23. Februar 2021

Eurozone: Langfristig trübe Aussichten

Olivier de Berranger, Investmentexperte bei LFDE, meint: Europa soll auf Asien setzen.

In vielerlei Hinsicht scheint sich die Lage in der Eurozone zu verbessern. Dieses günstige Momentum könnte auf kurze Sicht sogar ein Outperformance-Potenzial für europäische Aktien bedeuten, die seit Jahresbeginn leicht hinterherhinken.

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE
Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

„Reich der Fabel“

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE, kommentiert: „Längerfristig sind die Aussichten hingegen weniger erfreulich. Durch die deutlich schärferen und längeren Beschränkungen als auf anderen Kontinenten haben die europäischen Staats- und Regierungschefs die Wirtschaft des Alten Kontinents schwer belastet. Gleichzeitig erfolgte die haushaltspolitische Reaktion zwar rasch, ist jedoch im weltweiten Vergleich eher unzureichend.“ Während in den USA in Kürze ein drittes Konjunkturpaket verabschiedet werden dürfte, gehört der Gedanke an ein zweites Paket für die Europäische Union ins Reich der Fabel verwiesen. So machen die fiskalischen Anreize in den USA mehr als 10% des für 2021 erwarteten BIP aus, gegenüber lediglich 6% in der Eurozone 1). Die Auswirkungen werden alles andere als unerheblich sein.

Rückfall

Denn von der Vorkrisenzeit bis heute hat sich der Abstand beim erwarteten Wachstum zwischen der Eurozone und den anderen großen Wirtschaftsregionen vergrößert. Vor einem Jahr betrug der Unterschied beim erwarteten Wachstum über 3 Jahre (2020 bis 2022) zwischen der Eurozone und den USA 2% bzw. zwischen der Eurozone und China 14,6%. Diese Unterschiede liegen mittlerweile bei 3,3% bzw. 16,4% 2).

Europa profitiert von Asien

Insgesamt mag die Eurozone daher für Anleger im Vergleich zu den USA oder asiatischen Schwellenländern wenig attraktiv erscheinen. Sie hält jedoch einige Trümpfe in der Hand. Vor allem verfügt sie über eine große Fülle an Unternehmen, die mit dem asiatischen Konsumgütersektor verzahnt sind. Die jüngsten Ergebnisse von Moncler aus Italien verdeutlichen, dass es sehr gute Gründe für Investitionen in diese Unternehmen gibt. Denn der Luxusgüterhersteller, der 49% seines Umsatzes im Asien-Pazifik-Raum erzielt, meldete deutlich über den Markterwartungen liegende Zahle

Insbesondere das Jahresergebnis übertraf die Erwartungen um 20%. Ein großer Teil dieser Ergebnisse ist durch den Umsatz in Asien bedingt. Dieser stieg im vierten Quartal um 26% – und in China sogar um 60%. Dies macht den Umsatzrückgang von -13% in Europa mehr als wett. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Hermès mit einem Umsatzrückgang von -9,8% in Europa, aber einem Plus von 47,4% in Asien (ohne Japan).

Hervorragende Unternehmen

De Berranger abschließend: „Zweifelsohne birgt die schwache haushaltspolitische Reaktion in Europa auf lange Sicht das Risiko einer strukturellen Underperformance europäischer Anlagen. Nichtsdestotrotz sind viele europäische Unternehmen vor allem dank ihrer internationalen Ausrichtung imstande, mit diesen trüben Aussichten fertig zu werden. Genau auf diese Unternehmen sollten Anleger sich in den kommenden Jahren fokussieren.“

Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens: LFDE/HK

(1) Quellen: Financial Times & Unicredit
(2) Daten basierend auf dem Bloomberg-Konsens

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