GELD-Magazin, Dezember 2020 / Jänner 2021

gab es von Anfang an. Ein sorgsamer Um- gang mit Hilfsgeldern ist auch notwendig, gerade bei einem so wichtigen Kriseninstru- ment wie der Corona-Kurzarbeit. Schon bis- her konnten durch die Kurzarbeit viele Ar- beitsplätze und damit Einkommen gesichert werden, und das ist auch nach wie vor so.“ Wichtige Atempause Die strengeren Maßstäbe der Regierung werden also von der Wirtschaftsvertretung nicht verdammt, generell zeigt sich die WKO auch mit den gesetzten Hilfs-Maßnah- men recht zufrieden: „Umsatzersatz und Fixkostenzuschuss II unterstützen möglichst viele betroffene Betriebe quer durch alle Branchen, um die Lock Down-Folgen zu- mindest teilweise zu kompensieren. Die Ver- längerung der Steuer- und Abgabenstun- dungen, die Verlängerung der USt-Senkung für die Gastronomie, Hotellerie und Kultur bis Ende 2021 entlasten die Betriebe unmit- telbar und verschaffen eine wichtige Atem- pause.“ Die Prolongierung des Haftungspa- kets zur Besicherung von Überbrückungs- krediten der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank bis Ende Juni 2021 wird ebenfalls positiv gesehen. Auch auf die Fra- ge, wie schnell Unternehmen Unterstützung finden, zieht die WKO eine recht erfreuliche Bilanz: „Beim Umsatzersatz hat die Bean- tragung gleich am Tag der Bekanntgabe ge- startet – nach etwa einer Woche wurden mehr als 30.000 Anträge mit einem Gesamt- volumen von über 900 Millionen Euro ein- gereicht. Davon wurden über 800 Millionen in den nachfolgenden Tagen ausgezahlt.“ Fazit: Bessere Feinabstimmung Trotz der alles in allem erfolgreichen Hilfs- pakete haben etliche KMU Existenzängste. Die langjährige Unternehmensberaterin und Expertin der Fachgruppe UBIT Wien, Claudia Strohmaier, meint: „Es wäre überle- genswert, dass die Politik unterschiedliche Förderschienen einführt, die auf die Unter- nehmensgröße abgestimmt sind. Damit könnten den Kleineren Vorlaufzeiten ge- währt werden, sie können nämlich nicht so schnell reagieren wie große Unternehmen. Überhaupt wäre es wünschenswert, wenn sich die Politik mehr Know-how aneignen würde, wie KMU überhaupt ticken, um För- dermaßnahmen gezielter zu setzen.“ Wichtige Maßnahmen Umsatzsteuer. Die Ermäßigung der Umsatzsteuer von fünf Prozent in der Gastronomie, Hotellerie und Kultur wird bis 31. Dezember kommenden Jahres verlängert. Zudem sollen bis Ende 2021 alle Speisen und Ge- tränke in der Gastronomie diesem begünstigten Steuersatz unterliegen. Insgesamt würden laut Bundesre- gierung Kultur und Tourismus um rund 1,5 Milliarden Euro entlastet. Kurzarbeit. Unternehmen, die be- reits im Oktober 2020 ein Kurzar- beitsbegehren mit einer Arbeits- zeit von 30 Prozent oder mehr beantragt haben, können nach- träglich ein Änderungsbegehren mit einem höheren Arbeitszeitaus- fall bis zum Ende des bewilligten Kurzarbeitszeitraumes stellen. Achtung: Wird die Kurzarbeit für mehr als fünf Arbeitnehmer be- antragt, muss ein Steuerberater/ Bilanzbuchhalter/Wirtschaftsprü- fer die Angaben bestätigen. Des Weiteren gibt es in Zusammenhang mit der Corona-Kurzarbeit bereits verschärfte Kontrollen: Seitens der Finanzverwaltung werden zusätz- lich 350 Kontrolleure eingesetzt, die auch Vorortkontrollen, insbe- sondere die Arbeitszeitaufzeich- nungen betreffend, durchführen. Gastronomie. Für den Zeitraum der angeordneten Schließung wer- den den österreichischen Gastro- nomie-Unternehmen 80 Prozent (seit Dezember 50 %) ihres Um- satzes ersetzt. Der Umsatzersatz wird anhand der Steuerdaten, die der Finanzverwaltung vorliegen, automatisch berechnet. Die Bean- tragung erfolgt über FinanzOnline. Jänner 2021 – GELD-MAGAZIN . 21 Monatliche Unternehmensinsolvenzen seit dem Shut Down: Die Pleitewelle kommt erst Dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen greifen, sieht man an der geringeren Zahl von Unterneh- menspleiten im Vergleich zu 2019. Das birgt aber auch die Gefahr, dass „Zombie-Firmen“ künst- lich am Leben erhalten werden. Durch die anhaltende Verschleppung wird es 2021 höchstwahr- scheinlich zu massiven Insolvenzen kommen. (Insolvenzen im Vergleich zu den Durchschnittszahlen im Jahr 2019) Quelle: KSV Insolvenzverfahren 2019 Insolvenzverfahren 2020 April Mai Juni Juli August September 386 386 386 386 386 386 181 294 305 252 195 161

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