Indiens IT-Ausverkauf
Die jüngsten Fortschritte im Bereich Künstliche Intelligenz haben die Anlegerstimmung gegenüber Dienstleistungssektoren getrübt und zu Abverkäufen von Software bis hin zur Finanzplanung geführt. Das erläutert James Syme, Senior Fund Manager bei J O Hambro. Gleichzeitig entstehen Bedenken, wie sich eine mögliche Abschwächung bei Software- und IT-Dienstleistungen auf die indische Wirtschaft auswirken könnte, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Ölpreise.

Indiens Wachstumszyklus wird häufig durch Leistungsbilanzdefizite begrenzt. Seit Ende 2010 lag dieses im Durchschnitt bei 1,7 % des BIP, mit einem Höchstwert von 5,1 %. Die Struktur hat sich zwar im Zeitverlauf verändert, zentrale Komponenten bleiben jedoch konstant: 2025 betrug das Defizit bei Nicht-Öl-Gütern 189 Mrd. USD (4,9 % des BIP), während die Netto-Ölimporte 122 Mrd. USD (3,2 % des BIP) erreichten. Das gesamte Handelsdefizit von 311 Mrd. USD (8,0 % des BIP) wurde durch eine positive Dienstleistungsbilanz von 210 Mrd. USD (5,4 % des BIP) weitgehend ausgeglichen – getragen insbesondere von einem IT-Dienstleistungsüberschuss von 227 Mrd. USD (5,9 % des BIP).
Diese enge Beziehung zwischen IT-Dienstleistungsexporten und Ölimporten ist strukturell entscheidend für Indien. Bereits 2019 lagen die Nettoexporte von IT-Dienstleistungen bei 85 Mrd. USD, während die Ölimporte 93,9 Mrd. USD betrugen. Die globalen Zyklen der IT-Ausgaben und der Ölpreis bleiben damit zentrale Einflussfaktoren für die wirtschaftliche Stabilität des Landes.
Aus Bewertungsgründen untergewichtet
Vor diesem Hintergrund ist der Kursrückgang im IT-Sektor relevant: In den ersten beiden Monaten 2026 fiel der MSCI India IT Index in USD um mehr als 20 %. Da die Umsätze börsennotierter IT-Unternehmen stark mit den IT-Dienstleistungsexporten korrelieren, könnte eine tatsächliche Abschwächung der globalen Nachfrage – insbesondere in Kombination mit steigenden Ölpreisen – die Leistungsbilanz belasten und das Wachstum bremsen.
Gleichzeitig zeigen die Fundamentaldaten ein anderes Bild. Die Konsensprognosen für Umsätze und Gewinne der im MSCI India IT Index enthaltenen Unternehmen sind seit Jahresbeginn um 3,4 % gestiegen. Dieses Wachstum deutet auf robuste Fundamentaldaten und Chancen im Sektor hin, der weiterhin übergewichtet wird, während Indien insgesamt aus Bewertungsgründen untergewichtet bleibt. Kursbewegungen allein stellen derzeit kein makroökonomisches Signal für Indien dar.
J O Hambro/IJ