GELD-Magazin, September 2022

Vorerst keine Rezession. Die Eurozone ist im Frühjahr stärker als erwartet gewachsen. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,7 Prozent. Im ersten Quartal betrug das BIP-Wachstum 0,5 Prozent. Die Verbraucher-Inflation in der Eurozone kletterte im Juli auf den Rekordwert von 8,9 Prozent. Zudem fachten die im Rekordtempo ansteigenden deutschen Erzeugerpreise (+37,2 %) die Angst vor einer Fortsetzung der Teuerungsdynamik an. Die Unternehmensstimmung hat sich im Juli weiter verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global fiel zum Vormonat um 2,1 Punkte auf 49,9 Zähler. Der Indikator liegt erstmals seit Februar 2021 unter der Marke von 50 Punkten, die Wachstum von Schrumpfung trennt. Zudem sind in der Eurozone die Einzelhandelsumsätze im Juni überraschend gefallen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Erlöse um 1,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gaben die Umsätze um 3,7 Prozent nach. Interessant: Besonders stark fielen die Umsätze im Versand- und Internethandel. Die Indikatoren im Dienstleistungssektor sind solider als in der Industrie. Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2022 stärker als erwartet gesunken (-2,1 %). Allein im Juni wurde gegenüber dem Vorjahresmonat ein Rückgang um 4,5 Prozent verzeichnet. Die IG BAU spricht von einem Alarmsignal. (wr) Rezession abgewendet. Ähnlich wie in den USA wurde das japanische BIP im zweiten Quartal durch einen deutlich geringeren Anstieg der Lagerbestände als im ersten Quartal beeinträchtigt. Die Werte lagen aber trotz einer leichten Unterschreitung der Konsenserwartungen klar im positiven Bereich. Zwischen April und Juni stieg das BIP um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal an. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet dies einen Anstieg um 2,2 Prozent. Am Markt war ein stärkerer Anstieg erwartet worden. Im Vorquartal hatte die vor Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach revidierter Berechnung noch stagniert. Zum Wachstum im zweiten Quartal trug maßgeblich der private Konsum bei, der in Japan rund 60 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes trägt. Er zog um 1,1 Prozent an. Getrübt werden die Konjunkturaussichten in Japan von der steigenden Inflation und der Straffung der geldpolitischen Zügel in Übersee. Der Internationale Währungsfonds hatte die Wachstumsprognose für Japan für dieses Jahr kürzlich von 2,4 Prozent auf 1,7 Prozent gesenkt. Immerhin wurde das erste Quartal deutlich nach oben korrigiert. Somit hat Japan nicht die zwei negativen BIP-Quartale erlebt, die es in den USA gab. Japan leidet zwar unter hohen Rohstoffpreisen, der Außenhandel bleibt jedoch positiv, da der schwache Yen die Exporte ankurbelt. (wr) EUROPA . Wachstum stärker als erwartet Aufholjagd Im Juli/August legte der Eurozonen-Aktienindex eine beeindruckende Rally hin, er stieg von 3.300 auf 3.800 Punkte. Der dort befindliche Widerstand konnte jedoch nicht im ersten Anlauf geknackt werden. Anleger können bei 3.350 Punkten neu einsteigen. Volatil aufwärts Der japanische Aktienindex konnte sich im Juli/August von knapp über 26.000 bis auf 29.200 Punkte erholen. Die Widerstandsmarke bei 30.000 Punkten ist jedoch ziemlich massiv. Anleger können sich bei rund 27.800 Punkten in den Markt wagen. EURO STOXX 50 JAPAN . Schwacher Yen als Konjunktur-Treibsatz 2020 2019 2021 2022 Indexpunkte in EUR 2.200 3.400 3.200 3.000 2.800 2.600 2.400 3.600 3.800 4.000 4.200 4.400 NIKKEI 225 2020 2019 2021 2022 Indexpunkte in JPY 18.000 20.000 26.000 24.000 22.000 28.000 32.000 30.000 16.000 September 2022 – GELD-MAGAZIN . 61

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