Fed-Sitzung: Warsh ohne Ausblick
Die US-Notenbank hat die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Gleichzeitig strich sie den bisherigen Hinweis auf mögliche geldpolitische Lockerungen aus ihrer Erklärung. Für Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, markiert die Sitzung den Beginn einer neuen Ära unter Fed-Chef Kevin Warsh.
Falkenhafte Signale aus den Prognosen

Die eigentliche Überraschung lag laut Scherrmann weniger in der Zinsentscheidung als in den neuen Projektionen. Neun der 18 Notenbanker halten für 2026 mindestens eine Zinserhöhung für angemessen, acht plädieren für unveränderte Zinsen und nur ein Mitglied sieht Spielraum für eine Senkung. Warsh selbst gab keine Prognose ab.
Zugleich erwarten die Fed-Mitglieder für 2026 ein schwächeres Wirtschaftswachstum, eine höhere Inflation und einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt. Während sich die Gesamtinflation 2027 wieder normalisieren dürfte, wird bei der Kerninflation ein langsamerer Rückgang erwartet. Dies deutet laut Scherrmann auf strukturelle Inflationsfaktoren hin und unterstreicht den falkenhaften Charakter der Prognosen.
Warsh setzt auf Flexibilität
In der Pressekonferenz betonte Warsh das Mandat der Fed für Preisstabilität und Beschäftigung. Die deutlich verkürzte Erklärung solle sich künftig stärker auf nachvollziehbare Fakten konzentrieren. Einen eigenen Zinspfad legte er bewusst nicht vor. Stattdessen kündigte Warsh mehrere Arbeitsgruppen an, die sich mit Themen wie Kommunikation, Bilanzpolitik, Datenanalyse, Produktivität, Beschäftigung und Inflation befassen sollen. Eine Änderung des Inflationsziels sei jedoch nicht vorgesehen.
Inflation hat Vorrang
Warsh machte deutlich, dass die Inflation derzeit stärker im Fokus steht als der Arbeitsmarkt. Zwar sei eine Zinssenkung diskutiert worden, habe aber nur begrenzte Unterstützung gefunden. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung von Zweitrundeneffekten und die Notwendigkeit, Preisstabilität zu sichern. Bemerkenswert sei auch sein stärkerer Fokus auf Echtzeitindikatoren und moderne Analysemethoden anstelle rein rückblickender Wirtschaftsdaten.
Neue Ära für die Fed
Für Scherrmann zeigt die Sitzung vor allem eines: Die Notenbanker sind derzeit uneinig, ob die Zinsen unverändert bleiben oder nochmals angehoben werden sollten. Diese Einschätzung könne sich jedoch von Sitzung zu Sitzung ändern. „Mit Kevin Warsh als neuem Fed-Vorsitzenden tritt die Institution in eine neue Ära ein“, so Scherrmann. Die Fed dürfte künftig agiler agieren und weniger stark auf klassische Forward Guidance setzen. Märkte müssten sich darauf einstellen, dass geldpolitische Signale weniger vorhersehbar werden.
Ausblick
Trotz der falkenhaften Töne hält Scherrmann an seiner Einschätzung fest, dass die Fed die Zinsen im Jahr 2026 unverändert lassen wird. Die aktuelle Sitzung zeige jedoch, dass Inflation derzeit Vorrang vor Beschäftigungsrisiken hat und die Geldpolitik künftig deutlich flexibler ausfallen könnte.
DWS/IJ