9. März 2026

Inflation steigt wieder

Der Krieg im Iran und die De-facto-Blockade der Straße von Hormus treiben die Energiepreise nach oben und lassen die Inflation in Österreich wieder steigen. Darauf weisen Ökonomen der UniCredit Bank Austria hin. Der deutliche Anstieg der Gas- und Rohölpreise wirkt sich vor allem über höhere Treibstoffpreise unmittelbar auf die Inflation aus.

Chefökonom Stefan Bruckbauer erwartet, dass die militärischen Operationen gegen den Iran einige Wochen dauern könnten. Danach sollten Spannungen und Störungen der Energieversorgung nachlassen und die Preise für Öl und Gas von ihren Höchstständen wieder sinken.

Deutlicher Preisanstieg bei Energie

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria
Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Der Weltmarktpreis für Rohöl wird derzeit mit über 100 US-Dollar pro Barrel gehandelt und liegt damit rund 55 % über dem Durchschnitt der ersten beiden Monate des Jahres. Die Treibstoffpreise in Österreich reagierten sofort: Diesel stieg von durchschnittlich 1,51 Euro pro Liter auf rund 2,00 Euro, Super von 1,48 Euro auf etwa 1,80 Euro.

Während die Steuerkomponenten den Bruttopreisanstieg teilweise dämpfen, sind die Nettopreise deutlich stärker gestiegen. Besonders Dieselpreise spiegeln den Anstieg des Rohölpreises inzwischen nahezu vollständig wider. Gleichzeitig hat sich die Preisdifferenz zwischen Diesel und Superbenzin von rund fünf auf etwa 20 Cent pro Liter ausgeweitet.

Inflationsprognose deutlich angehoben

Der Energiepreisschock kehrt den zuvor erwarteten Inflationsrückgang um. Die Ökonomen der Bank Austria erhöhen ihre Inflationsprognose für 2026 von 1,9 % auf 2,5 %. Für 2027 rechnen sie nun mit einer Teuerungsrate von 2,2 %, rund 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher angenommen.

Laut Ökonom Walter Pudschedl bleiben Preisverwerfungen selbst bei einer relativ kurzen Konfliktdauer wahrscheinlich bis weit ins Jahr 2026 spürbar.

Öl- und Gaspreise bleiben vorerst erhöht

Die Bank Austria hat ihre Ölpreisprognose für 2026 von 65 auf 76 US-Dollar pro Barrel angehoben. Unter der Annahme begrenzter Eskalation und einer stabilisierenden Rolle der OPEC+ sollte der Preis jedoch unter 80 US-Dollar bleiben. Ohne geopolitische Spannungen läge der Ölpreis aufgrund des aktuellen Überangebots eher bei rund 60 US-Dollar.

Auch beim Gas rechnen die Ökonomen mit erhöhten Preisen. Für den europäischen TTF-Gaspreis erwarten sie 2026 durchschnittlich 30 bis 35 Euro pro Megawattstunde. Gleichzeitig müssen die derzeit niedrigen europäischen Gaslagerstände von rund 30 % bis zum nächsten Winter wieder aufgefüllt werden.

Mehrkosten für Haushalte

Der Anstieg der Treibstoffpreise führt zu zusätzlichen Belastungen für österreichische Haushalte. Ein durchschnittlicher Haushalt mit Dieselfahrzeug dürfte 2026 etwa 80 Euro mehr für Treibstoff ausgeben als im Vorjahr. Bei Haushalten mit Benzinfahrzeug werden Mehrkosten von rund 30 Euro erwartet.

Besonders Haushalte in Kärnten, Burgenland, Niederösterreich, Vorarlberg und der Steiermark könnten aufgrund höherer Fahrleistungen stärker betroffen sein.

Wachstum leicht gedämpft

Für die Konjunktur erwarten die Ökonomen nur moderate Auswirkungen. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum wurde für 2026 auf 0,9 % und für 2027 auf 1,4 % gesenkt – jeweils um 0,1 Prozentpunkte.

Insgesamt dürften die wirtschaftlichen Folgen begrenzt bleiben, sofern der Konflikt nicht weiter eskaliert. Forderungen nach staatlichen Eingriffen oder Steuererleichterungen erscheinen aus heutiger Sicht daher überzogen.

UniCredit Bank Austria/IJ

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