27. November 2020

In 180 Tagen an die Spitze

SchuhMoritz sw
Moritz Schuh, MSc Economist | Contributing Editor | Blockchain Enthusiast

Früher McDonald`s, heute Krypto-Milliardär! Unglaubliche Erfolgstories sind in der Blockchainwelt keine Seltenheit, doch die Geschichte von Changpeng Zhao und seiner Krypto-Börse Binance stellt alles in den Schatten.

„Zu Beginn war es unser Ziel, in drei Jahren Nummer eins zu werden, doch manchmal hast du einfach Glück.“ Changpeng Zhao, Gründer von Binance

Binance, die weltweit größte Kryp­tobörse mit durchschnittlich 2,8 Milliarden Dollar Tradingvolumen pro Tag (!) ist mehr als nur eine Plattform für den Handel mit digitalen Assets. Das Un­ternehmen mit Wurzeln in China hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren zum führenden vollständig integrierten Blockchain-Ökosystem der Welt aufzustei­gen und so die digitale Infrastruktur der Zu­kunft federführend mitzugestalten. Der Mann hinter dieser Vision und Gesicht von Binance ist Changpeng Zhao – auch bekannt als CZ. Er lässt mit seinem Charisma und Kommunikationstalent wenig Zweifel offen, dass man sich auch auf bestem Weg dorthin befindet. Seit dem ersten Tag haben der Gründer und sein Team kaum ein Quartal verstreichen lassen, um immer innovativere Produkte auf den Markt zu bringen.

Steiniger Weg

1977 in einer kleinen Stadt in Jiangsu gebo­ren, war CZ´s Leben schon früh von zahl­reichen Ortswechseln geprägt. Nach mehre­ren Umzügen innerhalb Chinas emigrierte er im Alter von 12 Jahren zusammen mit sei­nen Eltern – einer Lehrerin und einem Uni­versitätsprofessor – nach Kanada, da sein Vater, gebrandmarkt als bürgerlicher Intel­lektueller, das Land verlassen musste. Um seine Familie nach dem Neustart finanziell zu unterstützen, jobbte Changpeng neben der High School in Vancouver als Angestell­ter in Fastfood-Restaurants und schob Nachtschichten in einer Tankstelle.

Obwohl er sich bereits früh für Wirtschafts­wissenschaften und Unternehmertum inte­ressierte, galt seine tiefe Leidenschaft der Informatik. Während seines Studiums in In­formationstechnologie an der McGill Uni­versity in Montreal absolvierte er ein Prakti­kum an der Tokioter Börse, wobei er so überzeugte, dass er nach seinem Abschluss sofort eine Festanstellung bekam. Nach vier Jahren in Tokio, entwickelte er eine Trade Matching Order Software. Er übersiedelte nach New York und arbeitete als leitender Ent­wickler bei Bloomberg Tradebook, bis es ihn weitere vier Jahre später zurück in sein Hei­matland China zog. In Shanghai gründete er 2005 sein erstes Start-Up Fusion Systems, das sich auf Hochfrequenzhandelssysteme für Broker spezialisierte. Obwohl Fusion Systems sich äußerst erfolgreich entwickelte und Top-Investmentbanken von Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan bis hin zur Deutschen Bank zu seinen Kunden zählten, beschloss CZ, seinem Unternehmen nach acht Jahren den Rücken zu kehren und andere Wege einzuschlagen.

Vom Bitcoin-Fieber gepackt

Es war während eines Pokerturniers im Sep­tember 2013, als CZ von seinem langjäh­rigen Freund und ehemaligen CEO von BTC­-China, Bobby Lee, in die Welt von Bitcoin eingeführt wurde. Es reichte ein Gespräch und fasziniert begann er immer tiefer in die Materie einzutauchen: noch vor Ende des Jahres hing er seinen Job bei Fusion Systems an den Nagel, besuchte Blockchain-Konfe­renzen, um sich mit der Community zu ver­netzen. Er verkaufte sogar sein Haus, um den vollen Betrag in Bitcoin zu investieren. CZ´s Glauben in die neue Technologie war so stark, dass er selbst nach einem Kurssturz von 600 auf 200 Dollar kurz nach seiner In­vestition sein Krypto-Vermögen bis heute nicht verkaufte.

Zur selben Zeit beschloss Changpeng auch, professionell in der Kryptowelt tätig zu wer­den. Nach einem Jahr im Bereich der Wallet-Entwicklung bei Blockchain.info wechselte er als Chief-Technology-Officer zu OkCoin, da ihm Börsen aufgrund seiner Expertise nä­herlagen. Als es innerhalb weniger Monate jedoch zu Differenzen zwischen ihm und dem Management kam, verließ CZ auch Ok­Coin, um 2015 sein zweites Unternehmen Bijie Technology zu gründen. Die Cloud-Handelssoftware, die Bijie Technology an­fangs noch für andere Krypto-Börsen entwi­ckelte, legte den Grundstein für das eigent­liche Herzensprojekt CZ´s: dem Aufbau ei­ner eigenen Exchange, die gänzlich ohne Fiat-Währungen operieren sollte.

Rasanter Aufstieg an die Spitze

Genau im richtigen Moment, während des großen Krypto-Bullruns im Jahr 2017, fasste CZ dann den Entschluss, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Nachdem er erfahren hatte, dass einer seiner Bekannten über die damals gänzlich neue Finanzierungsform des Initial Coin Offering (ICO) erfolgreich an Inve­storengelder kam, beschloss er kurzerhand, es selbst zu wagen. Mit dem Know-how und seinem Team von Bijie Technology im Rü­cken wurde innerhalb weniger Wochen das gesamte Konzept von Binance entworfen und im Austausch gegen den Plattform-na­tiven Token „Binance-Coin“ rund 15 Millio­nen Dollar an ICO-Geldern eingesammelt. Umgehend startete man mit der Entwick­lung der Börse und innerhalb von nur 180 Tagen wuchs das Unternehmen vom kleinen Start-up zur volumsstärksten Kryptohan­delsplattform der Welt. Noch während des ersten Jahres musste Binance die Registrie­rung neuer Kunden temporär unterbrechen, da sie mit dem enormen Zustrom nicht mehr hinterherkamen. Möglich war dieses rasante Wachstum nicht nur durch die dezentrale Unternehmensstruktur, niedrige Gebühren, kluges Marketing und eine große Anzahl verfügbarer Kryptowährungen, sondern auch CZ´s Strategie durch Verzicht auf Fiat-Anbindung regulatorische Hürden zu redu­zieren. Dies verschaffte Binance die nötige Flexibilität, um auf die sich rasch ändernden Marktbedingungen zu reagieren. So verla­gerte man schon wenige Monate nach der Gründung, im September 2017, alle Büros und Server nach Japan, da sich in China ein Verbot von Kryptowährungen abzuzeichnen begann, später übersiedelte man nach Mal­ta. Inzwischen hat die Exchange mehr als 1000 Mitarbeiter, über 15 Millionen User in 180 Ländern und ein durchschnittliches Handelsvolumen von fast drei Milliarden Dollar pro Tag.

Lukratives Businessmodell

Als in Privatbesitz befindliches Unterneh­men ist Binance nicht verpflichtet, seine Ge­winne offenzulegen, doch Schätzungen zu­folge durchbrach die Börse dieses Jahr die Gewinnmarke von über einer Milliarde Dol­lar. CZ selbst hält den größten Teil seines Vermögens in Krypto. Die kürzlich veröf­fentlichte Hurun Global Rich List listet Zhao als den reichsten der sechs Milliardäre, die die Krypto-Branche bisher hervorgebracht hat. Basierend auf Zahlen aus Binances ge­schätzten Einnahmen berechnet Hurun sein Nettovermögen mit rund 2,6 Milliarden Dol­lar. Von physischen Besitztümern hält CZ je­doch nicht viel. Laut eigenen Aussagen be­sitzt er weder ein Haus noch ein Auto – nicht einmal Anzüge leistet sich der CEO, der stets in Binance-Pullover oder T-Shirts anzutreffen ist. Den größten Teil seines Ver­mögens reinvestiert er in seine Projekte. Wo­möglich eine Erklärung für das innovative Tempo, das Binance an den Tag legt.

Krypto-Reichenliste:
1. Changpeng Zhao, Binance; 2,6 Mrd.$
2. Ketuan Zhan, Bitmain; 1,6 Mrd.$
3. Mingxing Xu, OKCoin; 1,4 Mrd.$
4. Chris Larsen, Ripple; 1,3 Mrd.$
5. Leon Li, Huobi; 1,1 Mrd.$
6. Brian Armstrong, Coinbase; 1 Mrd.$

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Moritz Schuh, MSc Economist | Contributing Editor | Blockchain Enthusiast

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