22. Juni 2022

„Grüne“ Luftfahrt startet

Nachhaltigkeit wird ein immer zentraleres Thema für Fluggesellschaften und Reisende. Der Einsatz von nachhaltigen Flugkraftstoffen ist dabei neben Effizienzsteigerungen und technischen Innovationen eine Möglichkeit, die Klimabilanz der Luftfahrt zu verbessern.

Flugzeug

Für Fluggesellschaften würde die Beimischung von nachhaltigen Flugkraftstoffen (Sustainable Aviation Fuels, SAF) um bis zu 16% höhere Treibstoffkosten pro Tonne im Vergleich zu rein fossilem Kerosin bedeuten. Wird der Kostenaufschlag vollständig an die Passagiere weitergegeben, würde sich der Ticketpreis für einen typischen Langstreckenflug, etwa von Wien nach New York, für den reinen SAF-Zuschlag um etwa 36 Euro erhöhen.

Profit sinkt

Das Thema beleuchtet die aktuelle Studie „The real cost of green aviation“(Die wahren Kosten grüner Luftfahrt) von PwC Deutschland und Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC. Darin wird in zwei Szenarien der zu erwartende resultierende Kostenaufschlag einer unterschiedlich hohen SAF-Beimischung von 2025 bis 2050 berechnet.

Die Kosten für eine höhere SAF-Beimischung schlagen sich unterschiedlich stark in den verschiedenen Streckenarten nieder. Die Profitabilität von Mittelstreckenflügen könnte um bis zu 40% abnehmen, wohingegen Kurzstreckenflüge für Airlines nur bis zu 14% Profitabilität einbüßen müssten. Die Langstrecke liegt mit einem möglichen Profitabilitätsrückgang von bis zu 29% im ambitionierten „Net Zero“-Szenario dazwischen.

Grüner aber teurer

Dr. Jan Wille, Luftfahrexperte bei Strategy& Deutschland, analysiert: „Wer zukünftig nachhaltiger fliegen möchte, wird mehr dafür bezahlen müssen. Doch die Kosten für den reinen SAF-Aufschlag bleiben für Fluggesellschaften und Passagiere nach unseren aktuellen Analysen in einem überschaubaren Rahmen. Für die Airlines gilt es jetzt, entschieden zu handeln und konsequent zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen.

Eine Vorreiterrolle beim Einsatz von SAF kann ihnen dabei helfen, steigende Kerosinkosten frühzeitig abzufedern und gleichzeitig attraktiver für umweltbewusste Reisende zu werden. Flugzeughersteller sollten Triebwerke und Flugzeuge auf höhere SAF-Beimischungsquoten umstellen, gleichzeitig aber auch die Effizienz der Maschinen sowie die Entwicklung alternativer Antriebe weiter vorantreiben.“

Kosten teilen

Dr. Johannes Schneider, Energieexperte und Partner bei Strategy& Österreich, ergänzt: „Um den wachsenden Bedarf an SAF decken zu können, müssen die dafür benötigten Produktionskapazitäten drastisch erhöht werden. Dabei sind auch die Hersteller von Kerosin gefragt. Indem sie ihr Portfolio um verschiedene SAF-Arten erweitern, steigern sie nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern auch die Resilienz ihres Geschäftsmodells. Dazu ist vor allem der Umbau bestehender Produktionsanlagen notwendig – finanziert durch initiale Förderung, langfristige Abnahmeverträge sowie strategische Partnerschaften mit anderen Marktteilnehmern, um die Kostenlasten zu teilen.“

Die vollständigen Ergebnisse der Studie „The real cost of green aviation“ finden Sie hier.

Strategy&/HK

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