22. Jänner 2026

Fed unter Druck

Fiskalische Impulse, ein robustes Wachstum und anhaltende Inflation könnten es der US-Notenbank erschweren, die für die erste Hälfte des Jahres 2026 eingepreisten Zinssenkungen umzusetzen. Darauf verweist eine Einschätzung von Ritu Vohora, Investment Specialist bei T. Rowe Price.

Fiskalische Impulse belasten Staatsanleihen

Ritu Vohora, Investment Specialist bei T. Rowe Price

Da fiskalische Impulse die entwickelten Volkswirtschaften erfassen, könnte es schwieriger werden, Wertpotenzial in historisch hochwertigen Staatsanleihen zu finden, insbesondere bei längeren Laufzeiten. In den USA wird erwartet, dass Donald Trumps „One Big Beautiful Bill“ rund 200 bis 300 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaft pumpen wird, wobei der größte Anstieg für die erste Hälfte des Jahres 2026 erwartet wird.

Vor dem Hintergrund einer Staatsverschuldung von über 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und zusätzlicher fiskalischer Impulse, die das Wachstum neben einem KI-getriebenen Investitionsboom ankurbeln, könnten Inflation und Renditen von Staatsanleihen turbulentere Zeiten bevorstehen. Der Großteil der Finanzierung des Gesetzes soll zunächst über den Markt für Schatzwechsel erfolgen und nicht über längerfristige Anleihen. Die Prolongation von Schatzwechseln werde den drohenden Schuldenüberhang verzögern, aber nicht beseitigen.

Auch Deutschland, seit langem ein Vorbild für Haushaltsdisziplin, plant erhebliche Ausgabenerhöhungen für Verteidigung und Infrastruktur. Zudem steuert Japan auf eine höhere Schuldenaufnahme zu, was den Wert traditioneller Staatsanleihen weiter schwächt. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Asset Allocation Committee von T. Rowe Price eine Short-Duration-Strategie und bevorzugt inflationsgebundene Anleihen als kostengünstigen Ballast gegen diese steigende Zinsen.

EZB dürfte abwarten

Inmitten der fiskalischen Expansion stehen die Zentralbanken vor einem schwierigen Zielkonflikt zwischen der Unterstützung der Beschäftigung und der Kontrolle der Inflation. Die US-Notenbank sieht sich dabei mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. KI-getriebene Produktivitätsveränderungen, eine alternde Bevölkerung und der Rückgang der Einwanderung belasten den US-Arbeitsmarkt strukturell.

Zwar ist die Zahl der offenen Stellen zurückgegangen, Entlassungen bleiben jedoch verhalten. Dies deutet darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt abschwächt, ohne zusammenzubrechen. Gleichzeitig hat der politische Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken, zugenommen. Der neue Vorsitzende dürfte eine zurückhaltende Haltung einnehmen. Dennoch wird davon ausgegangen, dass der Markt die bevorstehenden inflationären Turbulenzen unterschätzt. Eine lockere Fiskalpolitik, robustes Wachstum, anhaltende Auswirkungen der Zölle und ein schwächerer Dollar drohen die Inflation anzukurbeln. Vor diesem Hintergrund könnte es der Zentralbank schwerfallen, die von den Märkten eingepreisten Zinssenkungen umzusetzen.

Auch die EZB steht vor eigenen Herausforderungen. Das Wachstum erwies sich zuletzt als widerstandsfähiger als erwartet, angetrieben durch die Vorverlegung von Exporten vor den US-Zöllen und die anhaltende Nachfrage im inländischen verarbeitenden Gewerbe. Zwar könnten Zölle weiterhin ein Hemmnis darstellen, der fiskalische Aufschwung dürfte jedoch einen Ausgleich schaffen. Die Inflation bleibt hartnäckig, insbesondere im Dienstleistungssektor. Kurzfristige Daten sprechen daher nicht für Zinssenkungen, und die EZB dürfte in den kommenden zwölf Monaten eine abwartende Haltung einnehmen. Angesichts der bevorstehenden fiskalischen Expansion könnte das Risiko eher in Richtung Zinserhöhungen tendieren.

Kreditmärkte bieten Chancen trotz hoher Bewertungen

Obwohl die Spreads nahe ihren historischen Tiefstständen liegen, bieten die Kreditmärkte Anlegern weiterhin Chancen. Gestützt durch solide Unternehmensbilanzen bieten Hochzinsanleihen und Bankkredite im Vergleich zu langfristigen Aktienrenditen weiterhin attraktive Renditen, während die Ausfallraten unter dem langfristigen Durchschnitt bleiben.

Allerdings zeichnen sich einige für den späten Zyklus typische Entwicklungen ab. Die Verschuldung des privaten Sektors nimmt zu, und es kam zuletzt zu einzelnen hochkarätigen Ausfällen. Diese erscheinen derzeit als Einzelfälle und weniger als Anzeichen einer sich zusammenbrauenden Kreditkrise, unterstreichen jedoch die Bedeutung gründlicher Analyse und disziplinierter Kreditauswahl.

T. Rowe Price/IJ

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