3. März 2026

Große Rotation weltweit

Der globale Kapitalmarkt erlebt eine tektonische Verschiebung. Während US-Indizes lange als alternativlos galten, zeigt sich nun eine massive Umverteilung der Liquidität. Diese Rotation ist Ausdruck einer neuen Bewertungswirklichkeit, in der selektives Stock-Picking in Europa und Asien sowie die technologische Infrastruktur hinter dem KI-Boom im Mittelpunkt stehen. Darauf weist Robert Beer hin.

Die 80-Prozent-Marke: Das Ende der US-Zentrierung?

Über 80 % des frischen Kapitals flossen zuletzt in Märkte außerhalb der USA – ein historischer Wendepunkt. Jahrelang war „Long USA“ ein Selbstläufer, getrieben durch die Dominanz der „Magnificent Seven“. Hohe Bewertungen im S&P 500 und geopolitische Unsicherheiten haben jedoch eine Bewegung in Gang gesetzt.

Robert Beer, Geschäftsführer Robert Beer Investment GmbH
Robert Beer, Geschäftsführer Robert Beer Investment GmbH

Investoren suchen verstärkt nach Titeln mit realen Cashflows und moderaten KGVs. Diese Kapitalrotation stützt vor allem Europa und Asien. Dort finden sich weltweit führende Unternehmen, die im Vergleich zu US-Pendants mit Bewertungsabschlägen gehandelt werden.

Defensive Stärke in Europa

In diesem Umfeld stechen Iberdrola und Vinci hervor. Beide nutzten die Phase hoher Inflation und volatiler Zinsen, um ihre Geschäftsmodelle krisenfest zu positionieren.

Iberdrola gilt als globaler Benchmark für die Energiewende. Massive Investitionen in Stromnetze und erneuerbare Energien zahlen sich aus. Besonders die Netzsparte liefert regulatorisch abgesicherte, inflationsgekoppelte Erträge. Jüngste Zahlen zeigen zweistelliges Gewinnwachstum.

Vinci profitiert von der Renaissance der Infrastruktur. Autobahnkonzessionen generieren inflationsgeschützte Cashflows, während Vinci Energies die Modernisierung der Stromnetze vorantreibt. Die Kombination aus defensiver Substanz und Wachstum macht das Unternehmen zu einem Stabilitätsanker.

Die Architekten der Zukunft

Das Wachstumsthema Künstliche Intelligenz wird auf der Hardware-Seite entschieden. SK Hynix hat sich eine nahezu monopolartige Stellung bei High-Bandwidth Memory (HBM) erarbeitet. Diese Speicherchips sind zentral für KI-Recheneinheiten. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich, was erhebliche Preissetzungsmacht schafft. Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen diese Dynamik.

Ergänzt wird das Bild durch Lam Research. Das Unternehmen liefert Ätz- und Abscheidungssysteme für die Herstellung modernster Halbleiter. Mit zunehmender Chipkomplexität steigt der Bedarf an dieser Technologie überproportional. Lam Research profitiert von jedem neuen Fabrikneubau weltweit.

Fazit

Der Markt fokussiert sich stärker auf reale technologische und infrastrukturelle Wettbewerbsvorteile. Die Kombination aus globaler Rotation weg von den USA und der Auswahl von Champions wie Iberdrola, Vinci, SK Hynix und Lam Research bietet eine robuste Strategie.

Trotz positiver Aussichten bleiben geopolitische Unsicherheiten, steigende Staatsschulden und hohe Rohstoffpreise Risikofaktoren. Ein risikoadjustiertes Investieren mit breiter Diversifikation bleibt entscheidend. Robert Beer sieht sich daher mit Investments in ertragsstarke europäische und internationale Unternehmen sowie aktivem Risikomanagement gut positioniert.

Robert Beer/IJ

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