22. Oktober 2026

Zinserwartungen bleiben hoch

Die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen hat die Anleihemärkte im dritten Quartal belastet. Mohammed Kazmi, Chief Strategist der Global Multi-Sector Credit Group bei UBP, sieht die Markterwartungen inzwischen jedoch deutlich über dem, was die wirtschaftlichen Fundamentaldaten rechtfertigen. Das höhere Renditeniveau eröffnet aus Sicht der Bank wieder Einstiegsmöglichkeiten – vorausgesetzt, Anleger kombinieren Zins- und Kreditrisiken ausgewogen.

Zinserwartungen haben sich stark von den Fundamentaldaten entkoppelt

Mohammed Kazmi, Chief Strategist der Global Multi-Sector Credit Group der UBP

Anhaltend hohe Energiepreise und eine robuste Konjunktur haben die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank und die australische Zentralbank zuletzt zu Zinsanhebungen veranlasst. Einen sich selbst verstärkenden Inflationsprozess erkennt UBP bislang jedoch nicht. Weder bei den Inflationserwartungen noch beim Lohnwachstum sieht die Bank eine deutliche Beschleunigung infolge höherer Energiepreise. Auch die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten deuten aus ihrer Sicht darauf hin, dass vom Arbeitsmarkt kein zusätzlicher Inflationsdruck mehr ausgeht.

Wie stark sich die Erwartungen verschoben haben, zeigt sich in den USA: Zu Jahresbeginn hatten die Märkte für 2026 noch zwei Zinssenkungen eingepreist, inzwischen rechnen sie mit mehr als vier Zinserhöhungen einschließlich des bereits im September erfolgten Schritts. Während Fed-Chef Warsh weiter eine restriktive Linie signalisiert, äußern sich andere Mitglieder des Gremiums angesichts dieser Neubewertung geduldiger. UBP erwartet daher, dass sich die Zinsmärkte im weiteren Verlauf wieder normalisieren könnten.

Robuste Unternehmen, steigende Staatsschulden

Die Zinserhöhungen in den USA sind nach Einschätzung von UBP zugleich Ausdruck einer stärkeren Wirtschaft als von der Fed erwartet. Das nominale Wachstum hat sich in den vergangenen beiden Quartalen auf mehr als 6 % beschleunigt. Staatliche Ausgaben und Investitionen in künstliche Intelligenz stützen die Konjunktur und tragen auch zu einer Erholung des verarbeitenden Gewerbes bei. Unternehmensgewinne zeigen sich widerstandsfähig, die Bilanzen solide. Für Kazmi spricht das dafür, Unternehmensanleihen mit gezielt dosierten Zinsrisiken zu kombinieren.

Zurückhaltender ist UBP bei lang laufenden Staatsanleihen. Die staatliche Finanzlage hat sich verschlechtert, während die flache Zinskurve trotz steigender Schuldenlast nur wenig zusätzliche Vergütung für lange Laufzeiten bietet. Die Bank bevorzugt daher mittlere Laufzeiten. Diese können Unternehmensanleihen im Portfolio ergänzen, nachdem Staatstitel bei steigenden Risikoaufschlägen zuletzt erneut als sicherer Hafen gefragt waren.

Laufende Zinserträge federn Kursschwankungen ab

Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh. Der Konflikt zwischen den USA und Iran sowie die Reaktion der Fed auf länger anhaltend hohe Energiepreise können weiterhin für Schwankungen sorgen. UBP geht allerdings davon aus, dass der größte zinsbedingte Stress im Anleihesegment bereits überwunden ist. Zugleich zeigt sich die Bedeutung laufender Zinserträge. Trotz der deutlichen Neubewertung der Zinserwartungen haben diese nach Einschätzung der Bank seit Jahresbeginn größere Kapitalverluste verhindert und damit einen wichtigen Puffer gegenüber Kursschwankungen gebildet.

Selektive Chancen bei Unternehmensanleihen und Schwellenländern

Im Unternehmensanleihemarkt richtet UBP den Blick unter anderem auf Hochzinsengagements über CDS-Indizes. Diese bieten nach Einschätzung der Bank derzeit einen Renditeaufschlag gegenüber direkten Anleiheinvestments und zugleich höhere Liquidität. Auch nachrangige Bankanleihen vom Typ Additional Tier 1, Anleihen mit BB-Rating und Collateralised Loan Obligations zählen zu den bevorzugten Ertragssegmenten. Hier sieht UBP attraktive Prämien, ohne dafür aus ihrer Sicht zusätzliche Ausfallrisiken eingehen zu müssen.

Ergänzende Chancen sieht die Bank bei ausgewählten Schwellenländerwährungen. Die starke physische Nachfrage nach Edel- und Industriemetallen sowie deren Rolle als Zufluchtswerte stützen den positiven Ausblick. Ausgewählte Währungen aus Schwellenländern könnten zusätzliches Aufwertungspotenzial und laufende Erträge aus Zinsunterschieden bieten und damit in einem von geopolitischer Unsicherheit und Fragmentierung geprägten Umfeld zur Diversifikation beitragen.

Wandelanleihen profitieren vom KI-Investitionszyklus

Auch für Wandelanleihen bleibt das Umfeld aus Sicht von UBP günstig. Die Unternehmen des S&P 500 steigerten ihren Gewinn je Aktie im zweiten Quartal 2026 um 33 % und übertrafen damit die Konsenserwartung von 22 %. Für das dritte Quartal erwartet der Konsens ein Plus von 27 % gegenüber dem Vorjahr. UBP teilt diesen konstruktiven Ausblick, gestützt auf stärkeres Umsatzwachstum, Produktivitätsgewinne und positive Überraschungen aus dem Technologiesektor.

Das globale Wandelanleiheuniversum bietet laut UBP Chancen entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette – von Halbleitern und Hardware über Infrastruktur und Cybersicherheitssoftware bis hin zu spezialisierten Cloud-Anbietern, neuen Energielösungen und kritischen Rohstoffen. Im Industriesektor bevorzugt die Bank Unternehmen, die Rechenzentren und deren Energieeffizienz verbessern. Hinzu kommen europäische Verteidigungsunternehmen, die von steigenden Militärbudgets und neuen Themen wie Raumfahrt profitieren könnten.

UBP/IJ

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