentwickelt, Zulassungsrisiken bleiben vergleichsweise gering – etwa mit Zulassungsraten von 80 bis 90 % bei komplexen FDA-PMA-Verfahren – und abrupte Umsatzverluste durch Patentabläufe sind selten. Diese Struktur sorgt für hohe Ertragsvisibilität und stabile Cashflows.

Katalysatoren für 2026

Für das laufende Jahr zeichnen sich mehrere Impulse ab. Auf Unternehmensebene stehen wichtige Produkteinführungen in Bereichen wie robotergestützter Chirurgie, strukturellen Herztherapien und Elektrophysiologie bevor. Neue klinische Daten sowie aktualisierte Erstattungsregelungen könnten sowohl Umsätze als auch Anlegervertrauen stärken.

Zudem bleibt die M&A-Aktivität hoch. Das Transaktionsvolumen im Jahr 2026 liegt bislang bereits bei rund 25 Milliarden US-Dollar, nachdem 2025 insgesamt 46 Milliarden US-Dollar erreicht wurden.

Auch makroökonomisch ergeben sich Rückenwinde. Nach dem Zollentscheid des Obersten Gerichts der USA profitieren Medtech-Unternehmen von niedrigeren und einheitlicheren Zöllen. Zudem wird erwartet, dass Kevin Warsh als neuer Chef der Federal Reserve ab Mai 2026 eine für wachstumsorientierte Unternehmen günstigere Zinspolitik verfolgen könnte.

Hinzu kommt eine sektorale Kapitalrotation. Nachdem BioPharma seit Ende 2025 wieder verstärkt Kapitalzuflüsse verzeichnet, profitierten historisch häufig auch angrenzende Healthcare-Segmente wie Medtech von dieser Dynamik.

Positionierung: Qualität vor Zyklik

In diesem Umfeld erscheint eine Fokussierung auf Unternehmen mit klarer Innovationspipeline, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und solider Bilanzstruktur besonders attraktiv. Marktführer mit Preissetzungsmacht und wiederkehrenden Umsätzen sind besser positioniert, um kurzfristige Marktschwankungen abzufedern.

Die Volatilität der vergangenen Monate war primär bewertungsgetrieben. Fundamental präsentieren sich viele Unternehmen heute stärker kapitalisiert und effizienter strukturiert als vor der Pandemie – bei gleichzeitig moderateren Bewertungsniveaus.

Fazit

Der Medtech- & Services-Sektor verbindet strukturelles Wachstum mit defensiver Nachfrage. Die jüngste Bewertungsanpassung hat das Chance-Risiko-Profil verbessert. Für langfristig orientierte Investoren eröffnet sich damit ein qualitativ hochwertiges Exposure zu Innovation im Gesundheitswesen – mit stabilen Cashflows und mehreren potenziellen Katalysatoren für die kommenden Quartale.

Bellevue/IJ

Disclaimer: Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung von Investments zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Aktien können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls auch weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.geld-magazin.at repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Inhalte von www.geld-magazin.at wurden sorgfältig erstellt, unbeabsichtigt fehlerhafte Darstellungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Die 4profit Verlag GmbH lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Zum Newsletter anmelden

Bestellen Sie kostenfrei und unverbindlich den GELD-Magazin Newsletter, als optimale Ergänzung zur Print-Ausgabe von GELD-Magazin!
Zwei Mal im Monat versenden wir den Newsletter mit Themen rund um den Finanzmarkt und Wirtschaft.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen.