24. Juni 2026

Märkte setzen auf Wachstum

Die Märkte haben sich in den vergangenen Monaten spürbar neu ausgerichtet: Statt eines ölpreisgetriebenen Inflationsschocks steht inzwischen die Widerstandsfähigkeit des globalen Wachstums im Vordergrund. Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price, sieht darin auch für Schwellenländer ein konstruktiveres Umfeld als noch zu Jahresbeginn erwartet.

Märkte blicken stärker auf Wachstum als auf Öl

Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price

Höhere Energiepreise hatten zunächst Sorgen über schwächeres Wachstum und eine straffere Geldpolitik ausgelöst. Die befürchtete wirtschaftliche Störung fiel jedoch weniger gravierend aus als erwartet. Die Ölmärkte hätten ein gewisses Gleichgewicht gefunden, die Nachfrage habe sich angepasst und die Weltwirtschaft sei weiter gewachsen. Gleichzeitig hätten sich Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz als starker Konjunkturtreiber etabliert – insbesondere in den USA und in Teilen Asiens. Das habe dazu beigetragen, Sorgen über höhere Energiekosten abzufedern und den Fokus der Investoren weg von rohstoffbedingten Inflationsrisiken hin zu den Wachstumsaussichten zu verschieben.

Von der Öl- zur KI-Geschichte

„In vielerlei Hinsicht haben sich die Märkte von einer ‚Öl-und-Inflations‘-Geschichte hin zu einer ‚KI-und-Wachstum‘-Geschichte entwickelt“, so Kushlis. Für Schwellenländer habe das ein deutlich konstruktiveres Umfeld geschaffen, als viele zu Beginn des Jahres erwartet hatten. Die Kombination aus widerstandsfähigem Wachstum und einem stabileren Ölmarkt habe die Sorgen vor einem unmittelbaren Wachstumsschock reduziert. Gleichzeitig habe sich der Fokus des Marktes stärker auf die US-Zinsen und den Kurs der Federal Reserve verlagert. Das robustere Wachstum in den USA habe Anleger dazu veranlasst, ihre Erwartungen an die Geldpolitik der Fed neu zu bewerten – mit steigenden US-Renditen und verschärften globalen Finanzierungsbedingungen als Folge.

Schwellenländer profitieren unterschiedlich stark

Von der KI-getriebenen Wachstumsdynamik profitieren laut Kushlis allerdings nicht alle Schwellenländer im gleichen Ausmaß. Zu den klarsten Gewinnern zählt er Südkorea und Taiwan, die aufgrund ihrer zentralen Rolle in der Halbleiter-Lieferkette besonders stark vom KI-Boom profitieren. Auch andere export- und produktionsorientierte Volkswirtschaften in Asien hätten von der stärkeren Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Investitionen profitiert. Ein breiterer Aufschwung in den Schwellenländern werde jedoch eine stärker synchronisierte Ausweitung der globalen Nachfrage erfordern. Bis dahin blieben höhere US-Renditen die wichtigste Herausforderung – insbesondere für Schwellenländerwährungen und lokale Anleihemärkte.

T. Rowe Price/IJ

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