26. Feber 2026

US-Aktien global denken

Die Glorreichen Sieben gehörten lange zu den Überfliegern am US-Aktienmarkt – seit Jahresanfang kämpfen einige der Tech-Riesen mit erheblichem Gegenwind. Ist dies ein erstes Anzeichen dafür, dass die US-Dominanz an den globalen Aktienmärkten schwindet? Die Bedingungen für Anleger, die sich 2026 von den USA weg diversifizieren möchten, sind aktuell sehr günstig, meint Kent Hargis, Chief Investment Officer im Strategic Core Equities-Team bei AllianceBernstein.

Kent Hargis, Chief Investment Officer im Strategic Core Equities-Team bei AllianceBernstein

Die Dominanz der USA auf den globalen Aktienmärkten dauert bereits lange: In den vergangenen elf Jahren übertrafen US-Aktien ihre Pendants außerhalb der USA oft deutlich. 2025 kehrte sich dieses Muster jedoch um. Der MSCI EAFE Index legte um 31,2 Prozent zu, während der S&P 500 17,9 Prozent stieg. Auch nach dieser Outperformance hinken die Bewertungen in anderen Industrieländern weiterhin denen der USA hinterher. Dennoch erzielten Nicht-US-Aktien netto in Lokalwährungen einen Zuwachs von 20,6 Prozent. Vor diesem Hintergrund scheinen die Bedingungen für Anleger, die sich 2026 von den USA weg diversifizieren möchten, aktuell sehr günstig.

Konzentrationsrisiko ist in Nicht-US-Märkten geringer

Die wachsende Marktkonzentration war ein Grund für die US-Dominanz – und ist zugleich ein Risiko. Zu Beginn des Jahres 2026 machten die zehn größten US-Aktien 40 Prozent des S&P 500 aus – etwa doppelt so viel wie bis 2010. Der Technologiesektor und die Glorreichen Sieben dominieren zunehmend und machen zusammen 48 Prozent des S&P 500 aus. Hohe Konzentration bedeutet, dass wenige Namen die Erträge in Stressphasen stark beeinflussen können. Eine starke Fokussierung auf den US-Markt verwässert Diversifizierungsvorteile und erhöht die Volatilität. Im Gegensatz dazu machen die zehn größten Aktien an Nicht-US-Märkten nur 13 Prozent des breiteren Marktes aus und bieten mehr Diversifizierungspotenzial.

Wie stark haben US-Aktien wirklich outperformt?

Die hohe Marktkonzentration verschleiert die Quelle der Aktienperformance. Zwar hat der S&P 500 den MSCI EAFE beim Gewinnwachstum in den vergangenen zehn Jahren übertroffen, doch diese Differenz wurde hauptsächlich von den Glorreichen Sieben getragen. Ohne die Gewinne von Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon, Meta (Facebook), Nvidia und Tesla würde das Gewinnwachstum des S&P 500 dem des MSCI EAFE ähneln. Das Gewinnpotenzial von Nicht-US-Unternehmen ist damit nicht inhärent unterlegen. Tatsächlich lagen die Nicht-US-Gewinne von MSCI-EAFE-Unternehmen in drei der vier Jahrzehnte von 1970 bis 2010 über denen der USA.

Heute ist das Gewinnwachstum außerhalb der USA differenzierter. Während die Gewinnerwartungen in Europa uneinheitlich sind, tendieren die Prognosen für Japan sowie die Schwellenländer nach oben. Gewinnverbesserungen könnten zu höheren Bewertungen führen – insbesondere angesichts des 48-prozentigen Abschlags des MSCI EAFE gegenüber US-Aktien.

Politik und strukturelle Hindernisse als Treiber für Nicht-US-Aktien

Auch der Ausblick für Investitionen außerhalb der USA ist konstruktiv. Europa profitiert derzeit von fiskalpolitischen Stimulierungsreformen, darunter Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur. Der Anstieg der Investitionsausgaben könnte in Sektoren wie Industrie und Technologie in den kommenden zwei Jahren zweistelliges Gewinnwachstum ermöglichen.

Der Finanzsektor ist bereits weiter: Europas Banken lieferten 2025 – gemessen an der Aktionärsrendite – überlegene Erträge, mit einem Plus von 40 Prozent bei den MSCI-EAFE-Finanzwerten. Dennoch werden europäische Bankaktien mit einem deutlichen Abschlag gegenüber US-Pendants bewertet. Japan verfolgt eine Politik gezielter geldpolitischer Lockerung und reduziert Cross-Shareholding. Reformen der Corporate Governance und eine höhere Eigenkapitalrendite haben Japan zu einem zunehmend attraktiven Markt für globale Anleger gemacht.

Defensive Nicht-US-Aktien können US-Beteiligungen ergänzen

Unterm Strich ist die Lage für Nicht-US-Aktien positiv, auch wenn US-Aktien in der globalen Allokation weiterhin eine wichtige Rolle spielen dürften. Nach einer Phase starker US-Gewichtung könnte nun eine Gelegenheit sein, Allokationen auszugleichen und das Portfolio breiter aufzustellen. Viele Unternehmen mit Sitz außerhalb der USA verfügen über globale Einnahmequellen. Angesichts geopolitischer Spannungen und möglicher Konjunkturabschwächung kann ein diversifiziertes Portfolio mit hochwertigen internationalen Aktien und attraktiven Bewertungen zusätzlichen Schutz vor Volatilitätsschüben bieten.

AllianceBernstein/IJ

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