4. September 2022

Ende für „billiges Geld“

GlowDetlef Lipper-scaled
Detlef Glow Head of Lipper EMEA Research, Refinitiv, London Stock Exchange Group

2022 wird sicherlich als eines der schwierigsten Jahre für Kapitalanleger in die Geschichtsbücher eingehen. Jetzt mischt die Zinswende der Zentralbanken die Karten für Investoren neu.

Siegerfonds

Während sich Anleger zu Jahresbeginn noch mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, der steigenden Inflation, sowie den möglichen Gegenmaßnahmen der Zentralbanken beschäftigten, änderte sich der Fokus seitens der Investoren mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine schlagartig, da niemand wusste, welche Folgen dieser Krieg auf die Volkswirtschaften in Europa und den Rest der Welt haben wird.

Kampf gegen Inflation

Die, aufgrund der Sanktionen gegen Russland, verknappten Öl- und Gasexporte führten zu stark steigenden Energiepreisen und damit einhergehend zu einer weiter ansteigenden Inflation. In der Folge begannen viele Notenbanken, allen voran die amerikanische Federal Reserve (FED), ihre Politik des billigen Geldes zu beenden und neben der Einschränkung von Anleihekaufprogrammen die Leitzinsen zu erhöhen. Da die Zinsen in vielen Staaten bei null oder sogar darunter lagen, betreten die Zentralbanken mit diesen Schritten, bei ihrem Kampf gegen die Inflation, Neuland.

Die Maßnahmen der Zentralbanken wirken sich auch auf Anleger aus, die bereits in festverzinsliche Wertpapiere investiert sind. Schließlich führen steigende Zinsen zu Kursverlusten bei bestehenden Anleihen, da diese ihren Zinsnachteil gegenüber neu emittierten Anleihen durch einen Preisnachlass auf den Preis der Anleihe ausgleichen müssen, was für den Investor ein Kursverlust ist.

Alle Bonds betroffen

Neben dem Bereich der Staatsanleihen sind auch die Märkte für Unternehmensanleihen und hochverzinsliche Wertpapiere von den Maßnahmen der Zentralbanken betroffen. Allerdings kommt in diesen Segmenten noch hinzu, dass die Aufschläge (Spreads), die diese Schuldner im Vergleich zu Staatsanleihen zahlen müssen, auch von der erwarteten Geschäftsentwicklung dieser Unternehmen abhängen.

Dabei ist zu beachten das die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen insbesondere von deren wirtschaftlicher Lage abhängig ist. Somit kann die veränderte Zentralbankpolitik durch die steigenden Finanzierungskosten auch den Spread negativ beeinflussen. Zudem können sich unterbrochene Lieferketten, steigende Preise für Energie, Halbfertig-Produkte und Rohstoffe sowie eine vor dem Hintergrund der steigenden Inflation sinkende Konsumbereitschaft der Verbraucher negativ auf die Gewinnerwartungen der Unternehmen auswirken.

Fazit: Aktiv handeln

Insgesamt betrachtet scheint die zukünftige Entwicklung an den Anleihenmärkten nur schwer einschätzbar zu sein. Dennoch bieten sich für aktive Investoren in einem solchen Marktumfeld immer wieder Gelegenheiten, einzelne Anleihen oder ganze Marktsegmente günstig kaufen zu können. Um diese Titel zu finden, müssen Investoren jedoch über eine genaue Kenntnis der einzelnen Anleihen und Marktsegmente verfügen. Dementsprechend sollten Investoren auf erfolgreiche Investmentfonds setzen, wenn sie sich im derzeitigen Marktumfeld im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere engagieren wollen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass das gegenwärtige Marktumfeld auch für die Manager dieser Fonds Neuland ist.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Refinitiv.

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Detlef Glow Head of Lipper EMEA Research, Refinitiv, London Stock Exchange Group

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