Humanoide Roboter
Humanoide Roboter entwickeln sich vom Forschungsprojekt zur potenziell milliardenschweren Industrie. Für Anleger stellt sich die Frage, ob hier die nächste große Plattform entsteht. Darauf verweist Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager beim DNB Fund Disruptive Opportunities.
Ein Markt mit enormem Hebel
Der Markt steckt noch in den Anfängen. Analysten von Goldman Sachs schätzen das Volumen bis 2035 auf 150 bis 200 Milliarden US-Dollar bei Wachstumsraten von über 40 Prozent jährlich. Bis 2030 könnten weltweit über eine Million humanoide Roboter im Einsatz sein – zunächst in Industrie, Logistik und Pflege. Zum Vergleich: Der heutige Markt für Industrieroboter umfasst rund 16 Milliarden US-Dollar jährlich.
Tesla Optimus: Der ambitionierteste Ansatz

Im Zentrum steht Tesla mit dem humanoiden Roboter Optimus. Anders als klassische Anbieter setzt Tesla auf eine universell einsetzbare Arbeitskraft. Optimus ist rund 1,73 Meter groß, wiegt etwa 70 Kilogramm und wird von denselben KI-Systemen gesteuert wie Teslas Fahrzeuge. Grundlage ist das Full-Self-Driving-KI-System, ergänzt um neuronale Netze für Greifen, Gehen und Objekterkennung. Elon Musk beziffert die langfristigen Produktionskosten auf unter 20.000 US-Dollar pro Einheit.
Der strategische Vorteil liegt in Software, Datenbasis und Skalierung. Tesla verfügt über Erfahrung mit Echtzeit-Sensorfusion, visueller KI in komplexen Umgebungen und Serienproduktion. Selbst eine geringe Marktdurchdringung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung haben.
Starke Konkurrenz aus den USA und China
Tesla steht im Wettbewerb mit Boston Dynamics, unterstützt von der Hyundai Group, sowie mit Figure AI, das unter anderem von Microsoft, OpenAI und Nvidia unterstützt wird. Auch chinesische Unternehmen investieren stark in Robotik.
Zulieferer profitieren ebenfalls. Nvidia liefert KI-Beschleuniger, Qualcomm entwickelt energieeffiziente Edge-Chips, Hersteller von Aktuatoren und Sensorik gewinnen an Bedeutung.
Ausblick: Die nächste große Plattform?
Humanoide Roboter sind technisch extrem komplex. Autonomie, Sicherheit, Energieeffizienz und regulatorische Fragen sind ungelöst. Kurzfristig werden humanoide Roboter keine menschlichen Arbeitskräfte ersetzen, sondern zunächst unterstützen – etwa in Fabriken, Lagern oder Pflegeeinrichtungen.
Für Tesla bedeutet das: Optimus wird im kommenden Jahr keine signifikanten Umsätze generieren. Die Bewertung basiert weiterhin primär auf dem Automobilgeschäft. Doch langfristig eröffnet sich eine asymmetrische Option: Wenn das Projekt scheitert, wird der Schaden begrenzt sein; wenn der Durchbruch gelingt, könnte Tesla eine völlig neue Branche dominieren.
Fest steht: Der Wettlauf um humanoide Roboter hat begonnen.
DNB/IJ