18. September 2026

KI treibt Speicher

Der KI-Boom verändert den Markt für Speicherchips. Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager bei DNB Asset Management, sieht vor allem langfristige Lieferverträge, knappe Kapazitäten und den steigenden Speicherbedarf von KI als Faktoren, die das Gewinnprofil der Branche verändern könnten. Entscheidend ist, ob die strukturelle Nachfrage schneller wächst als die neue Produktionskapazität.

Von Spotpreisen zu langfristiger Visibilität

Audun Wickstrand Iversen, Portfoliomanager DNB Fund Disruptive Opportunities

Künstliche Intelligenz macht Speicher zunehmend zu einem Engpass. Mit größeren Modellen, längeren Kontextfenstern und mehr Inferenz steigt der Bedarf an schnellem Speicher. High Bandwidth Memory, kurz HBM, ist dadurch zu einem zentralen Bestandteil der KI-Infrastruktur geworden. Für 2026 bis 2028 wird der HBM-Markt auf 50 bis 100 Mrd. US-Dollar geschätzt. SK Hynix wird als HBM-Marktführer mit einem geschätzten Anteil von 50 bis 70 Prozent bei HBM4 eingeordnet und weist unter den drei großen Speicherherstellern die stärkste KI-Exponierung und höchste Marge auf. Micron verzeichnet das stärkste relative HBM-Wachstum, während Samsung als größter Speicherproduzent breiter diversifiziert ist, bei HBM4 aber noch aufholt.

Micron hat 16 sogenannte Strategic Customer Agreements abgeschlossen, viele davon mit Laufzeiten bis 2030 und verbindlichen Take-or-pay-Abnahmeverpflichtungen. Langfristig sollen sie rund die Hälfte des Umsatzes abdecken. Zudem ist die gesamte Produktion für 2026 verkauft, während laut Unternehmen aktuell nur rund 50 Prozent der tatsächlichen Nachfrage bedient werden können. Auch Sandisk meldete mehrjährige Vereinbarungen, die rund die Hälfte der Bit-Kapazität im Geschäftsjahr 2027 und etwa zwei Drittel im Geschäftsjahr 2028 abdecken sollen. Für eine traditionell stark zyklische Branche erhöht dies die Visibilität deutlich.

Das klassische Warnsignal bleibt

Gleichzeitig investieren die Hersteller massiv. Micron will die Investitionsausgaben auf mehr als 25 Mrd. US-Dollar erhöhen, Samsung plant laut Newsletter 73 Mrd. US-Dollar. In früheren Zyklen waren solche Investitionen häufig ein Warnsignal: Hohe Preise führen zu hohen Investitionen, diese zu Überkapazität und anschließend zu fallenden Preisen.

Dem steht die Einschätzung des SK-Group-Vorsitzenden gegenüber, der vor einer Wafer-Knappheit von mehr als 20 Prozent bis 2030 warnt. Genau dieser Gegensatz zwischen starkem Kapazitätsausbau und anhaltender Knappheit macht den aktuellen Zyklus schwer einzuordnen. Die pessimistische Sicht erwartet einen Peak mit anschließendem Abschwung ab 2027 oder 2028. Die optimistischere These geht davon aus, dass KI eine strukturell neue Nachfragebasis schafft und mehrjährige Verträge einen unkoordinierten Kapazitätsausbau begrenzen könnten.

Die eigentliche Wette ist: Wie lange trägt der KI-Boom?

Auch technologisch könnte sich der Speicherbedarf verbreitern. HBM4 soll die verfügbare Bandbreite deutlich erhöhen, während Technologien wie High Bandwidth Flash, CXL sowie In- und Near-Memory Computing unterschiedliche Engpässe bei Kapazität, Geschwindigkeit und Energieverbrauch adressieren. Sandisk verweist darauf, dass High Bandwidth Flash HBM-ähnliche Bandbreite mit deutlich höherer Kapazität bei vergleichbaren Kosten bieten könnte. Erste Umsatzbeiträge werden ab 2028 erwartet. Damit könnte auch NAND einen größeren Teil der KI-Speicherwertschöpfung übernehmen.

Zudem muss ein effizienterer und günstigerer KI-Einsatz nicht zu weniger Speicherverbrauch führen. Nach dem Jevons-Paradox können sinkende Kosten neue Anwendungen und zusätzliche Nachfrage auslösen. Mehr Anfragen, längere Kontexte, mehr KI-Agenten sowie Anwendungen auf Smartphones und Robotern könnten den Gesamtbedarf weiter erhöhen. Für Anleger ist der Speicherboom deshalb keine einfache Wette auf steigende Chippreise. Neben Speicherherstellern könnten auch Ausrüster wie Lam Research profitieren, die alle drei großen Produzenten beliefern. Entscheidend bleibt, ob die KI-Nachfrage schneller wächst als die Kapazitäten. Dann könnte sich das Gewinnprofil der Branche stabilisieren. Kommt neue Kapazität schneller als erwartet, droht dagegen das bekannte Muster aus Überangebot und fallenden Preisen.

DNB/IJ

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