Investoren, die auch die Charttechnik für ihre Anlagestrategie heranziehen, erlebten Ende Februar ein Waterloo: Sie wurden – wenn auch mit erheblichem Gewinn – in der DAX-Korrektur als Folge des Irankriegs bei 22.750 Punkten ausgestoppt und haben somit in deutschen Aktien keine Positionen mehr. Nun muss sich zeigen, ob die nachfolgende Erholung von Dauer ist, und vor allem, ob die Marke von 24.000 Punkten nachhaltig zurückerobert werden kann. Die Stimmung an den deutschen Börsen ist Ende Februar jäh gekippt: Während der ifo-Geschäftsklimaindex, der die Erwartungen der Unternehmen misst, deutlich zurückging, sprang die Inflation im März auf ein Zweijahreshoch von 2,7 Prozent. Das lässt nichts Gutes für das Konsumklima erwarten. Eine schnelle Trendwende ist nicht in Sicht. Denn Zweitrundeneffekte werden die Geldentwertung über die Drei-Prozent-Marke treiben. Auch die Fantasie weiter sinkender Leitzinsen hat sich in Luft aufgelöst. Denn es sind nicht nur die Energiepreise massiv gestiegen (Diesel etwa auf ein Rekordhoch von 2,44 Euro pro Liter), sondern auch die Preise für andere Rohstoffe – etwa für Düngemittel, die in der Nahrungsmittelherstellung eine wichtige Rolle spielen, (Schwefel bzw. Ammoniak) oder für die Halbleiterproduktion (hier ist Helium zu nennen). Damit ist auch die Fortsetzung des Aufschwungs in der deutschen Industrie erst einmal vom Tisch. Zudem wurden leider 95 Prozent (!) der 2025 im Rahmen des „Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur“ aufgenommenen Kredite nicht für Investitionen genutzt, sondern um Budgetlöcher zu stopfen. Rekordausschüttungen im DAX Der Ausblick für 2026 war vor Kriegsbeginn sehr gut gewesen: So sind die größten deutschen Börsenkonzerne laut einer Studie von EY in der gerade laufenden Dividendensaison dabei, Rekorddividenden an ihre Aktionäre auszuschütten: insgesamt 55,3 Milliarden Euro, 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr. „Viele Unternehmen haben sehr gute Zahlen für 2025 vorgelegt“, so Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. „Davon profitieren die Anleger.“ Dividendenkönig bleibt die Allianz mit 6,5 Milliarden Euro, gefolgt von der Deutschen Telekom (4,8 Mrd. Euro) und Siemens (4,2 Mrd. Euro). Danach kommen Mercedes, der Rückversicherer Munich Re und der Softwareprimus SAP. Dividendenkürzungen gibt es fast nur im Sektor Automobilbau. Zudem haben viele DAX-Konzerne ebenfalls rekordhohe Aktienrückkaufprogramme aufgelegt. Allein 2026 dürften Anteilsscheine für 26 Milliarden Euro vom Markt genommen werden – von 23 der 40 DAXKonzerne. 2027 wird dieser Trend weitergehen und die gesamte Rückkaufsumme fast 30 Milliarden Euro erreichen. Auf die Dividendenkönige setzen Anleger tun gut daran, auf Aktien jener Unternehmen zu setzen, die sich in beiden Kategorien – Dividenden und Rückkäufe – besonders hervortun. Etwa den absoluten Primus, die Allianz, die 2025 mit 17,4 Milliarden Euro ihr höchstes operatives Jahresergebnis aller Zeiten erzielte. So kann auch die Dividende um elf Prozent auf 17,10 Euro je Aktie steigen. Dazu kommt ein neues Aktienrückkaufprogramm im Ausmaß von 2,5 Milliarden Euro. Der Ausblick ist mit Absicht vorsichtig ausgefallen. Auch Anleger halten sich noch zurück, sie befürchten eine größere Markttransparenz durch Privatkundenrecherche mittels KI. Abgesehen davon, dass dies – wenn überhaupt – ein längerfristiger Trend wäre, darf man fragen, ob Versicherungskunden wirklich einem Chatbot zutrauen, den Versicherungsexperten zu spielen. Vielmehr ist es jetzt schon der Fall, dass die Assekuranzen selbst KI für eine bessere Kundenbetreuung und -beratung einsetzen und in der Lage sind, dadurch auch Kosten einzusparen. Und davon profitieren vor allem die großen Player – die Allianz ist jeKrieg bremst Bullen aus Auf das Rekordhoch folgte die kalte Dusche fast auf den Fuß:Trotz guter Fundamentaldaten und Quartalsberichte wurde der DAX durch den Irankrieg auf Talfahrt geschickt. WOLFGANG REGNER denfalls die Nummer Eins in Europa. Nach einer Korrekturphase erscheinen aber auch Rückversicherer wieder attraktiv. Hannover Rück überzeugt Hier setzen Anleger darauf, dass die zuletzt schwächere Preissetzungsmacht im Rückversicherungsbereich wieder zunimmt. Aktuelle Versicherungsabschlüsse deuten darauf hin, dass die Prämien in einem inflationären Umfeld einer Ölkrise wieder anziehen dürften. Damit bekäme auch der Geschäftsgang der Hannover Rück, der an sich schon sehr gut läuft, zusätzlichen Schub. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer will nach einem Rekordgewinn 2025 seine Dividende auf 12,50 DAX . Ausgestoppt 26.000 25.000 17.000 20.000 21.000 22.000 23.000 24.000 18.000 19.000 16.000 2024 2025 AKTIEN . Deutschland ´26 32 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 2/2026
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