Iran-Konflikt belastet Märkte
Die anhaltenden Militäraktionen der USA und Israels gegen den Iran sorgen für erhebliche Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten. Jacob Vijverberg, Head of Asset Allocation bei Aegon Asset Management, sieht die größten Risiken in der Dauer des Konflikts, möglichen Vergeltungsmaßnahmen und Angriffen auf die regionale Energieinfrastruktur. Trotz dramatischer Schlagzeilen rechnen er und die Märkte lediglich mit kurzfristigen Störungen.
Erste Reaktion der Märkte
Die Reaktion fiel bislang moderat aus. Aktien gaben um rund 2 % nach, Ölpreise stiegen um etwa 8 %, Kreditspreads weiteten sich aus. Vor dem Hintergrund zuvor starker Performance und hoher Bewertungen deutet dies darauf hin, dass Anleger weiterhin von einem vergleichsweise günstigen Szenario ausgehen.
Rohstoffe: Preisgestaltung vorübergehender Störungen

Deutlicher war die Bewegung an den Rohstoffmärkten. Öl verteuerte sich um 8 bis 9 %, vor allem bei kurzfristigen Kontrakten. Brent-Rohöl für Lieferung Ende März stieg auf 80 USD pro Barrel, nach 71 USD eine Woche zuvor. Spätere Laufzeiten, etwa Dezember 2026, legten nur um 3 US-Dollar zu.
Auch TTF-Gas für Lieferungen 2026 verteuerte sich um 30 bis 40 %, was mit niedrigen Gasvorräten in Europa zusammenhängt. Das erhöht die Kosten für die Wiederbefüllung der Speicher vor dem Winter und verdeutlicht die Abhängigkeit von externen Energiequellen. Trotz des Anstiegs liegen die Preise etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Lieferungen nach Sommer 2027 blieben weitgehend stabil. Ein ausgeprägtes Eskalationsszenario spiegelt sich in den Preisen nicht wider.
Die iranische Wirtschaft: Begrenzte globale Auswirkungen
Mit rund 500 Milliarden US-Dollar ist die iranische Wirtschaft vergleichsweise klein und aufgrund langjähriger Sanktionen weitgehend isoliert. Ein wirtschaftlicher Einbruch infolge von Krieg oder Unruhen dürfte daher nur begrenzte Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte haben.
Iranische Ölproduktion: Auswirkungen auf steigende Preise
Der zentrale Übertragungskanal bleibt der Energiemarkt. Der Iran produziert täglich etwa 3,5 Millionen Barrel Öl. Störungen durch Unruhen oder Exportblockaden sind möglich. Angesichts vorhandener Reservekapazitäten am Markt dürfte der daraus resultierende Preisanstieg jedoch überschaubar bleiben.
Die Straße von Hormus und die Ölinfrastruktur
Das größte Risiko für die Märkte bleibt eine Unterbrechung der Energieversorgung im Nahen Osten. Rund 20 % der weltweiten Öl- und LNG-Exporte passieren die Straße von Hormus. Vijverberg hält eine längerfristige Blockade dennoch für unwahrscheinlich.
Die militärische Überlegenheit der USA, Israels und ihrer Verbündeten spreche gegen eine dauerhafte Unterbrechung. Zudem würde eine Blockade die eigenen Ölexporte des Iran treffen. Zwar verfügen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über Pipelines, die die Meerenge umgehen, diese können den Seetransport jedoch nicht vollständig ersetzen. Katars Gasexporte, rund 20 % des weltweiten Angebots, bleiben vollständig von der Route durch die Straße von Hormus abhängig.
Fazit
Der Konflikt hat die Volatilität erhöht, doch die Marktreaktion signalisiert Erwartungen lediglich kurzfristiger Störungen. Die relative Stabilität von Aktien- und Rohstoffpreisen spiegelt Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der globalen Energieinfrastruktur sowie den begrenzten Einfluss der iranischen Wirtschaft wider. Gleichzeitig verdeutlicht die Situation die Bedeutung einer stärkeren Energiesicherheit und diversifizierter Versorgungsquellen.
Aegon/IJ