10. November 2020

Crispr-Cas9 und der Klimawandel

LedererPabstSusanne Neu1
Dr. Susanne Lederer-Pabst Dragonfly finance

Die Zeitepoche, in der wir uns befinden ist megaspannend, weil Krisen und Chaos auch immer enormes kreatives Potential freilegen! Der momentane Wandel geht mit enormem Aufruhr und Tohuwabohu einher – wichtiger denn je also, einen klaren Kopf zu bewahren.

Corona birgt die riesige Chance, die Gesellschaft aus ihren teils überholten, lange nicht mehr dienlichen Strukturen, zu befreien. Alleine das Schulsystem auf Homeschooling umzustellen, hätte uns vermutlich Jahrzehnte beschäftigt. Innerhalb einiger Tage war dies geschafft! Beleuchtet werden jetzt – im in meh­rerlei Hinsicht atemberaubendem Tempo – alle kri­tischen Bereiche des gesellschaftlichen Zusammen­lebens, und das zumeist vor dem allgegenwärtigen Hintergrund der Klimakrise.

Bewältigbarer Klimawandel durch
Crispr-Cas?

Manchmal machen Forscher Entdeckungen, bei de­nen sofort klar ist, dass diese die Welt revolutionie­ren: Crispr-Cas9, auch „Genome Editing“ oder „Gen­schere“ genannt, ist solche eine. Emmanuelle Char­pentier und Jennifer Doudna haben am 7.10.2020 für diese Entdeckung den Nobelpreis erhalten. Crispr-Cas9 kann Gene an- und ausschalten, einzelne Buchstaben in der DNA präzise löschen oder neue einfügen. Der Code des Lebens lässt sich somit um­schreiben wie eine Geschichte am PC und hat, so re­volutionär wie es ist, bereits Science-Fiction-Filme in­spiriert, Ethikkommissionen auf den Plan gerufen und eine neue Milliardenindustrie geschaffen.

Der Menschheit wurde ein enorm mächtiges Werk­zeug gegeben, um die Biologie zu beherrschen. Die Pläne reichen vom trockentoleranten, glutenfreien Supergetreide über tierloses Fleisch bis hin zur Hei­lung schwerer Krankheiten und natürlich auch Coro­na. Die wohl größten Hoffnungen wurden im Medi­zinbereich ausgelöst – nicht minder wichtig: der Kli­mawandel. Crispr-Cas könnte uns helfen, auch diese Herausforderungen zu bewältigen.

Langlebige Pflanzen stellen Ernährung sicher

Unvorhersehbare Wetterbedingungen sowie der An­stieg von Krankheitserregern bedeuten für viele Pflanzenkulturen den Tod. Für Länder in Afrika, die bereits jetzt von Hunger und Dürrekatastrophen be­droht sind, und somit letztlich für uns alle, könnte dies furchtbare Auswirkungen haben. Ultimatives Ziel ist es, Pflanzen zu schaffen, die gegen Dürre, Überschwemmungen, Salzwasser und Schädlinge re­sistent sind, denn „Gene Editing“ findet und ersetzt vorhandene Gene – ohne DNA von anderen Organis­men hinzuzufügen. Das ist der Unterschied zu gen­manipulierten Pflanzen, die es – mit vielerlei Nach­teilen – bereits gibt.

Lösung zahlreicher Umweltprobleme durch tierloses Fleisch

Wenn sich Tiere von Gräsern ernähren, die für den menschlichen Magen nicht verwertbar sind, ist das sinnvoll. Doch nur ein kleiner Teil der Tiere kann auf Weiden grasen: Alleine Österreich muss 600.000 Tonnen davon importieren, für das zum Großteil südamerikanischer Regenwald abgeholzt wurde. Weltweit leiden Menschen an Hunger, dennoch wer­den 90 Prozent der Soja- und 30 Prozent der welt­weiten Getreideernte an Tiere verfüttert – für die „Produktion“ von vergleichsweise wenig Fleisch.

Bei der Abholzung von Regenwald gehen wertvolle Pflanzen- und Tierarten für immer verloren und es entstehen enorme Mengen an Treibhausgasemissi­onen. Zusätzlich zum Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, den direkten Emissionen der Tiere und allen verbundenen Transporten ist Fleisch daher das Lebensmittel mit der höchsten Klimabelastung. Ganz abgesehen von dem unsagbaren Tierleid, das damit einhergeht. Fleisch aus dem Labor wäre somit ein Durchbruch und würde gleich viele Problem­felder lösen. Um zu erschwinglichen Preisen und tat­sächlich frei von tierischen Produkten produzieren zu können, ist die moderne Biotechnologie unver­zichtbar. Was vor wenigen Jahren noch Utopie war, wird nun zunehmend konkret – wundervoll!

LedererPabstSusanne Neu1
Dr. Susanne Lederer-Pabst Dragonfly finance