Private Markets vorne
Eine neue Analyse von Aberdeen Investments zeigt: Private-Markets-Anlagen haben klassische Portfolios aus Aktien und Anleihen in den vergangenen 25 Jahren deutlich übertroffen – allerdings bei höherem Risiko. Gleichzeitig stehen Regierungen weltweit vor der Herausforderung, Investitionen in produktive Vermögenswerte zu fördern und zugleich ihre heimischen Aktienmärkte zu stärken.
Die Untersuchung entstand vor dem Hintergrund zahlreicher geopolitischer und wirtschaftlicher Turbulenzen der vergangenen Jahrzehnte, die immer größere Teile der Weltbevölkerung gleichzeitig betreffen und spürbare Bewegungen an den Kapitalmärkten auslösen. Vor diesem Hintergrund analysierte Aberdeen, wie sich Private Markets im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen entwickelt haben.
Private Markets mit deutlich höherer Rendite

Die Ergebnisse zeigen eine klare Outperformance: Ein gleichgewichteter Korb aus Private-Markets-Anlagen erzielte über 25 Jahre eine Gesamtrendite von 845 %. Damit lag er deutlich über globalen Aktien mit 359 %, globalen Anleihen mit 190 % sowie einem klassischen 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen mit 309 %.
Gleichzeitig weist Aberdeen darauf hin, dass diese höhere Rendite mit einem höheren Risikoprofil verbunden ist. Um die unterschiedlichen Volatilitäten der einzelnen Segmente zu berücksichtigen, betrachtete das Unternehmen bewusst einen gleichgewichteten Korb verschiedener Private-Markets-Bereiche. Dazu zählen Private Equity, Infrastruktur, Immobilien, Private Credit und Rohstoffe.
Diversifikation bleibt entscheidend
Für Nalaka De Silva zeigen die Daten, dass Private Markets langfristig erhebliche Renditechancen bieten können. Aufgrund ihres langfristigen Anlagehorizonts könnten Investoren über sehr lange Zeiträume höhere Renditen erwarten als bei börsennotierten Aktien oder Anleihen.
Gleichzeitig betont er, dass klassische Aktien- und Anleiheportfolios nicht ersetzt werden sollten. Die Risiken innerhalb der Private Markets unterschieden sich deutlich voneinander, weshalb Diversifikation – ähnlich wie an den öffentlichen Kapitalmärkten – eine zentrale Rolle spiele. Auch die aktuellen Diskussionen rund um Private Credit seien berechtigt, beträfen jedoch vor allem einzelne Segmente des Direct Lending mit Bewertungs- und Transparenzproblemen. Diese Bereiche seien im Vergleich zur gesamten Bandbreite hochwertiger Strategien relativ klein.

Zugang weiterhin begrenzt
Trotz der starken Performance bleibt der Zugang zu Private Markets für viele Anleger eingeschränkt. In einem Whitepaper mit dem Titel „Private markets for public good: the opportunities and barriers to democratisation“ nennt Aberdeen mehrere Hindernisse für eine breitere Öffnung der Anlageklasse.
Dazu gehören unter anderem die fehlende tägliche Handelbarkeit von Anlagevehikeln wie LTAFs oder ELTIFs, uneinheitliche Gebührenoffenlegung, geringe Transparenz bei der Bewertung privater Vermögenswerte sowie das Fehlen verlässlicher Benchmarks und Reporting-Standards.
Stärkung des öffentlichen Vertrauens in Private Markets
Um zusätzliche Investitionen zu ermöglichen, plädiert Aberdeen für eine offenere Diskussion über Chancen und Risiken von Private-Markets-Investitionen. Anleger müssten verstehen, dass sich die Risikoprofile deutlich von jenen öffentlicher Märkte unterscheiden.
Darüber hinaus spricht sich der Vermögensverwalter für einen produktneutralen Ansatz in Politik und Regulierung aus. Unterschiedliche Anlagevehikel seien für unterschiedliche Anlegergruppen geeignet und sollten entsprechend berücksichtigt werden.
8-Punkte-Plan für Private Markets
Um Private Markets stärker zum Nutzen der Allgemeinheit einzusetzen, hat Aberdeen einen Acht-Punkte-Plan vorgestellt. Dazu zählen unter anderem standardisierte Reporting-Vorlagen für Performance-Daten, mehr Transparenz bei Bewertungen und Vermögenswerten sowie ein branchenweiter Goldstandard für Bewertungsmethoden. Weitere Vorschläge betreffen eine bessere Integration illiquider Fonds in bestehende Anlageplattformen, eine einheitliche Kostenoffenlegung, mehr Aufklärung über Private-Markets-Investitionen sowie nationale Initiativen zur Förderung von Finanzbildung.
Aus Sicht von Aberdeen liegt der Mehrwert vor allem in einer breiten Diversifikation über verschiedene Private-Markets-Segmente hinweg. Dadurch könnten Anleger stabilere Ertragsquellen erschließen und ihre Abhängigkeit von einzelnen Marktsegmenten reduzieren.
Aberdeen Investments/IJ