China startet mit Rückenwind ins Jahr des Pferdes
Im folgenden Kommentar anlässlich des chinesischen Neujahrs erläutern die Experten von Aberdeen Investments, Nicholas Yeo, Head of China Equities, und Isaac Thong, Senior Investment Director Asian Equities, wie China mit neuer wirtschaftlicher Dynamik ins Jahr des Pferdes startet und welche strukturellen Trends die Märkte dabei prägen.
Heute, am 17. Februar feiert China das chinesische Neujahrsfest – und startet mit deutlich mehr Schwung ins Jahr des Pferdes, als die meisten Anleger noch vor einem Jahr erwartet hätten. 2025 erzielte das Land erneut ein BIP-Wachstum von 5 %,[1] überstand die Turbulenzen rund um Trumps „Liberation Day“ und verbuchte einen rekordhohen Handelsüberschuss. Der Anteil des BIP‑Wachstums, der auf den Außenhandel entfiel, stieg auf fast 33 % (+2,4 Prozentpunkte).[2] Auch an den Kapitalmärkten setzte sich diese Dynamik fort: Der chinesische Aktienmarkt zählte 2025 mit Renditen von über 30 % zu den weltweit stärksten Anlageklassen.[3]
Der Konsum steuerte 2025 mit 52 % (+7,5 Prozentpunkte) einen deutlich höheren Anteil zum Wachstum bei.[4] Dass dies trotz schwacher Einzelhandelsumsätze gelang, liegt daran, dass stärkere Ausgaben für Dienstleistungen die Entwicklung überkompensierten. Das verfügbare Einkommen wächst weiterhin schneller als das nominale BIP – unterstützt durch höhere staatliche Transfers und trotz deutlich rückläufiger Immobilienerträge. Auch die robusten Aktienmärkte tragen zur Stimmungsaufhellung bei, selbst wenn Haushalte weiterhin nur gering in Aktien investiert sind.
Nicholas Yeo, Head of China Equities bei Aberdeen Investments, kommentiert:

„Der Markt hat noch nicht vollständig erfasst, wie schnell sich Chinas heimisches KI‑Ökosystem trotz bestehender Einschränkungen weiterentwickelt. Diese Faktoren können sich rasch gegenseitig verstärken, wenn Kapital gezielt eingesetzt wird und politische Unterstützung hinzukommt. Wir rechnen damit, dass immer mehr Unternehmen bislang eher improvisierte Lösungen in marktreife Produkte überführen, die im gesamten Ökosystem breite Anwendung finden.
Wir erwarten, dass KI und Technologie die Marktentwicklung in den ersten Monaten des Jahres 2026 prägen werden. Dabei rückt weniger KI als Schlagwort in den Vordergrund, sondern vielmehr die zugrunde liegende Infrastruktur – der Aufbau eines Ökosystems aus Rechenzentren, Komponenten, industrieller Automatisierung und Software‑Ebenen, die direkt in Arbeitsabläufe integriert werden. Gewinner werden jene Unternehmen sein, die über die nötige Skalierung, verlässlichen Datenzugang und finanzielle Stärke verfügen, um diese Entwicklungen nachhaltig zu monetarisieren. Im Konsumsektor setzt sich die Dynamik hin zu stationären Discountern und Quick-Commerce-Anbietern fort. Unternehmen mit Preissetzungsmacht, starker Logistik und Vertrieb sowie solidem Cashflow sind in einem stärker auf Binnennachfrage ausgerichteten Umfeld im Vorteil.“
Aberdeen sieht langfristiges Potenzial bei Herstellern von Ausrüstung für die Halbleiterproduktion sowie bei Anbietern von KI‑Technologien. Die zunehmende Integration künstlicher Intelligenz in Unterhaltungselektronik dürfte zudem die Nachfrage nach Hardware und Rechenzentrumsinfrastruktur weiter stützen. Im Bereich des Binnenkonsums belasten steigende Kosten die Margen. Während traditionelle Konsumgüter wie Bier oder Gewürze zunehmend unter Druck geraten, profitiert jedoch Tiernahrung von einem strukturell wachsenden Markt.
Ein festerer Renminbi könnte chinesische Aktien zusätzlich unterstützen, da er stabile Kapitalflüsse und verbessertes Sentiment signalisiert.
Isaac Thong, Senior Investment Director Asian Equities bei Aberdeen Investments, betont die zunehmende Bedeutung von Dividenden:

„Bei einem stabilen Wachstumspfad von 5 % finden Unternehmen zunehmend ein Gleichgewicht zwischen Investitionen und Ausschüttungen. Staatliche Initiativen zur Corporate Governance haben höhere Ausschüttungen an die Aktionäre gefördert und so zahlen viele Unternehmen inzwischen höhere Dividenden.“
LSEG-Daten zeigen, dass die gesamten Bardividenden der 2.000 großen und mittelgroßen Unternehmen des Landes 2023 auf einen Rekordwert von 3,4 Billionen Yuan (468,84 Mrd. USD) stiegen.[5] Diese erhöhten sich 2024 um weitere 1,2 % und könnten auch 2025 nochmals um 8,6 % steigen. Dividenden sind dadurch zu einem wichtigeren Bestandteil der Aktionärsrenditen geworden. Diese Initiativen haben zudem die Gesamtqualität chinesischer Unternehmen verbessert. Thong sieht hier weiteres Potenzial: „Die Rendite liegt aktuell bei 2,4 %, aber viele Unternehmen haben Spielraum für höhere Ausschüttungen.“
Das Wachstum wurde 2025 vor allem durch den Außenhandel getragen, während Investitionen schwächer dazu beitrugen. Haushalte stabilisierten die Nachfrage durch höhere Ausgaben für Dienstleistungen und solide Einkommen. Die jüngsten Maßnahmen der People’s Bank of China – darunter mögliche Zinssenkungen und eine Lockerung der Mindestreserveanforderungen – erhöhen die Liquidität und unterstützen eine stärkere Währung. Dies könnte die Attraktivität chinesischer Vermögenswerte steigern, auch wenn Deflationsrisiken durch Überkapazitäten bestehen und unklar bleibt, ob Haushalte stärker in Aktien umschichten.
[1] Nationales Statistikamt China. 2026 Januar
[2] Aberdeen, Haver, Januar 2026
[3] Aberdeen, Bloomberg, Dezember 2025
[4] Aberdeen, Haver, Januar 2026
[5] LSEG, Reuters. 2025 Januar
Aberdeen Investments/SJ