8. Juni 2026

ESG-Trends bleiben intakt

Geopolitische Spannungen, Energiekrisen und wechselnde politische Rahmenbedingungen sorgen derzeit für Unsicherheit an den Märkten. Für Ophelie Mortier, Chief Sustainable Investment Officer bei DPAM, bleiben jedoch die langfristigen Trends entscheidend: Dekarbonisierung, Energiewende, Digitalisierung und Klimaanpassung. Unternehmen investieren weiterhin in mehr Energie- und Ressourceneffizienz, den Umgang mit dem demografischen Wandel und widerstandsfähigere Geschäftsmodelle.

Kurs halten in turbulenten Zeiten

Ophelie Mortier, Chief Sustainable Investment Officer von DPAM

Die jüngsten Entwicklungen unterstreichen laut Mortier die Notwendigkeit von Dekarbonisierung, Energiewende und Kreislaufwirtschaft. Auch wenn kurzfristige Ereignisse Anleger zu radikalen Portfolioanpassungen verleiten könnten, sei es wichtig, fokussiert zu bleiben und langfristige Trends nicht aus den Augen zu verlieren. Besonders herausfordernd seien wechselnde politische und regulatorische Rahmenbedingungen. Entscheidungen wie die Streichung von Subventionen für die E-Fahrzeugindustrie in den USA können erhebliche Auswirkungen auf einzelne Sektoren haben. Gleichzeitig bergen Übergangsfinanzierungen Risiken, da sowohl zu frühes als auch zu spätes Handeln problematisch sein kann.

Mortier betont zudem, dass ESG nicht mit pauschalen Ausschlüssen gleichzusetzen sei. Strategien mit strengen Paris-Aligned-Benchmark-Kriterien hätten zuletzt unterdurchschnittlich abgeschnitten, weil sie Sektoren wie Energie oder Verteidigung ausschließen. ESG bedeute jedoch nicht, ganze Branchen auszuklammern, sondern Nachhaltigkeitsaspekte differenziert zu bewerten.

Dekarbonisierung in der Stromerzeugung

Positive Signale sieht Mortier weiterhin für Batterien, Stromnetze und ausgewählte Bereiche der industriellen Dekarbonisierung. Der „Accelerate EU“-Plan der Europäischen Kommission soll als Reaktion auf den Iran-Krieg die Dekarbonisierung der Stromerzeugung vorantreiben. Weltweit gehe die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen trotz steigender Stromnachfrage zurück. Dadurch steigen die Übergangsrisiken für reine Kohle- und langfristig auch für Gasanlagen. Unternehmen mit starken Projektpipelines in den Bereichen Solarenergie, Windkraft und Energiespeicherung seien ebenso im Vorteil wie Netz- und Infrastrukturanbieter, die in Übertragungs-, Verteilungs- und Smart-Grid-Technologien investieren.

Gleichzeitig gewinnen soziale und Governance-Aspekte an Bedeutung. Themen wie Erschwinglichkeit, Energiesicherheit, Genehmigungsverfahren und Marktgestaltung rücken stärker in den Fokus.

ESG im Wandel unter KI-Einfluss

Die ESG-Landschaft entwickelt sich weiter. Die starke Performance von Energie- und Verteidigungswerten habe zwar Kritik an ESG-Strategien ausgelöst, ESG bedeute jedoch nicht den Ausschluss ganzer Branchen. Vielmehr gehe es darum, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Resilienz systematisch in Anlageentscheidungen und Risikomanagement zu integrieren.

Auch Künstliche Intelligenz verändert ESG-Risiken und -Chancen. KI kann die Effizienz in Bereichen wie Smart Grids, Präzisionslandwirtschaft, Logistik oder Gesundheitsversorgung verbessern. Gleichzeitig erhöht der Ausbau großer Rechenzentren den Energie- und Wasserverbrauch erheblich. Hinzu kommen Risiken wie die Verbreitung von Falschinformationen oder mögliche Arbeitsplatzverluste, die einen verantwortungsvollen Wandel der Arbeitswelt erforderlich machen.

Klimawandel: Anpassung an Auswirkungen

Neben der Dekarbonisierung wird die Anpassung an den Klimawandel zunehmend zu einem wichtigen Anlagethema. Die weltweiten Schäden durch Klimafolgen werden inzwischen auf rund 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Im Bereich Wasser gewinnen Unternehmen an Bedeutung, die Technologien für Wasserrecycling, Wasseraufbereitung und effiziente Verteilung entwickeln. Sie profitieren sowohl vom steigenden Wasserbedarf als auch von den Anforderungen energieintensiver Bereiche wie Rechenzentren und Industrie.

Auch Infrastrukturinvestitionen werden wichtiger. Die Nachfrage nach widerstandsfähigen Baumaterialien, Dämmstoffen, Hochwasserschutzlösungen und moderner Engineering-Software steigt, da extreme Wetterereignisse häufiger werden. Zudem gewinnen Unternehmen an Bedeutung, die Notfallreparaturen durchführen oder Lieferketten widerstandsfähiger machen.

Für Mortier bleibt Nachhaltigkeit damit ein langfristiges Investmentthema. Trotz kurzfristiger Unsicherheiten und politischer Richtungswechsel seien Dekarbonisierung, Digitalisierung, Resilienz und Klimaanpassung zentrale Trends, die auch in den kommenden Jahren die Kapitalmärkte prägen werden.

DPAM/IJ

Zum Newsletter anmelden

Bestellen Sie kostenfrei und unverbindlich den GELD-Magazin Newsletter, als optimale Ergänzung zur Print-Ausgabe von GELD-Magazin!
Zwei Mal im Monat versenden wir den Newsletter mit Themen rund um den Finanzmarkt und Wirtschaft.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen.