12. Feber 2026

Japanischer Aktienmarkt im Strukturwandel

Der japanische Aktienmarkt präsentiert sich aktuell in robuster Verfassung. Nach außergewöhnlichen Kursgewinnen in den vergangenen Jahren – im Durchschnitt stieg der TOPIX Total Return in den letzten drei Jahren um 25 % – wird die Investmentstory zunehmend durch strukturelle Faktoren geprägt. Darauf verweist Joël Le Saux, Portfolio Manager des Eurizon Fund – Sustainable Japan Equity bei Eurizon.

Übergang zu einem inflationsgeprägten Regime

Joël Le Saux, Portfolio Manager des Eurizon
Fund – Sustainable Japan Equity

Zentral ist der Übergang von einem langjährigen deflationären Umfeld hin zu einem inflationsgeprägten Regime. Dieser Regimewechsel verbessert die Preissetzungsmacht japanischer Unternehmen und stützt das Gewinnwachstum, das bereits seit einem Jahrzehnt anhält.

Parallel wirken Corporate-Governance-Reformen und eine stärkere Kapitaldisziplin. Der Corporate Governance Code der Tokioter Börse wurde vor mehr als zehn Jahren eingeführt. Unternehmen erzielen nun zunehmend die Aktionärsrendite, insbesondere durch Aktienrückkäufe. Rückkäufe entsprechen mittlerweile in etwa dem Umfang der Dividenden und tragen zu einem EPS-Wachstum von ca. + 2 % bei.

Zugleich hat sich die Struktur vieler Konzerne erheblich verändert. Japanische Unternehmen haben ihre Produktionsbasis stark internationalisiert und sich von sogenannten Exporteuren zu multinationalen Unternehmen entwickelt. Dadurch sind die Gewinne weniger abhängig von kurzfristigen Wechselkursbewegungen, solange sich der Yen in einem normalen Schwankungsband bewegt.

Trotz dieses strukturellen Rückenwinds bleibt die Bewertung ein zentraler Faktor. Der Markt ist so hoch bewertet wie seit über zehn Jahren nicht mehr (mit Ausnahme von 2020), sodass die meisten positiven Erwartungen bereits eingepreist sind.

Wahlen als kurzfristiger Impulsgeber

Zusätzliche Unterstützung erhielt die Marktstimmung durch die jüngsten Wahlergebnisse. Der deutliche Sieg der Regierungskoalition mit rund zwei Dritteln der Sitze wird von Investoren als Signal politischer Stabilität interpretiert.

Im Marktumfeld gewann zudem der sogenannte „Takahishi-Trade“ wieder an Bedeutung. Seit Jahresbeginn legte der Markt um 13 % zu und gelangte damit in einen Bereich irrationalen Überschwangs. Politische Ereignisse können sich auch über steigende Forward-Prämien am Anleihemarkt auf die Bewertung von Aktien auswirken. Die Regierung gilt dabei als vergleichsweise fiskalisch umsichtig. Die aktuelle Ausrichtung wird eher als proaktiv denn als stark expansiv eingeschätzt.

Die Regierung gilt dabei als vergleichsweise fiskalisch umsichtig. Die aktuelle Ausrichtung wird eher als proaktiv denn als stark expansiv eingeschätzt.

Zinsumfeld und Risiken

Die Normalisierung der Geldpolitik und steigende Renditen verändern das Marktregime. Zinssensitive Sektoren wie Immobilien könnten stärker unter Druck geraten, während Banken und andere Finanzwerte tendenziell profitieren.

Zu den zentralen Risiken zählen eine schnelle Aufwertung des Yen sowie ein unerwartet starker Anstieg der langfristigen Anleiherenditen.

Fazit

Der japanische Aktienmarkt befindet sich in einem strukturellen Wandel, getragen von Inflation, Reformen und einer stärkeren Aktionärsorientierung der Unternehmen. Politische Stabilität wirkt kurzfristig unterstützend. Gleichzeitig nimmt mit höheren Bewertungen und steigenden Renditen die Sensitivität gegenüber makroökonomischen und politischen Impulsen zu.

Eurizon/IJ

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