Aktien China: Comeback
Die chinesischen Aktienmärkte erleben derzeit ein Comeback, aber nicht alle Unternehmen profitieren gleichermaßen davon. Es bestehen weiterhin Bewertungsunterschiede, die Politik greift ein, und die Technologiebranche steht im Rampenlicht.
Nicholas Yeo, Director & Head of Equities China bei Aberdeen Investments, erläutert die aktuellen Aussichten für die chinesischen Aktienmärkte. Er sieht hier vor allem zwei wichtige Trends.
1. Südwärts gerichtete Kapitalströme
• Investoren vom chinesischen Festland haben in diesem Jahr bereits fast rund 1 Billion HKD in Hongkonger Aktien investiert und damit das Gesamtvolumen von 2024 übertroffen. Politische Maßnahmen wie die Förderung von Aktienrückkäufen und das sogenannte „Marktwertmanagement“ durch die Regierung stärken das Interesse an dividendenstarken Staatsunternehmen.
• Die Lockerung der lokalen Finanzierungsbedingungen sowie sinkende Interbankenzinsen in Hongkong fördern zusätzlich die Risikobereitschaft der Anleger. Seit Jahresbeginn flossen die südwärts gerichteten Kapitalströme vor allem in führende Internetunternehmen, innovative Medizintechnologie und Sektoren der New Economy. Besonders gefragt waren Finanzwerte, zyklische Konsumgüter und IT – die beliebtesten Sektoren für Südwärts-Fonds. Diese nach Süden gerichteten Kapitalströme machen inzwischen fast ein Viertel des Handelsvolumens an der Hongkonger Börse aus.
2. Führungsaufspaltung
• KI- und halbleiterlastige Onshore-Benchmarks sowie HK-Tech haben die Erholung angeführt Technologie bleibt der Wachstumstreiber. Der Hang Seng TECH Index ist im Jahresvergleich um fast 70 % gestiegen. Auch Unternehmen des Onshore STAR Market aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Halbleiter verzeichneten seit Jahresbeginn Zuwächse von über 30 %.
• Der CSI 300 wurde auf das rund 14-fache des Gewinns neu bewertet – weiterhin unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass bei fortgesetzten Konjunkturmaßnahmen weiteres Aufwärtspotenzial besteht.
Ausblick positiv
„Wir beobachten weiterhin ein günstigeres Marktumfeld für unseren Investmentstil in China sowie verbesserte Rahmenbedingungen für unseren fundamentalen Ansatz – das stimmt uns zuversichtlich für den weiteren Jahresverlauf. Der Onshore-Aktienmarkt gewinnt zunehmend an Bedeutung innerhalb der chinesischen Gesellschaft. Reformen und politische Unterstützung für die Kapitalmärkte werden fortgesetzt, wobei der Markt eine zentrale Rolle bei der Kapitallenkung in innovationsgetriebene Sektoren spielt. Im A-Aktienbereich sehen wir weiterhin eine wachsende Zahl attraktiver Investmentchancen.
Seit der politischen Kurskorrektur Ende letzten Jahres bleiben wir vorsichtig optimistisch. Der externe Druck könnte zu einer stärkeren Fokussierung auf inländische Konjunkturmaßnahmen führen, die für eine wirtschaftliche Trendwende entscheidend sind. Jüngste Regierungsinitiativen – etwa zur Inflationsbekämpfung – zeigen, dass die Behörden aktiv Maßnahmen zum Schutz der Wirtschaft ergreifen. Das System verfügt über hohe Liquidität: Die Bankeinlagen entsprechen in ihrer Höhe der Marktkapitalisierung des A-Aktienmarktes. In einem Umfeld niedriger Zinsen suchen Privatanleger verstärkt nach renditestärkeren Alternativen. Angesichts der aktuellen Lage am Immobilienmarkt rückt der Aktienmarkt zunehmend in den Fokus als bevorzugte Anlageklasse. Wir sind überzeugt, dass der A-Aktienmarkt vor einer nachhaltigen Performance steht“. Gestützt würde das durch die genannten strukturellen und politischen Faktoren, eine mögliche Abschwächung des US-Dollars sowie attraktive Bewertungen im Vergleich zu den USA und anderen Schwellenmärkten.
Langfristiges Potenzial
Trotz neuer Höchststände liege die Bewertung des A-Aktienmarktes weiterhin unter dem Fünfjahresdurchschnitt – ein weiteres Indiz für langfristiges Potenzial. Mögliche Katalysatoren seien die Umsetzung der Politik in wichtigen Bereichen wie dem Immobiliensektor und einer flexiblen Finanzpolitik. Wichtig ist außerdem die Neuausrichtung des Policy-Mix: „Die Nachfrage wird gestützt, während angebotsseitige „Anti-Involutions“-Maßnahmen zur Bekämpfung der Deflation greifen. Der 15. Fünfjahresplan und das Vierte Plenum im Oktober könnten wichtige Signale zur Wachstumsstrategie und Konsumförderung liefern. Dabei ist die Richtung der Maßnahmen entscheidender als deren Umfang – sie stärken Vertrauen und Ertragsvisibilität“, so Nicholas Yeo.
Liquidität als Treiber
Weiters würden private Haushalte als Kapitalquelle dienen: Während der Pandemie haben chinesische Haushalte rund 26,5 Billionen RMB an zusätzlichen Ersparnissen aufgebaut. Bei weiter sinkenden Einlagenzinsen könnten bis 2025 etwa 5,5 Billionen RMB in den Kapitalmarkt fließen. Ein Teil dieser Mittel liegt noch in Nicht-Bank-Produkten. Mit wachsendem Vertrauen dürfte jedoch mehr Kapital in Aktien und Anlageprodukte fließen – ein potenzieller Treiber für die Nachfrage nach Risikoanlagen.
Aberdeen Investments/HK
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