GELD-Magazin, Nr. 2/2026

Zinsfalken im Aufwind. Die jüngsten Inflationsdaten haben jener Fraktion im EZB-Rat Auftrieb gegeben, die Preissteigerungen lieber früher als später durch eine Zinserhöhung bekämpfen will. Das Problem: Eine Notenbank kann mit ihrer Zinspolitik die Rohstoffpreise nicht beeinflussen, aber die Konjunktur abwürgen, was dann in der Folge wegen der schwächeren Nachfrage wohl zu sinkenden Materialkosten führen würde: um den Preis einer Rezession. Da sich der Nahostkonflikt in die Länge zieht und die Energiepreise nur sehr zögerlich wieder zurückgehen, ist in jedem Fall mit Konjunkturproblemen zu rechnen. Die Stimmung der Dienstleister in der Eurozone hat sich bereits im März eingetrübt. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel um 1,7 Punkte auf 50,2 Punkte. Allerdings ist das Sentiment in der Industrie trotz des Ölpreisschubs den dritten Monat in Folge gestiegen und liegt weiter über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Die Verbraucherpreise legten im März um 2,5 Prozent zu, nach nur 1,9 Prozent im Februar. Damit liegen sie wieder über der EZB-Zielmarke, und drohen in den kommenden Monaten die DreiProzent-Marke zu überspringen. Auch die Verbraucherstimmung hat sich stärker als erwartet verschlechtert. Die EZB hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,9 Prozent gesenkt. Somit besteht eigentlich kaum Spielraum für eine straffere Zinspolitik. (wr) Preisschock bisher ausgeblieben. Die Inflation im Großraum Tokio ist trotz des Ölpreisschubs infolge des Iran-Kriegs den vierten Monat in Folge gesunken. Im März legten die Verbraucherpreise ohne Frischwaren um 1,7 Prozent zu. Seit November hat sich die Teuerung abgeschwächt, nachdem sie damals noch bei 2,8 Prozent gelegen hatte. Obwohl die Bank of Japan (BOJ) ihre Geldpolitik weiterhin strafft, ist nicht zu erwarten, dass sie einen Endzins von über 2,0 Prozent anstrebt. Die Entwicklungen an den globalen Ölmärkten stellen den Normalisierungsprozess allerdings auf die Probe. Japans beträchtliche Ölreserven, sie reichen für etwa 250 Tage, begrenzen den negativen Ölpreiseffekt auf die Produktion. Nur ein Angebotsschock von über sechs Monaten könnte eine Rezession auslösen. Ein Inflationsschub wäre dann aber dennoch nicht zu erwarten. Sollten höhere Energiekosten die privaten Haushalte belasten und der Konsum erheblich nachlassen, könnte die BOJ weitere Zinserhöhungen aussetzen und ihren Kurs neu bewerten. Die jüngste Ausweitung der Energiesubventionen und die Begrenzung der Benzinpreise im Einzelhandel dürften dazu beitragen, den Anstieg der Gesamtinflation zu begrenzen und die Verbraucher zu entlasten. Allerdings würden auch die Unternehmen weniger Druck verspüren, ihre hohen Cash-Reserven zu investieren oder zum Teil an ihre Aktionäre auszuschütten. (wr) EUROPA . Kann die EZB überhaupt die Zinsen erhöhen? Kräftige Korrektur Der Euro Stoxx 50 Index verzeichnete ebenfalls kräftige Kurseinbußen von rund zehn Prozent. Da aber die Marke von 5.500 Punkten verteidigt werden konnte, gelang dem Index eine deutliche Erholung. Allerdings wurde kein Rekordhoch erreicht. Nikkei zeigt relative Stärke Japanische Aktien bewiesen trotz der geopolitischen Belastung durch den Nahostkrieg relative Stärke, auch dank der hohen Rohölreserven. Der Nikkei-Index erreichte nach der Kurskorrektur sogar ein Allzeithoch bei 59.700 Punkten. erzielen. EURO STOXX 50 NIKKEI 225 JAPAN . Zins-Normalisierung steht auf der Kippe Ausgabe Nr. 2/2026 – GELD-MAGAZIN . 29 Indexpunkte in JPY 60.000 50.000 55.000 45.000 35.000 25.000 30.000 40.000 20.000 2021 2022 2023 2024 2025 Indexpunkte in EUR 3.500 4.000 4.500 5.000 6.500 6.000 5.500 3.000 2021 2022 2023 2024 2025 ´26 ´26

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