Zollstreit um Grönland
Die jüngsten Zollankündigungen der US-Regierung im Zusammenhang mit dem Grönland-Streit könnten aus einer diplomatischen Auseinandersetzung eine ernsthafte wirtschaftliche Bedrohung machen. Darauf verweist ein Marktkommentar von Dr. Christian Schulz, Chefvolkswirt bei Allianz Global Investors.
Risiko eines globalen Handelskriegs
Durch die Verknüpfung von Zöllen mit dem politischen Konflikt um Grönland steigt laut Schulz die Gefahr, dass sich eine zunächst gezielte Maßnahme rasch zu einem systemischen Schock ausweitet. Sollte die Europäische Union mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren, könnte sich der Konflikt von einem begrenzten Zollstreit zwischen den USA und Europa zu einem umfassenden globalen Handelskrieg ausweiten.
Ein solches Szenario würde nach Einschätzung von Allianz Global Investors einen stark stagflationären Schock auslösen, der sowohl das Wachstum als auch die Inflation beeinträchtigen und die politischen Überlegungen der Zentralbanken verändern würde.
Finanzmärkte als entscheidender Faktor
Von zentraler Bedeutung seien nun die Reaktionen der Finanzmärkte. Bleiben die Märkte optimistisch und rechnen mit einem Einlenken Europas, könnten die wirtschaftlichen Kosten für die USA begrenzt bleiben, zumal diese Zölle im Gegensatz zu den gegenseitigen Maßnahmen des letzten Jahres „nur” für Europa und nicht weltweit gelten.
Eine deutlich negativere Marktreaktion könnte hingegen den Druck auf die US-Regierung erhöhen, ihre Haltung zu mildern. In diesem Fall könnten europäische Akteure auch Unterstützung im US-Kongress finden, um das Vorgehen des Präsidenten einzuschränken und die Spannungen zu deeskalieren. Zudem könnte ein Urteil des Obersten Gerichtshofs gegen die Anwendung des IEEPA vorübergehend Entlastung bringen.
Wo finden Anleger sichere Häfen?
Aus Marktsicht erscheint das Risiko einer Eskalation des Handelskonflikts zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt derzeit deutlich höher als nach dem sogenannten Liberation Day. Dies würde wahrscheinlich einen starken Druck auf risikobehaftete Anlagen ausüben, insbesondere auf europäische Industrieunternehmen, die gegenüber den USA exponiert sind, und auf US-Dienstleistungsunternehmen, die von den europäischen Märkten abhängig sind.
Der Euro könnte profitieren, falls europäische Investoren Kapital aus den USA zurückführen oder es zu einer gemeinsamen europäischen Kreditaufnahme kommt. Gleichzeitig dürften sowohl der Dollar als auch der Euro in diesem Szenario nur eingeschränkt als sichere Häfen fungieren. Als Hauptnutznießer gelten vielmehr Edelmetalle und möglicherweise der japanische Yen.
Allianz Global Investors/IJ