Fed bleibt restriktiv
Die US-Notenbank dürfte sich trotz einer abkühlenden Beschäftigungsdynamik weiter stark auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren. Ronald Temple, Chief Market Strategist bei Lazard, verweist darauf, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt, während der Arbeitsmarkt zwar weniger dynamisch, aber nicht zwangsläufig schwach ist.
Inflation bleibt hartnäckig

Fed-Chef Kevin Warsh hat in Jackson Hole deutlich gemacht, dass Preisstabilität derzeit im Mittelpunkt steht. Die Märkte werteten dies als hawkishes Signal. Die jüngsten Inflationsdaten stützen diese Haltung: Die Kernrate der persönlichen Konsumausgaben lag im Juli bei 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Gesamtinflation bei 3,7 Prozent. Besonders relevant ist, dass die Kerninflation bereits seit April 2021 über dem Zielwert liegt. Dienstleistungen ohne Wohnkosten und Energie verteuern sich seit mehr als fünf Jahren mit einer Jahresrate von über drei Prozent und haben sich zuletzt knapp unter vier Prozent stabilisiert. Auch die Wohnkosteninflation könnte in den kommenden Monaten wieder anziehen.
Arbeitsmarkt sendet gemischte Signale
Der US-Arbeitsmarkt ist laut Temple schwerer zu interpretieren als in früheren Zyklen. 2025 lag das durchschnittliche monatliche Beschäftigungswachstum zunächst bei rund 10.000 Stellen. Seit Jahresbeginn 2026 stieg es bis Juli auf durchschnittlich 61.000 Stellen pro Monat, blieb aber stark schwankend. Temple spricht von einem „no hiring, no firing“-Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen hätten ihre Beschäftigung eher über natürliche Fluktuation reduziert als über größere Entlassungswellen. Gleichzeitig hat die veränderte Einwanderungspolitik das Arbeitskräfteangebot verringert. Die Zahl ausländischer Beschäftigter in der US-Erwerbsbevölkerung sei seit März 2025 um rund 2,2 Millionen beziehungsweise 6,5 Prozent gesunken.
Weniger neue Stellen bedeuten nicht automatisch Schwäche
Für die Fed ist entscheidend, dass heute möglicherweise deutlich weniger neue Stellen nötig sind, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten. Während historisch rund 140.000 zusätzliche Stellen pro Monat erforderlich waren, könnte diese Schwelle inzwischen bei etwa 50.000 liegen. Damit müssen niedrigere Beschäftigungszuwächse nicht automatisch als Rezessionssignal gelten. Sollten die kommenden Arbeitsmarktdaten nur moderat ausfallen, ohne dass die Arbeitslosenquote deutlich steigt, dürfte dies die Fed kaum von ihrem Inflationsfokus abbringen.
Temple fasst zusammen: „Ein schwächeres Stellenwachstum ist nicht automatisch ein Argument gegen weitere Zinserhöhungen.“ Entscheidend sei, ob der Arbeitsmarkt tatsächlich schwach genug wird, um den Inflationsfokus der Fed zu verändern.
Lazard/IJ