GELD-Magazin, Nr. 2/2026

Demokratie unter Beschuss Das politische System der Vereinigten Staaten entspricht einer föderalen Präsidialrepublik, die auf der US-Verfassung von 1787 basiert. Diese beruht auf dem Prinzip der Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative. Die Exekutive wird vom Präsidenten geführt, der zugleich Staats- und Regierungschef ist und unabhängig vom Parlament gewählt wird. Die Legislative besteht aus dem Kongress mit zwei Kammern: dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Sie ist für Gesetzgebung und Haushaltsfragen zuständig. Die Judikative, angeführt vom Supreme Court, überwacht die Einhaltung der Verfassung. Ein zentrales Merkmal ist das System der „Checks and Balances“, bei dem sich die Gewalten gegenseitig kontrollieren und begrenzen. Zudem sind die Bundesstaaten politisch eigenständig und besitzen eigene Verfassungen sowie Regierungen. Dieses Zusammenspiel aus Föderalität und Gewaltenteilung prägt die Stabilität und Flexibilität des politischen Systems der USA. Oder besser gesagt: prägte. Es ist nämlich gerade die Balance der Gewaltenteilung, die Trump auszuhebeln versucht. die Gesetzgebung, weil Präsident und Kongress Kompromisse finden müssen, und kann dazu führen, dass Vorhaben blockiert oder verzögert werden. Gleichzeitig aber verstärkt sich das Prinzip der Gewaltenteilung, da sich die politischen Kräfte gegenseitig kontrollieren. Solche Situationen treten oft nach Midterm-Wahlen auf, wenn die Partei des amtierenden Präsidenten Stimmen verliert, während das Präsidentenamt unverändert bleibt. Ein typisches Beispiel wäre im konkreten Fall der republikanische Präsident Trump bei gleichzeitig demokratischer Mehrheit im Repräsentantenhaus. Insgesamt bedeutet ein Divided Government, dass politische Entscheidungen schwieriger umzusetzen sind, aber das System der Checks and Balances stärker zum Tragen kommt. Jedenfalls dienen die Midterms als wichtige Vorbereitung auf die nächste Präsidentschaftswahl, da Parteien und Kandidaten ihre Strategien testen und sich neu positionieren. Umfragen sprechen gegen Trump Bis zu den Midterm-Wahlen dauert es noch mehr als ein halbes Jahr – da fließt noch viel Wasser durch den Potomac River in Washington D.C. Gegenwärtig sehen die Meinungsumfragen für die Republikaner aber nicht gut aus – im Durchschnitt wird ein Vorsprung der Demokraten von rund fünf Prozent prognostiziert. Wobei die Beliebtheitswerte von Trump und Konsorten bereits vor dem im Februar 2026 vom Zaum gebrochenen Iran-Krieg gefallen sind. Klar ist: Zur Steigerung der Popularität Trumps hat der Konflikt nicht beigetragen. Aber kehren wir zurück zu den Midterms: Ein Divided Government erscheint durchaus möglich und ist, wie bereits erwähnt, historisch gesehen eher die Regel als die Ausnahme. Die Folgen Somit könnte also Sand ins Getriebe der republikanischen Maschinerie kommen, unregierbar würde der Staat dadurch aber nicht. Beunruhigender ist hingegen die Frage, was Trump im Falle einer Wahlniederlage noch alles einfallen könnte. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass er Vorwürfe von Manipulation schnell bei der Hand hat (ohne belastbare Beweise vorzubringen). Das alles könnte weitere Unruhe in ein ohnedies tief gespaltenes Land bringen. Außerdem schwebt in weiterer Ferne die Diskussion um eine dritte Amtszeit im Raum. Donald Trump hat zwar mehrfach signalisiert, dass er diese nicht anstrebe, aber die Aussagen dazu sind manchmal etwas schwammig formuliert. Man hat das Gefühl, er spiele mit dem Gedanken, vielleicht aber aus Provokation. Wobei: Die US-Verfassung erlaubt maximal zwei Amtszeiten als Präsident. Das besagt der 22. Zusatzartikel, er wurde nach vier Wahlen von F.D. Roosevelt eingeführt, um die Machtkonzentration zu verhindern. Was man nicht vergessen sollte: Es gibt Ausgabe Nr. 2/2026 – GELD-MAGAZIN . 9 It‘s the economy - stupid! Wirtschaftsthemen bereiten den US-Amerikanern laut Umfrage die größten Sorgenfalten. Aber bereits an zweiter Stelle werden Kriege genannt, Trump hat hier in ein Wespennest gestochen, obwohl er „Friedenspräsident“ sein will. Die brennendsten Probleme der US-Bürger Quelle: Ipsos Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Jobs Krieg und Konflikte im Ausland Bedrohung von demokratischen Werten Korruption Politische Gewalt und Extremismus Immigration 16 % 14 % 8 % 9 % 10 % 11 %

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