12. Juni 2026

Fed-Chef bringt Volatilität zurück

Die erste geldpolitische Sitzung der US-Notenbank unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh steht im Schatten der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und der anhaltenden KI-Euphorie an den Märkten. Für Arif Husain, Head of Global Fixed Income und CIO bei T. Rowe Price, könnte der Führungswechsel an der Spitze der Federal Reserve jedoch weitreichendere Folgen haben, als derzeit eingepreist werden. Seine Einschätzung: Die Märkte müssen sich auf eine Rückkehr höherer Volatilität einstellen.

Weniger Forward Guidance, mehr Unsicherheit

Arif Husain, Head of Fixed Income bei T. Rowe Price
Arif Husain, Head of Fixed Income bei T. Rowe Price

Bei seiner Anhörung im Senat sprach sich Warsh für grundlegende Veränderungen in der Geldpolitik aus. Zu seinen Zielen zählen eine weitere Verkleinerung der Fed-Bilanz sowie die Abschaffung des Dot Plots und anderer Formen der Forward Guidance. „Langfristig denke ich, dass diese Maßnahmen die unbeabsichtigte Folge hätten, sowohl die implizite als auch die realisierte Marktvolatilität zu erhöhen“, erklärt Husain. Nach der globalen Finanzkrise habe die Fed mit quantitativer Lockerung, Liquiditätsspritzen und klarer Kommunikation maßgeblich dazu beigetragen, die Volatilität an den Märkten zu senken. Der sogenannte „Fed Put“ habe Inflationserwartungen verankert und extreme Marktergebnisse gedämpft. Niedrigere Zinsvolatilität habe sich in der Folge auch auf Kredit- und Aktienmärkte übertragen.

Das Risiko einer Rücknahme der Forward Guidance

Ein weiterer Bilanzabbau nach dem Ende des jüngsten Quantitative-Tightening-Programms könnte Investoren dazu zwingen, ihre langjährigen Annahmen über dauerhaft geringe Volatilität zu überdenken. „Die Rücknahme der Forward Guidance, einschließlich des Dot Plots, hätte denselben Effekt, da sie den geldpolitischen Ausblick der Fed verschleiern und ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten eröffnen würde“, so Husain. Zwar sei der Dot Plot keineswegs perfekt, er helfe jedoch dabei, Erwartungen an extreme Entwicklungen einzudämmen.

Finanzielle Repression

Gleichzeitig sieht Husain einen möglichen Zielkonflikt zwischen der Fed und der US-Regierung. Während Warsh die Bilanz der Notenbank verkleinern wolle, verfolge die Trump-Regierung das Ziel, die Zinsen möglichst niedrig zu halten. Als Beispiel nennt er die Reaktion auf den „Liberation Day“, als hohe Zölle nach steigenden Anleiherenditen wieder zurückgenommen wurden. Zudem habe Präsident Donald Trump Fannie Mae und Freddie Mac angewiesen, hypothekenbesicherte Wertpapiere im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar zu kaufen, um die Hypothekenzinsen zu senken.

„Die Unterdrückung von Renditen – eine Form der Finanzrepression, die durch staatliche Eingriffe oder Regulierung erreicht wird – kann die Märkte für Staatsanleihen verzerren und die Volatilität niedriger halten, als sie es sonst wäre“, erklärt Husain. Als historisches Beispiel verweist er auf die Steuerung der Zinsstrukturkurve durch die Bank of Japan zwischen 2016 und 2024. Entscheidend sei eine klare Abstimmung zwischen Geld- und Fiskalpolitik. „Auf den ersten Blick wird dies nicht der Fall sein, was wahrscheinlich erneut zu mehr Volatilität und potenziell höheren Renditen führen wird.“

Gegenströmungen, die die Volatilität erhöhen werden

Für Husain sprechen die unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Entwicklungen dafür, dass Anleger sich mittelfristig auf ein neues Marktregime einstellen müssen. „Sinkende oder begrenzte Volatilität war in den letzten zehn Jahren oder mehr die Grundlage für viele der erfolgreichsten Anlageansätze“, betont er. „Das nächste Jahrzehnt wird wahrscheinlich anders verlaufen.“

T. Rowe Price/IJ

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